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Mittwoch, 18. Februar 2015: Geschafft!

Aschermittwoch. Es ist geschafft. Die Saison liegt hinter uns. So ganz stimmt das noch nicht, denn es ist damit zu rechnen, dass sie noch bis Ende Februar weiter geht, weil der Aschermittwoch relativ früh im Jahr liegt. Doch was die für uns schlimmen Seiten der Saison angeht, so haben wir jetzt das Schlimmste hinter uns … und ich muss weiterhin sagen: Es war in diesem Jahr ausgesprochen wenig schlimm – also das Schlimme. Offensichtlich wurde den Mietern von Gegenüber gleich zu Beginn beschieden, dass sie keinen unnötigen Lärm zu machen haben, denn die ganze Saison über war von ihnen nichts zu hören. Auch in den Nebenhäusern war es – bis auf eine Ausnahme, der ich dann aber ein Ende bereitet habe – nichts zu hören. Man konnte sogar die Vögel zwitschern hören, so still war es. An Karneval hatten wir noch mit einer Explosion der Geräusche gerechnet. Ein wenig lauter als sonst war es auch, aber das war durchaus erträglich.

Bombinhas ist auch weiterhin eine volle Stadt, nur eben nicht bei uns hier, weil wir jene unsäglich schlechte Straße haben, über die sich der gesamte Verkehr quälen muss. Da es sich um die Flaniermeile des Stadtteils handelt, ist klar, dass sich die Menschen anderen Stadtteilen zuwenden. Selbst der Karneval hat um Bombas einen großen Bogen gemacht, weil man hier keine Umzüge machen kann. Lediglich die Beerdigung des Karnevals war gestern in Bombas auf dem neuen Fußweg am Strand. Selbst Aurora und ich wären dorthin gegangen, um wenigstens mal Karnevalsluft geschnuppert zu haben. Doch begann es am Nachmittag zu regnen. Dichte, schwarze Wolken hingen über der Stadt und ein starker Dauerregen setzte ein, der auf ein fröhliches, brasilianisches Fest ausgesprochen ungünstige Auswirkungen hat. Auf der Hauptstraße quälte sich eine lange, lange Autoschlange von Autos, die Bombinhas verlassen wollten, in Richtung Porto Belo. Diese Schlange gibt es in jedem Jahr – stop and go. Als wir gestern Nachmittag im Regen einen Termin hatten, kamen wir durch die Hauptstraße. Da fuhr dann 5 Autos vor uns jenes typisch brasilianische Karnevalsfahrzeug unter großem Getöse von Karnevalsmusik. Es handelt sich dabei um einen Lastwagen, auf dessen hoch gelegter Plattform eine Band mit etlichen Vortänzerinnen und Tänzern Platz haben. Die Band spielt laut Musik, die Tänzer tanzen ausgelassen Samba und dahinter sammelt sich eine Traube von Menschen, die dem sehr langsam fahrenden Lastwagen im Tanzschritt folgen. Das ist laut, das ist bunt, das ist Lebensfreude pur! Aber gestern? – Immerhin fuhr der Lastwagen und machte ein großes Getöse. Nur war die Plattform leer. Es gab keine Band, keine Tänzer, keine Farben, nur das Lastauto, das über Lautsprecher Konservenmusik verbreitete. Langsam fuhr es ebenfalls, aber nicht, um Menschen die Gelegenheit zu geben, hinter ihm her zu tanzen, sondern weil es im Stau fest steckte. Ehrlich: es war ziemlich prosaisch, man könnte sogar sagen, dass es richtig traurig wirkte. Jedenfalls sind wir nicht zur Beerdigung des Karnevals gegangen und ich vermute, dass sie sowieso wörtlich ins Wasser gefallen ist. Denn auch wenn das Wasser, was von oben kam, recht warm war, wird niemand Lust haben, im Sambaschritt mit triefenden Haaren und klitschnassen Kostümen fröhlich einher zu tanzen.

Der Karneval ist also ziemlich spurlos an uns vorüber gegangen. Nur ich hatte vorgestern die Gelegenheit, etwas vom Karneval in Rio im Fernsehen zu verfolgen. Das ist wirklich sehr beeindruckend. Die Veranstaltung findet im sogenannten Sambadrom statt. Ein Sambadrom ist eine Art Stadion, dessen Zuschauerränge an einer breiten Straße liegen, auf der sich die Sambaschulen präsentieren. Die Sambaschule Portela war gerade dran. Da fuhren zwei Wagen vor, die jeweils einen Adler aufwiesen. Diese Tiere waren riesig groß, einer sicherlich 3 – 4 Stockwerke hoch. Sie bewegten die Flügel, Hälse, Schnäbel, als wären sie lebendig. Wie viel Technik, wie viel Arbeit, Mühe, Phantasie stecken hinter solch einem Wagen! Da kommt ein deutscher Faschingswagen aus den Hochburgen des Faschings bei weitem nicht mit. Sie sind künstlerisch, technisch und auch optisch gegenüber diesen Gebilden wie ein Ferrari gegenüber einem Bollerwagen. Und um diese Wagen-Wunder herum tanzen enorme Mengen von Menschen, ausstaffiert mit sehr aufwändigen Kostümen, die ein vorgegebenes Thema widerspiegeln. Jede Sambaschule bietet mehrere tausend Tänzer auf.
Die Präsentationen der besten Sambaschulen Rios beginnen am Rosenmontag gegen 22 Uhr und gehen bis in den frühen Morgen. Jede Schule hat 1 Stunde Zeit, ihre Show im Sambadrom zu präsentieren. Zwar gibt es dabei immer viel zu sehen und ich bin auch beeindruckt, jedoch zieht sich das alles ziemlich in die Länge. Wenn man kein Nachtmensch ist, wirkt auch die Karnevalsmusik auf ein deutsches Ohr recht eintönig und einschläfernd. Nachdem ich also die wunderschönen Wagen mit den Vögeln drauf rund 45 Minuten betrachtet hatte, fielen mir die Augen zu und es zog mich ins Schlafzimmer, wo Aurora schon seit Stunden ihr Leben unter dem Einfluss des Sandmännchens verbrachte.

Heute nun wird stundenlang das Verfahren übertragen, in dem durch eine Jury ermittelt wird, welche Sambaschule Rios in diesem Jahr die beste Show hatte. Da ich ja lediglich Portela  mit den großen Adlern gesehen habe, werde ich ihnen alle Daumen drücken, denn ich fand das großartig, was sie da zusammengebaut haben, auch wenn ich darüber fast eingeschlafen wäre.

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