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Freitag, 20. Februar 2015: Renntner

Heute wird Rentner mal mit nn geschrieben, weil das heute total stimmt!

Ich weiß nicht, aber heute Nacht haben Aurora und ich beide nicht gut geschlafen und lagen recht lange wach im Bett herum – allerdings zumeist zu unterschiedlichen Zeiten. Da will man nicht Licht machen und auch nicht den anderen stören, sondern bleibt brav im Bett und zählt Schäfchen, bis man wieder einschläft. Während ich so vor mich hin zählte, überlegte ich, ob denn heute was Besonderes anstünde. Nichts fiel mir ein, nur Marie, unsere gute Seele, ist im Anmarsch wie jeden Dienstag und Freitag. Aber das sind wir ja gewohnt. Gegen 6 Uhr schlief ich dann noch mal ein, bis ich etwas unsanft von Aurora um 7.15 Uhr aus dem Schlaf geholt wurde: „Los! Frühstück machen. Marie kommt bald!“ Gut, dass ich gleichzeitig aufwachen und aufstehen kann. Das kam mir jetzt zu Gute und ich sputete mich in die Küche, um die einzige Mahlzeit des Tages, die mir vorzubereiten obliegt, auf den Tisch zu bringen. Dank eines ausgeklügelten Systems war die Arbeit ohne einen einzigen unnötigen Griff nach 10 Minuten erledigt (inkl. Kaffeekochen) und wir frühstückten in Hast. Pünktlich war der Tisch abgeräumt, Aurora angezogen, ich im Bad und Marie an der Wohnungstür.
Gestern Abend noch war aus Südafrika die Nachricht gekommen, dass es wahrscheinlich möglich wäre, dass Aurora und ich nach dem Aufenthalt bei meiner Cousine in Pretoria noch mal 2 Tag nach Pietermaritzburg zu einer anderen Cousine fahren können. Somit ist jetzt klar, wann die Flüge von hier nach Südafrika sein können. Also war meine Aufgabe das Buchen dieser Flüge. Aufmerksam mussten die verschiedenen Flugportale befragt werden, um ein gutes und möglichst preiswertes Angebot zu erhalten. Früher hatte ich gesehen, dass diese Flüge unter 1.300 Euro nicht zu haben sind. Aber welch ein Erfolg: Für lediglich 2.000 Euro konnte ich für uns beide Flüge buchen, die auch nicht über Dubai gingen und damit keine 2 Tage dauerten. Jetzt ist klar: Wir fliegen am 1. November um 12.10 Uhr von Navegantes ab, landen in Johannesburg am 2. November um 7.20 Uhr, um von meiner Cousine empfangen zu werden. Der Rückflug ist dann am 25. November um 23.40 Uhr von Johannesburg und endet am 26. November um 14 Uhr in Navegantes. Umgestiegen wird jeweils in São Paulo. Klasse! Ich war mächtig stolz auf mich, doch hatte Aurora keine Zeit, meinen Stolz überhaupt wahrzunehmen. Ich bin Rentner und Aurora rennt nur. Wenn Marie putzt, putzt Aurora auch. Und sie räumt auf und stellt dann fest, dass es kein Wasser mehr auf der Terrasse gibt. Ich säubere den Pool und werde dann beauftragt, Kuchen zu Gisela von der Immobiliaria zu bringen. Das mache ich gerne, denn da gab es gleich mal wieder einen Haufen Geld aus der letzten Vermietung. Ich komme zurück und stelle fest, dass unser Haus mal wieder überläuft. Neben dem Eingang endet ein Überlaufrohr, aus dem sich ein Wasserstrom ergießt. Ich eile hoch. „Sag mal, hast du das Wasser für unseren Wasserbehälter angemacht?“ war meine erregte Frage: „Klar, der Tank war doch leer!“ – „Jetzt läuft er über.“ – „Hab ich vergessen, weil ich 5 Sachen auf einmal machen muss.“ – „ Klar, aber sag mir bitte vorher Bescheid, wenn du das Wasser nachfüllst.“ Es läutet an der Tür. Benjamin, der im Haus Reparaturen vornimmt, will wissen, wo er Farbe findet und was er noch zu machen hat. Ich verstehe Bahnhof und Aurora springt ein. Benjamin bekommt Arbeit. Er macht einen Kostenvoranschlag für das, was noch kaputt ist. Ich – d.h. Aurora – stimmt zu. Er verschwindet.

Tatjana lugt durch die ZimmertürEs läutet an der Haustür. Benjamin hat was vergessen.
Chico und Susi haben zwei Vögel gefangen – das erste Mal hier in Bombinhas. Chico schleppt einen davon ins Wohnzimmer, wo Marie gerade geputzt hat. Ich fange Chico, Aurora den Vogel. Ich halte Chico fest, Aurora befördert das verängstigte Tier an die frische Luft. Ich entdecke den zweiten Vogel tot auf der Terrasse und schimpfe mit den davon unbeeindruckten Katzen.
Es ist inzwischen 12 Uhr und Marie müsste heim, hat aber noch zu tun. „Die Kinder warten auf dich!“ ist mein Einwand, den sie aber überhört. Dann, eine halbe Stunde später, ist sie weg. Aurora hat Essen von gestern warm gemacht. Sie sieht fertig und erledigt aus. „Das Bett ruft uns!“ sage ich ihr, aber sie meint, sie habe keine Zeit. Schließlich wartet die Wäsche auf sie. Wir essen, räumen ab, ich gehe ins Bett. Mittagsmagazin im ZDF. Das wirkt auf mich wie das Sandmännchen. Noch bei der Anmoderation liege ich in Morpheus Armen, jedoch nur kurz. Es läutet an der Tür. Aurora öffnet immer nur sehr ungern, weswegen ich wie morgens aufwache, aufspringe und hellwach an die Tür eile. „Boa tarde! Quem está ali? Pois não?“ Erllon von Roderjan kam, weil Benjamin im sagte, dass er eine Aufbesserung seiner Entlohnung brauche, weil er mehr Aufgaben erhalten habe. Wir setzen uns zusammen. Erllon wird am Monatsende aufhören und in einer Bank anfangen zu arbeiten. Er bekommt unsere Zustimmung für Benjamin und geht. Da läutet es an der Tür. Ich gehe hin. Benjamin. Er muss was mit Aurora besprechen. Aurora verschwindet. Es läutet. Er Mann von der Klimaanlage. Er hat Reparaturteile für unsere Klimaanlage, so dass jetzt auch das Teil von Aurora funktioniert. Noch während er arbeitet, läutet es an der Tür. Es ist der Schreiner, der unseren Kleiderschränken eine neue Hinterwand montieren möchte, die nicht schimmeln kann. Er war vor ein paar Tagen schon mal da und hat die Schränke vermessen. Jetzt kommt er mit seiner kleinen Tochter Tatjana, eine 7-Jährige, kesse Person, die leider gehörlos ist oder wenigstens schwer hörbehindert. Ihr macht es nichts aus, und mir auch nicht. So können wir beiden nicht gescheit reden. Tatjana aber läuft den Katzen hinterher, setzt sich gerne in mein Zimmer und spielt mit dem iPad. Die Katzen rennen, Tatjana freut sich, ich auch, Tatjanas Vater arbeitet im Schlafzimmer, Aurora rettet die Katzen. Es gibt für Tatjana Guaraná, das berühmte, brasilianische Erfrischungsgetränk. Derweilen hat sie auf dem iPad die Fotos entdeckt. Da gibt es viele Fragen, die es zu verstehen gilt. Aurora holt die 5. Wäsche aus der Maschine, hängt sie auf und nimmt den 4. Waschdurchgang von der Leine, wo er in der Sonne schnell getrocknet war. Sie hat auch die Wäsche aus der Gästewohnung in Arbeit. Es gibt Kaffee und den restlichen Kuchen. Tatjanas Vater montiert die 4. Rückwand, Tatjana bekommt von Aurora einen Zopf geflochten und sitzt in meinem Zimmer auf meinem Bett und schaut sich begeistert den iPad an. Ich schreibe. Danach versucht sie, den Kater zu halten, der sich verzweifelt wehrt. Tatjanas Vater ist fertig, die Schränke an ihren Ort zurück gestellt und die beiden wollen gehen. Wo sind die Schläppchen von Tatjana? Alle suchen, finden aber nichts. Dabei entdecken wir den Kater in einem Winkel der Wohnung. Die Schläppchen aber sind weg. Wahrscheinlich hatte sie gar keine an, als sie kam. Die Tür schließt sich hinter den beiden. Ruhe.
Jetzt gibt es Kaffee. Ich brauche Kaffee. Mal sehen, wer als nächstes läutet. Benjamin? – Wahrscheinlich.

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