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Samstag, 24. Januar 2015: Draghi

Solch ein Notenbankchef der EZB hat auf unser Leben eine ziemlich große Auswirkung. Frankfurt bestimmt auch hier in Bombinhas unser Leben. Mein Ruhestandsgehalt kommt (fast. Eigentlich aus Darmstadt) von dort, viele meiner Freunde wohnen dort und dort wird auch das gelenkt, was mir den Unterhalt hier sichert, nämlich der Euro. In der Regel fahren wir damit ganz gut, jedoch sah es in den letzten Wochen damit eher schwach aus, denn wenn wir noch Mitte Dezember für 800 Reais lediglich 235 € berechnet bekamen, müssen wir heute 275 € hin blättern. Das ist eine erhebliche Steigerung von immerhin 17% oder ein Wertverlust von 15%. Da hier eine Inflation um die 5% herrscht, wird klar, dass das schon einen gewissen Einschnitt in unser Auskommen hat. Nun gebe ich zu, dass das ein Jammern auf ziemlich hohem Niveau ist, denn vor 2 Jahren hatte ich noch 325 € für 800 Reais zahlen müssen. Damals waren zwar auch die Preise noch nicht so hoch wie heute, jedoch fällt das nicht so ins Gewicht. Müssten wir noch immer diesen hohen Preis zahlen, sähe es in unserer Schatulle bedenklicher aus. Vor einem Jahr allerdings zahlten wir auch nicht mehr als 235 €, was damals für uns ideal war, denn da fielen alle großen Investitionen für unsere Wohnung an. Besonders die Überdachung der Terrasse hinter der Küche war eine erhebliche Investition, die bei einem höheren Wechselkurs etliche Tausender ausgemacht hätte. Inzwischen brauchen wir kaum noch Neuinvestitionen zu machen, so dass die von Herrn Draghi verursachte „Inflation“ nicht wirklich weh tut. Außerdem haben wir bekanntlich derzeit unsere Gästewohnung vermietet, so dass wir in dieser Saison bereits rund 10.000 Reais eingenommen haben, die allerdings zur Hälfte für Steuern an die Gemeinde Bombinhas drauf gehen. Ein weiteres „Zusatzeinkommen“ ist die Rente von Aurora, über die Aurora ab Februar erstmals verfügen kann. Bis dahin wurde mit dem kompletten Betrag die im Dezember verstorbene Mutter finanziert. Alles in allem kann man sehen, dass es uns an nichts fehlt trotz Herrn Draghi.

Chico ist wieder gesund. Er nervt auf seine käterische Weise, wie wir das von ihm gewohnt sind. Wir haben erfahren, dass eine Dose Whiskas über 3.000 Kalorien enthält (was auf der Dose selber wohlweislich nicht vermerkt ist!). Aurora hat an beide Katzen täglich mindestens eine Dose verfüttert. Jetzt ist damit Schluss, denn diese Kalorienzahl reicht ja sogar für einen Kerl wie mich locker aus. Da ist es kein Wunder, dass inzwischen Susi zu dick und Chico Diabetiker geworden ist. Beide bekommen jetzt vorläufig nur noch Hartfutter – und wenn sie noch so quengeln.

Mein neues Ehrenamt als Vorsitzender der Wohnungseigentümergemeinschaft bringt Aurora einige Arbeit, weil sie recht oft die Verhandlungen in meinem Namen führen muss. Ich stehe dann immer etwas doof dabei. Eigentlich mögen wir das beide nicht besonders gerne, aber es ist nun mal nicht anders zu machen, solange ich noch nicht ungehindert mit den Menschen reden kann.
Gestern hatten wir eine Hausbegehung mit der Hausverwaltung und Benjamin, einem Allround-Handwerker, der – und das ist hier nicht ungewöhnlich – wie eine Art Hausarzt für alle Arbeiten im Haus zuständig ist. Er nimmt auf, was zu tun ist, macht einiges selber und delegiert anderes weiter an andere Handwerker. Da er eng mit der Hausverwaltung, die auch in etlichen anderen Häusern tätig ist, zusammenarbeitet, ist davon auszugehen, dass er durch Unzuverlässigkeit keine Probleme verursacht. Schließlich möchte er nicht gerne seinen Auftraggeber verärgern. Da ist er in einer anderen Position als z.B. Amarildo, der uns versprochen hatte, gestern mit uns zu telefonieren. Gemacht hat er es nicht. Wir mögen Amarildo, denn er war der Bauleiter beim Bau unseres Hauses und kennt sich hier entsprechend gut aus. Zudem ist alles, was er macht, wirklich gut. Leider aber ist er auch ein typischer Brasilianer, der nicht nein sagen kann, sondern lieber die Menschen versetzt. Aber das wissen wir inzwischen und finden ihn dennoch in Ordnung – wenn wir nicht gerade von seiner Tätigkeit abhängig sind.

Zuletzt noch ein Zwischenbericht aus der Sprach-Lern-Front: Mein Wortschatz beträgt inzwischen 6.124 Wörter und Sätze, wobei ich bei einer Vokabelwiederholung aller erfassten Vokabeln festgestellt habe, dass mir bei rund 25% nicht sofort das portugiesische Wort einfällt. Aber Wörter wie: Abfallwirtschaft, Augenbrauenstift, Kinderkrippe oder 3 verschiedene Wörter für „Pause“, die sich danach unterscheiden, bei welcher Gelegenheit die Pause gemacht wird, sind nicht so leicht dauerhaft in den Kopf zu bekommen.
Die Kurse, die von Babbel angeboten werden, habe ich bis auf die Schreibkurse alle absolviert. Jetzt habe ich 47 Erfolgszertifikate. Bei Babel bleiben also lediglich Wiederholungen von Lektionen und des Wortschatzes. Immerhin kann man damit auch viel Zeit verbringen und jedes Mal wieder was Neues lernen oder Altes vertiefen. Inzwischen habe ich auf diese Weise 208.719 Babbel-Fleißpunkte und stehe damit auf der „ewigen Bestpunkteliste“ schon auf Platz 78. Um auf den 5. Platz zu gelangen, müsste ich dreimal so viele Punkte einfahren, was eigentlich nicht so schwer ist, wenn man nur wiederholt. Auf dem 5. Platz ist derzeit noch ein Luxemburger zu finden, der ebenfalls Portugiesisch lernt. Um gar auf den 1. Platz zu kommen, müsste ich 3 Millionen Punkte einfahren. Nun, mein Ehrgeiz diesbezüglich ist begrenzt.
Meine Unterhaltungsstunden mit Sylvia sind in der Saison auf Eis gelegt, weil Sylvia keine Zeit hat. Sie hat viel in den von ihr verwalteten Häusern zu tun. Ich denke, dass wir ab Mitte Februar weiter machen werden. Was mir fehlt, ist noch der entscheidende Durchbruch in meinem Kopf, den ich in Schweden auch erlebt hatte. Damals begann ich, die Sprache wirklich zu verstehen, mich ihrer zu bedienen, ohne im Kopf übersetzen zu müssen. Ich erinnere mich, wie sich mir eine innere Tür aufschloss, die es mir ermöglichte, in dieser Sprache daheim zu sein, mich ihrer Denk- und Ausdrucksmuster zu bedienen, wodurch sich mir ein neuer Horizont eröffnete. Wahrscheinlich ist dieser Durchbruch auch für eine dauerhafte Erlernung der Sprache nötig, denn Schwedisch kann ich noch heute erstaunlich gut. Ich hoffe zuversichtlich, dass ich auch im Portugiesischen dahin komme, denn die Kenntnisse nehmen zu. Möge es möglichst bald sein. Ich warte darauf und übe weiter.

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