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Dienstag, 10. März 2015: Auto

Es gibt etwas Erfreuliches zu vermelden, denn gestern haben wir endlich mal unser Auto in die GM-Werkstatt zur Inspektion gebracht. Lange hatten wir uns davor gescheut, weil wir Autowerkstätten hier in Brasilien vor allem durch Rudi kennengelernt haben. Die waren alle ziemlich dreckig mit Hang zur Zwielichtigkeit: Ich schaffte früher, als ich noch in Frankfurt wohnte, Teile für Rudis Auto aus Deutschland herbei, weil es sie hier teils nicht gab, teils nur gegen horrende Preise, woraufhin in unbewachten Augenblicken Dinge davon verschwanden. Wie dem auch sei, haben wir Inhas Einstellung zu Autos übernommen: Bevor ein Auto eine Werkstatt bracht, sollte es verkauft werden. Nun aber mahnt uns eine Anzeige auf dem Armaturenbrett schon seit Monaten, endlich mal die Inspektion aufzusuchen. Dazu aber müsse das Auto in eine Vertragswerkstatt. Wo aber gibt es hier eine Vertragswerkstatt? In Bombinhas nicht, in Porto Belo nicht, in Itapema auch nicht. Nein, wir müssen in Richtung Florianópolis fahren; im ersten Ort nach Porto Belo namens Tijucas ist eine Werkstatt. Das ist von uns aus ziemlich weit. Aurora bekam einen Termin für gestern morgens um 8 Uhr.
Wir fahren um 7.15 Uhr los, fahren nach Tijucas, durch Tijucas durch in Richtung São João Batista (der Ort heißt also: Sankt Johannes der Täufer). Ich muss suchen, übersehe dabei eine Quebra-Mala, also eine jener unsäglichen Schwellen in der Straße, so dass das Auto vorne sehr unsanft mit einem unangenehmen Kratzgeräusch aufsetzt. Aber es fährt weiter. Aurora merkt an, dass ich besser aufpassen soll. Das macht sie immer, wenn sowas passiert. Kurz vor den Bergen, aber noch vor den sieben Zwergen lag die Werkstatt: ein moderner Betrieb auf großem Areal. Alles blitzblank, geschäftige Mitarbeiter – jedenfalls nach 8 Uhr.
Wir werden von einer jungen Dame am Empfang begrüßt. Man werde erst mal schauen, was zu machen sei. Dann würde ein Kostenvoranschlag erstellt. Wenn wir ihn akzeptieren, müssten wir vielleicht 2,5 Stunden warten, könnten dann aber das Auto wieder mitnehmen. Ich entschuldige mich für den Dreck des Autos, der den Straßenverhältnissen von Bombinhas geschuldet ist. Das Auto ist in der Tat sehr dreckig!
Ein Mechaniker nimmt sich des Gefährts an. Er schaut nach – oben, unten, rechts, links, vorne, hinten. Er entdeckt einige Kleinigkeiten – und ich auch. Denn unter dem Auto gibt es vorne ein ziemlich starkes Schutzblech, auf dem sich nagelneue Kratzer befanden. Man rechnet hier also damit, dass man ab und zu mal nach einer Quebra-Mala vorne aufsetzt und hat darum das Auto an dieser Stelle verstärkt, so dass nichts Schlimmes passieren kann. Uff! Das hatte ich nicht gewusst. Jetzt bin ich klüger und habe eine passende Antwort, wenn Aurora das nächste Mal eine Anmerkung macht.
Der Kostenvoranschlag wird erstellt: 934 Reais soll es kosten, also rund 300 Euro. Dafür aber würde die Inspektion gemacht und etliche Flüssigkeiten samt allen Filtern ausgetauscht. Wir stimmten zu. In Anbetracht dessen, was ich in Frankfurt in der VW-Werkstatt bezahlt habe, ist das ein Schnäppchenpreis.
„Wenn das aber alles gemacht werden soll, dann brauchen wir mindestens bis heute Nachmittag.“ war die Auskunft.
 „Na, und was jetzt? – So lange wollen wir nicht hier warten.“
„Das müssen Sie nicht. Wir bringen sie nach Hause und holen Sie dann auch wieder ab, wenn das Auto fertig ist.“
„Wir wohnen aber nicht in Tijucas, sondern in Bombinhas.“
„Das macht nichts. Wir fahren Sie.“
Das nenne ich: Service! Ein Fahrer mit einem neuen Firmenwagen wurde abgestellt, der uns dann nach Hause brachte. Welch ein Komfort. Das habe ich in Deutschland nicht einmal annähernd erlebt – und dazu auch noch kostenlos.
Nachmittags gegen 15.00 Uhr läutete das Telefon und uns wurde gesagt, dass das Auto jetzt fertig sei und man uns abholen würde. Kurz nach 16.00 Uhr war der Fahrer dann da, holte uns ab, brachte uns zur Werkstatt, wo uns ein blitzblankes, innen und außen glänzendes Auto erwartete, das wir kaum wiedererkannten. Denn hier gehört die komplette Autowäsche zum Service der Werkstatt dazu. Auch das habe ich nicht gewusst. Das Auto ist wie neu. Jetzt können wir damit weiter fahren, bis uns die Anzeige, dass das Teil zur Inspektion muss, wieder nervt. Nur werden wir das nächste Mal nicht mit Sorge sondern fröhlich dorthin fahren.

Unser Auto in der Wekstatt Das Schutzblech gegen Quebra-Malas mit alten und neuen Spuren
Unser Auto in der WekstattDas Schutzblech gegen Quebra-Malas mit alten und neuen Spuren

Noch eine weitere, erfreuliche Kleinigkeit, die uns sehr wichtig ist: Der Real verfällt in seinem Wert noch schneller als der Euro. Zwar ist der Dollar dabei, den Euro einzuholen, jedoch steigen beide im Wert gegenüber dem Real: der Dollar etwas mehr, der Euro etwas weniger. Die Inflation hier wird also durch den Wertverlust des Real wieder wett gemacht. Gut so für uns, sicher auch gut für die brasilianische Wirtschaft.

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