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Dienstag, 7. April 2015: Endlich da!

Bevor ich anfange zu erzählen, sei mir noch der Hinweis erlaubt, dass es sich bei den bechriebenen Ereignissen immer um das vom Vortag handelt.
Also ganz ehrlich: Es ist nicht besonders fördernd für einen gesunden Schlaf, wenn man ihn in einem Zimmer ohne Fenster mit Klimaanlage sucht. Schlaf stellt sich dank großer Müdigkeit ein, aber gesund ist der sicher nicht. Wir waren froh, am Morgen nicht erkältet aufzuwachen. Es ist wirklich seltsam, wie sehr man in heißen Städten – und Cuiabá ist angeblich die heißeste Stadt in Brasilien – die Kälte liebt. Denn auch beim Frühstück war Bibbern angesagt. Aber so aßen wir ein wenig schnelle und suchten die Wärme im Foyer. Reginaldo hatte für 10 Uhr ein Taxi bestellt, mit dem wir zunächst eine Stadtrundfahrt machten und das uns dann am Flughafen absetzt.

Stadtrundfahrt in Cuiabá. Was gab es zu sehen? Für mich vor allem das neue Fußballstadion, in dem auch Deutschland gegen weiß nicht, wen, gespielt hat und natürlich gewonnen. Das Stadion ist noch da, aber der Glanz der deutschen Mannschaft ist inzwischen etwas versiegt. Zu sehen waren auch diverse Kirchen und der Verkauf von Kunsthandwerk durch eine besondere Institution, die SESC. Das ist eine Einrichtung von Firmen für ihre Mitarbeiter. Vor allem Firmen finanzieren diese Organisation, die dann deren Mitarbeiterschaft zu verbilligten Konditionen Dienstleistungen anbietet. Das sind sowohl eine Menge Kurse in allen möglichen Gebieten, aber auch Urlaubsangebote. Ich erfuhr bei dieser Gelegenheit, dass wir im Pantanal auch in einem Hotel der SESC unterkommen werden. Mitarbeiter zahlen dort nur die Hälfte von dem, was Aurora und ich zahlen. Dabei ist auch unser Preis kein überhöhter. Die SESC macht sich auf diese Weise um die Mitarbeiter verdient, hält sie bei der Stange, hilft aber auch mit Naturschutzprojekten, wie dem unseres Hotels, das ein weites Gebiet rund herum aufgekauft hat und es nun zu einem Naturschutzgebiet gemacht hat, in dem Kühe und Landwirtschaft keinen Zutritt haben und in das vom Hotel aus Ausflüge organisiert werden. In Cuiabá besuchten wir ein Geschäft mit Kunsthandwerk. Das sind lauter Sachen, die hübsch ausschauen, aber die niemand braucht und die darum nur abgestaubt werden müssen. Wir schauten uns alles gerne an und kauften 3 schöne T-Shirts von Cuiabá und dem Pantanal.

Über Cuiabá haben wir dort erfahren, dass es bereits 1790 eine Kleinstadt mit dem Namen „Kleinstadt zum Guten Jesus von Cuiabá“ gab. Den Guten Jesus haben sie dann weggelassen und das mit der Kleinstadt hat sich insofern erledigt, als dass Cuiabá heute über eine Million Einwohner hat. Es wohnen hier sehr viele Asiaten, aber auch sehr viele aus dem arabischen Raum. Aurora meinte, dass man sicher noch viel Platz für Syrer hätte. Sie sollten nur hierher kommen und sie würden viele Landsleute treffen. Das Dumme dabei ist lediglich, dass Brasilien heute kein Einwanderungsland mehr ist und darum die Latte für ein permanentes Visum ziemlich hoch gehängt hat, und dass, wenn es den Menschen dennoch gelänge, hierher zu kommen, sie komplett auf sich selber gestellt wären, ohne jegliche staatliche Hilfe. Ob das gut geht, wage ich zu bezweifeln.

unsere geplanten Wege. Ins Pantanal geht es nach links unten
Unsere geplanten Wege. Ins Pantanal geht es nach links unten

Nach dem Ausflug durch diese dann doch im Resümee recht gesichtslosen Stadt landeten wir dann am Flughafen, den wir jedoch noch mieden, um nach einem guten Mittagessen zum Büro der SESC zu gehen, von wo aus wir in unser Hotel für die nächsten 5 Tage abgeholt werden sollten. Um 14 Uhr fuhr der Bus dann los, brauchte aber dann bis 17 Uhr, um ans Ziel zu gelangen. Immerhin führt die Straße über 140 km ins Nichts. Unterwegs gab es kaum Menschen, viele Kühe, ab und zu mal Cowboys auf Pferden. Dann Poconé, eine kleine, eingangs ausgesprochen hässliche Stadt, die dann in Richtung Hotel hübscher und gepflegter wird. Wer das Bedürfnis hat, eine Westernstadt in brasilianischer Ausführung näher kennenzulernen, sollte sich hierher begeben. Wir fuhren nur durch, denn das Hotel liegt noch weiter weg in Porto Cercado, was eigentlich kein Ort, sondern eben nur dieses Hotel der SESC ist.

Ebene Gras- und Viehweideland viele Bäche und Flüsse durchziehen das Land
Ebene Gras- und Viehweidelandviele Bäche und Flüsse durchziehen das Land

Das Hotel aber ist Spitzenklasse. Wir haben ein geräumiges Zimmer mit Fenster, in dem wir die Klimaanlage sogar ausschalten können. Draußen vor ist Natur pur. Es gibt aber auch 3 Pools, einen Teich, diverse ökologische Gebiete rund herum und tausende von Mücken, die man nicht sieht, dafür aber intensiv spürt. Aurora ging zum Schwimmen, während ich mich des Problems annahm, dass man brasilianischer Stecker hier nicht in die Steckdosen passt, weil die Steckdosen nicht den neusten Standards entsprechen. Adapter gibt es nicht, nur ein Umbau meines Steckers. Aber der ist gelungen, so dass jetzt dem Genuss des Hotels nichts mehr im Weg steht. Der Genuss wird insofern größer, als dass wir Vollpension gebucht haben, was hier sinnvoll ist. Denn weit und breit ist kein anderes Haus, geschweige denn ein Restaurant oder Supermarkt zu finden. Als eine angenehme Überraschung kommt noch hinzu, dass wir einen Tag länger bleiben dürfen als ursprünglich geplant. Wir sind also nicht nur 5, sondern sogar 6 Tage hier und können auf diese Weise die Ausflüge stressloser miterleben. Nun aber wollten wir gestern erst mal ankommen, denn die Anfahrt war ja nun nicht eben mal ganz kurz.

Nach dem Abendessen haben wir uns dann noch nach dem Programm für die Exkursionen erkundigt und dabei die Auskunft erhalten, dass es täglich ungefähr 8 – 10 Ausflüge gibt, darunter sogar einen Reitausflug. Gestern Abend habe ich dann meine Ziele für diesen Besuch definiert: 1. Ein Krokodil kraulen. 2. Eine Riesenschlange füttern, 3. Die Piranhas vom Wert des Friedens überzeugen. Ob ich eins meiner edlen Ziele erreiche? Man räumte mir nur wenige Chancen ein.

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