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Freitag, 13. März 2015: Jute statt Plasik

Wenn ich bedenke, hatte ich in Deutschland etliche Auffassungen und Meinungen, die ich so in Brasilien nicht halten kann. Das bezieht sich auf manche politischen Einstellungen, die sich von hier aus gesehen und unter neuen Eindrücken, verändern. Ein Beispiel für eine Veränderung ist aber auch der Umgang mit Plastikbeuteln, die es hier in großen Mengen gibt. Diese Beutel sind nicht etwa gediegenes Plastik wie eine 25-Cent-Tüte von Aldi, sondern hauchdünne Plastiktüten, von denen man bei jedem Einkauf etliche mitnimmt. In jede Tüte kann man bis zu 1 kg rein packen, damit die Henkel nicht ausreißen. Diese Tüten sind genau das, was in den Weltmeeren herum schwimmt und eine riesige Gefahr für die Umwelt darstellt. Eigentlich sind sie ein absolutes No-Go!

In Deutschland haben wir so gut wie nie Plastiktüten gebraucht. Wir nahmen Körbe und andere Behälter mit, packten alles dort ein und schafften es heim. Jute statt Plastik!
Nun muss man ja gelegentlich auch seinen Müll beseitigen. Dazu kann man in Deutschland die Mülltonnen nehmen, Mülltrennung machen usw. Es sind dennoch oft Plastikbeutel nötig, die dann z.B. von Aldi in hervorragender Qualität zur Hand gehalten werden. Einkaufstüten braucht man dafür nicht. Es hat sich ein neuer Markt für Müllbeutel aufgetan. Auch hier in Brasilien gibt es diesen Markt von Müllbeuteln. Nur sind diese Müllbeutel ebenso dünn wie die Plastikbeutel des Supermarktes. Hinzu kommt, dass man hier sehr viel achtsamer mit Müll umgehen muss als in Deutschland. Die Hitze und die vielen Insekten machen es nötig, den Müll ständig zu entsorgen und bei Sammeln verschlossen zu halten. Wir haben z.B. in der Küche zwei Mülleimer. Auf der Spüle steht ein kleiner Eimer, der mehrfach am Tag in den großen Mülleimer, der in der Waschküche steht, geleert wird. Der meiste Müll, der dabei entsteht, sind diese Plastiktüten. Wenn z.B. eine Melone geschält wird, werden die Schalen in den Plastikbeutel des kleinen Mülleimers getan, dann verknotet und in den großen Mülleimer entsorgt. Am Tagesende muss dann der große Mülleimer entsorgt werden, indem auch dieser Beutel – bei uns ist es einer von Aldi – fest zugeknotet wird und nach unten in den Raum geschafft wird, in dem der Müll des Hauses gesammelt wird. Diese Räume sind Mauerfächer ganz außen, die mit einer Alutür geschlossen werden. In der Regel gibt es zwei Räume: einen für Feststoffe und einen für Haushaltsmüll. Kommt dann die Müllabfuhr – sie kommt wöchentlich zweimal – nehmen die Müllarbeiter die Plastikbeutel aus diesen Mauerfächern heraus und werfen sie dann mit Schwung ins Müllauto – jeden Plastikbeutel für sich. Das alles wird dann, wenn es richtig läuft, auf eine Müllhalde geschüttet.
Vor einem Jahr hatten wir mal versucht, im Supermarkt möglichst wenig Plastikbeutel zu nehmen, um damit ein Zeichen für die Umwelt zu setzen. Die Folge war, dass wir unseren Müll nicht mehr entsorgen konnten und wir dadurch ein massives Hygieneproblem bekamen, das sich nur dadurch lösen ließ, indem wir anfingen, alte, schlechte Gewohnheiten wieder aufzunehmen. Will man an diesem Problem etwas ändern, muss man ein komplett neues Müllentsorgungsverfahren entwickeln, das eben nicht mehr auf Plastikbeutel angewiesen ist. So lange es dieses Verfahren noch nicht gibt, wird man trotz des Umweltbewusstseins auf diese Beutel zurückgreifen müssen. So gehen gute Einsichten und Ansichten, die man in Deutschland gewonnen hat, in ihrer Umsetzung verloren. Von außen kann man das gut kritisieren, aber von innen gesehen, macht es einen eher ratlos und in der Folge entsetzt.

Übrigens: Hatte ich schon mal erwähnt, dass es hier in Porto Belo einen neuen Supermarkt mit dem sinnigen Namen Super-Raffi gibt? Super-Zoni hat zu gemacht. Den gibt es nicht mehr. Statt dessen gibt es jetzt Super-Raffi!

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