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Montag, 6. April 2015: Aufbruch ins Pantanal

Gestern war also unser Anreisetag zum Pantanal. Fährt man mit dem Auto, braucht man 2 Tage. Fliegt man mit dem Flugzeug, dauert die reine Flugzeit eigentlich nur wenig mehr als 2 Stunden. Dafür braucht man aber mehr Zeit zum Warten. So erging es uns gestern, wobei die Wartezeit teilweise außerordentlich gut aushaltbar war.

Gegen 8.30 Uhr morgens wurden wir schon von Reginaldo und Maura daheim abgeholt. So war es abgesprochen und so funktionierte es auch wunderbar. Malvina, unsere Nachbarin, war auch schon munter und übergab uns je eine Tüte mit selbstgegossenen Schokoladenostereiern zusammen mit einer großen Umarmung. Wie schön, sie als Nachbarin und Freundin zu haben, denn später am Tag, so gegen 23 Uhr, wurde dieses Ostergeschenk, so eine Art Nachtessen für uns. Für mich ist der Abschied von Bombinhas immer etwas schmerzhaft. Noch nie in meinem Leben habe ich eine solche Gebundenheit an einen Ort erlebt. Das Gute daran ist, dass wir uns auf diese Weise schon vor der Abfahrt auf die Rückkehr freuen. Das Schlechte aber ist, dass wir offenbar Abschiede nicht so viel herbeiführen, wie wir das tun sollten. D.h. also, dass wir zu wenig verreisen, zu sesshaft werden. Nun ja: diese Reise soll uns ja nun endlich einmal wieder in die Ferne bringen.

Mit Reginaldos Auto ging es also los nach Joinville. Niemand in Deutschland kennt diese Stadt, doch ist sie größer sogar noch als Florianópolis und damit die größte Stadt unseres Bundeslandes Santa Catarina. Mauras Kinder leben hier und erwarteten ihre Mutter mit ihrem Mann samt Gästen bei sich. Maura war zuvor verheiratet gewesen, jedoch ist ihr Mann sehr früh nach der Geburt des letzten Kindes gestorben, so dass sie die Kinder allein erzog. Erst spät hat sie Reginaldo kennengelernt, weil sie seine Frau bis zum Tod gepflegt hat. Danach haben sie die beiden noch zu einem späten Glück – und es ist ein solches – zusammen gefunden.

Gratulationskur für Reginaldo Reginaldo versucht, die Kerzen auszublasen
Gratulationskur für ReginaldoReginaldo versucht, die Kerzen auszublasen

Da saßen wir also im Haus von Mauras Sohn. Dass er ihr Sohn war, konnte man auf den ersten Blick sehen. Ebenso erkannte man sofort ihre Töchter und Enkel. Da gibt es ohne Zweifel eine große Familienähnlichkeit, die sich nicht nur auf das Aussehen bezieht. Denn sie alle sind ausgesprochen freundliche Menschen mit einem großen, liebevollen Potential. Es ist richtig schön, in dieser Familie zu verweilen. 17 Menschen waren wir letztlich, die zusammengekommen waren. Denn nicht nur unser Abschied sollte gebührend gewürdigt werden, sondern auch der am 7. April zu feiernde Geburtstag von Reginaldo. Es ist hier üblich, den Geburtstag eines Menschen recht standardisiert zu begehen. Es wird eine große Torte mit möglichst viel Sahne hergestellt, auf die dann Kerzen mit der Zahl des zu feiernden Geburtstages gesteckt werden. Das Raffinierte dabei ist, dass sich die Kerze kaum ausblasen lässt, sondern sich irgendwie immer wieder neu entzündet. Das verlängert dann den Spaß des Auspustens. Das aber passiert erst, wenn man in einer Art Sprechgesang gratuliert hat: „Parabens pra voce! …“ auf die angedeutete Melodie von „Happy Birthday to you“. Dazu wird rhythmisch in die Hände geklatscht. Erst danach muss das Geburtstagskind die Kerzen ausblasen, was – wie beschrieben – kein einfaches Unterfangen ist. Danach setzen sich alle hin und der Kuchen wird gemeinsam aufgefuttert.

Bis gegen 15.30 Uhr saßen wir zusammen. Dann brachen wir in Begleitung einer Tochter von Maura mit Familie zum Flughafen von Joinville auf. Der Schwiegersohn würde Reginaldos Auto wieder mitnehmen, um es dann, wenn wir zurück kommen, mitzubringen, so dass wir damit nach Hause fahren können.

Um 17.40 Uhr ging es los. Zunächst nach Guarulhos, dem internationalen Flughafen von São Paulo. Kaum hatten wir dort 3 Stunden gewartet, wurden wir auch schon zum Weiterflug eingeladen. Um 23.00 Uhr kamen wir in Cuiabá an, wobei dort eine Stunde später ist, also bereits Mitternacht. Ab ins Hotel, das ich zuvor gebucht hatte. Dieses Hotel, in dem wir unsere erste Nacht der Reise verbrachten, war insofern ein besonderes, weil das Zimmer kein Fenster hat und nur über eine auf 22° gestellte Klimaanlage belüftet wird. Das war also für uns eine recht kühle Nacht und auch nicht besonders lang. Heute, so sind die Pläne, wird es gegen 12 Uhr erst wieder zum Flughafen gehen, wo wir dann von einem Bus in unser Hotel im Pantanal abgeholt werden.

Abschied auf dem Flughafen von Joinville Maura und Reginaldo im Flugzeug
Abschied auf dem Flughafen von JoinvilleMaura und Reginaldo im Flugzeug

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