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Dienstag, 27. Januar 2015: Edifício Frankfurt

Mit solch einer Hausverwaltung hat man auch so sein Schaff! Gestern gegen 18.00 Uhr saß ich im Pool mit der Absicht, mich abzukühlen und vor dem Abend in Form zu bringen, als draußen ein Dieselmotor auf Dauerbetrieb bei Hochleistung aufheulte und es begann, bis in den 4. Stock nach Diesel zu stinken.
‚Wieso machen diese Ferkel den Motor nicht aus, wenn sie schon aus einem Grunde nicht hier wegfahren?' war meine erste Reaktion.
Als der Spuk auch nach ein paar Minuten nicht vorbei war, erhob ich mich aus dem Nass und schaute über das Terrassengeländer nach unten. Da stand ein Tanklastwagen vor unserer Tür und ein dicker Plastikschlauch schlängelte sich von ihm in eins der normalerweise mit Deckel verschlossenen, in den Boden unserer Garage eingelassenen Löcher. Als erfahrener Bombinhaner wusste ich gleich: Jetzt wird Sch… – ich meine: Fäkalien – abgepumpt. Was auch immer ein seine Notdurft verrichtender Mensch im Haus hinterlassen hat, landet jetzt in jenem Tankwagen. Roderjan, unsere Hausverwalterfirma, hat das veranlasst, weil schon einige Leute sich bei ihnen beschwert hatten. Es würde um unser Haus ein sanfter Duft von Unaussprechlichem liegen, der vor allem beim Essen … na ja, ich will das nicht ausmalen …

Der erfahrene Leser dieser meiner Berichte weiß um das Problem von Bombinhas, dass es hier kein Abwassersystem gibt. Lediglich Regenwasser wird ins Meer geleitet. Jedes Haus, und sei es noch so klein, muss darum eine Sickergrube haben, die wie ein Miniklärwerk arbeitet. Diese Sickergruben sind da installiert, wo in Deutschland die Keller sind. Und damit man an sie auch dran kommt, hat man hier im Erdgeschoss meistens nur eine Hausmeisterwohnung und offene Autostellplätze, so dass die Häuser auf Stelzen stehen. So ist das auch bei uns, nur wohnt hier kein Hausmeister, weil die Baufirma diese Wohnung widerrechtlich verkauft hat. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Erlon, ein Mitarbeiter von Roderjan, stand dabei und überwachte die Abpumpaktion. Aurora und ich gesellten uns zu ihm und wir kamen ins Gespräch. 1.500 Liter Unsägliches wurde jetzt abgepumpt. In den Tanker passt zehnmal so viel. Der war aber voll, so dass er heute noch einmal kommen muss, um auch den Rest zu holen.

Bei der Gelegenheit schauten wir gemeinsam nach, was Benjamin in unserem Haus bereits gemacht hat. Viel war es nicht, aber was er gemacht hat, war falsch. Das gibt zu denken.

Am vergangenen Samstag haben wir Gisela in ihrer Imobiliaria einen Besuch abgestattet, um u.a. das Neueste aus Bombinhas zu erfahren. Gisela war am Boden zerstört, weil das Geschäft nach nur 2 Wochen ziemlich zusammen gebrochen ist. Es kommen keine Leute, die hier Ferien machen wollen. Der Grund – und ich könnte mir gut vorstellen, dass das wirklich so ist – sei, dass man nicht nur die Hauptstraße zu einem Feldweg umgestaltet hat, sondern auch die Bürgersteige. Stimm! Früher, so erinnern wir uns, sind hier besonders abends Mengen von Menschen im von mir so bezeichneten Bombinhas-Schlenderschritt gelaufen, sind mal eingekehrt, haben sich getroffen, ein Eis gegessen, sich das nächtliche Leben angeschaut. All das ist nicht mehr möglich. Es gibt nur noch Sand, Schotter, außen liegende Kabel, Eisenrohre, Steine, so dass das Laufen höchste Konzentration erfordert. Jetzt gibt es hier also keine Parkplätze und keine Fußwege mehr, dafür aber sehr viel Dreck und Staub. Es sei an der Hauptstraße unglaublich hässlich, klagt Gisela.
Nun können das die Menschen, die teilweise von sehr weit her kommen, eigentlich nicht wissen, aber wenn sie dann in unseren Ort hinein kommen und das Desaster sehen, fahren sie weiter in andere Stadtteile von Bombinhas. In Zimbros z.B. sei auch die letzte Hundehütte vermietet. Dort gibt es einen Boom, weil Bombas, unser Stadtteil, für Spontangäste ausfällt. Auroras Eindruck, Bombinhas wäre in diesem Jahr leerer, täuscht also nicht, auch wenn das nur für unseren Stadtteil gilt. Einziger Trost ist, dass es dafür in der nächsten Saison umso schöner aussehen wird – hoffen wir.

Immerhin wurde unsere Gästewohnung gut vermietet und wir haben gestern als erste Auszahlung einen Scheck über 9.500 Reais = 3.250 € abgeholt, um damit nun die laufenden Ausgaben inkl. Steuern zu zahlen. Ich vermute, dass diese Summe bereits ¾ der Einnahmen dieser Saison beträgt.

Gisela hat uns außerdem einen Techniker für unsere ausgefallene Klimaanlage im Schlafzimmer besorgt, der auch gestern kam, um die Klimageräte zu überprüfen. Das war bitter nötig, denn es stellten sich mehrere Fehler heraus. Der Fehler im Schlafzimmer war schnell behoben, denn dort fehlte dank einer kleinen Leckage das Leitgas im System.

Und dann haben wir gestern noch einen Fehler entdeckt, denn die Pumpe unseres privaten Brunnens ist kaputt gegangen und wir haben jetzt draußen kein Wasser mehr. Noch vor 2 Wochen war die Pumpe überprüft worden und angeblich war alles in Ordnung. Heute früh hat sich also Aurora nach unserem Strandgang darum gekümmert, denn sie braucht das Wasser, um ihre täglichen Wasserschlachten auf der Terrasse durchführen zu können. Zudem brauchen wir das Wasser für den Pool, in den nun das Restwasser aus dem Reservoir auf dem Dach geflossen war. Der Nachteil war, dass es jetzt eine recht intensiv grüne Farbe angenommen hat. In solch ein Wasser steigt man nicht gerne. Hinzu kommt, dass wir inzwischen die Analyse unseres Wassers erhalten haben, die ergab, dass wir mit Eisen (8,2-fache des Grenzwertes), Zink (4,1-fache) und Aluminium (2-fache), über den zugelassenen Grenzwerten liegen. Inha, Auroras Schwester und Krankenschwester, meinte, wir sollten das Wasser auf keinen Fall trinken, auch die Katzen dran hindern und selbst die armen Pflanzen damit verschonen. Letzteres halte ich für übertrieben, woraufhin sie sich korrigierte: Wenn wir Küchenkräuter zögen, sollte wir sie nicht mit dem Wasser gießen. Bei den Palmen sei’s egal. Das klingt schon besser. Jedenfalls kam der Techniker und stellte fest, dass die Pumpe kaputt ist und erneuert werden muss. Das ist nicht weiter erstaunlich, denn wir haben hier ein echt brasilianisches Qualitätsprodukt vor uns. Das darf dann auch nach einem Jahr Betrieb selbigen einstellen.

Zuletzt noch ein Wort zum Wetter. Zwar habe ich mich schon daran gewöhnt, mit Deckenventilator auch bei 30° im Schlafzimmer zu schlafen, aber weniger ist besser. Da wir unsere Strandgänge jetzt immer schon um 7 Uhr beginnen, ist die Sonne noch nicht richtig da und es herrschen Temperaturen knapp unter 30°. Wie angenehm frisch! Dennoch wäre ein erfrischendes Fußbad kein Fehler. Gehe ich aber ins Meer, fühlt es sich an, als stünde ich in einem Wasserkessel. In Strandnähe beträgt die Wassertemperatur 34°.

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