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Freitag, 10. April 2015: Pause

Der Vormittag gestern verlief mehr oder weniger ruhig. Wir hatten die Reittour schon am Tag zuvor abgesagt, weil die Vernunft über das Gefühl und den Wunsch danach siegte. Die Vernunft nämlich gab uns zu verstehen, dass die Tour mit viel Dreck verbunden ist, weil die Pferde durch das Sumpfgebiet gehen und dabei viel gespritzt wird. Die Menschen kann man danach waschen, aber die Kleider? Hier trocknet nichts. Selbst die durchgeschwitzten T-Shirts werden nach 24 Stunden nicht trocken. Hinzu kommt, dass Kleider, die man beim Reiten an hatte, in der Regel nach Pferd riechen, was dann beim Rest der Kleider für Probleme sorgt. Wir kommen erst am 19. April abends spät heim. Bis dahin müssten wir also die dreckigen, nassen, stinkenden Kleider mit uns herum tragen, was mit Sicherheit für schlechte Laune sorgt. Also haben wir keine Reittour gemacht, sondern sind stattdessen am Nachmittag noch einmal mit dem Schiff stromabwärts gefahren.

Den Vormittag verbrachten wir im Pool und beim Faulenzen. Aurora machte einen Termin für eine Gesichtspflege, Reginaldo erholte sich von der Caipirinha, die er vorgestern getrunken hatte, denn danach ging es ihm recht schlecht. Wir anderen hatten auch je eine getrunken, jedoch hat uns das nur insofern etwas ausgemacht, als dass wir die Nacht gut geschlafen haben. Auch besuchte ich noch ein Ameisenhaus, in dem Ameisen ausgestellt sind – etwa vergleichbar mit dem Schmetterlingshaus. Bemerkenswert sind hier die Gewächshäuser. Die haben nämlich kein Glas, sondern bestehen lediglich aus Netzen.

Im Ameisenhaus gibt es viele Töpfe und dazwischen Schläuche Topf voll mit Ameisen
Im AmeisenhausTopf voll mit Ameisen

Reginaldo und Aurora am Pool Die Vögel unterhalten sich wie die Menschen
Reginaldo und Aurora am PoolDie Vögel unterhalten sich wie die Menschen

Der kleine Vogel mit rotem Kopf hüpft immer hier herum Bei der Wassergymnastik
Der kleine Vogel mit rotem Kopf hüpft hier herumBei der Wassergymnastik

Ein Höhepunkt des Tages war das Mittagessen, denn es gab Krokodilfleisch nach Art des Hauses. Ich weiß nicht, woher man hier dieses Fleisch nimmt, weil die Viecher eigentlich geschützt sind. Aber es gibt wohl so eine Art Krokodilfarm. Wie sowas schmeckt? – Geschmackssache. Ich fand es ziemlich zäh und auch recht nichtssagend, hab es aber tapfer runter geschluckt. Vielleicht hat es aber auch einfach der Koch versemmelt, denn auch das andere, was auf dem Tisch war, war eher nicht so gut. Aber – wie gesagt – das ist Geschmackssache.

Mittagsschlaf. Als wir aufwachten, sahen wir, dass die Sonne nicht wirklich schien. Wir stehen auf, gehen raus, aber das Wetter ging noch. Um 16 Uhr wollten wir losfahren. Um 16 Uhr kamen erste Regentropfen. Ob wir dennoch fahren? – Es hörte auf zu regnen. Wir fahren! Kaum sind wir auf dem Boot und haben abgelegt, begann es erneut zu tröpfeln. Dieses Mal aber hörte es nicht etwa auf, sondern wurde stärker. Landregen. Regencapes werden verteilt. Wir streifen sie uns über. Hoffnung keimt auf, denn wir fahren auf den hellen Himmel am Horizont zu. Aber komisch: Wir fahren ständig auf diesen hellen Himmel am Horizont zu, wohin wir auch fahren, auf der Hin- und auf der Rückfahrt. Immer ist der helle Himmel vor uns. Wir aber fahren im Finstern. Der Himmel wird immer schwärzer, der Regen trommelt auf die Capes und die Brille. Anfangs begegnen uns noch einzelne Tier: da ist ein Stachelschwein, dabei auch ein Äffchen, das trotz Regen auf dem Baum turnt. Da sind Capivaras und etliche Vögel. Endlich sehen wir auch mal einen Tukan und einen der seltenen Adler. Wir biegen in einen Nebenfluss des Rio Cuiabá ein, dessen Wasser wärmer, schwärzer und sehr träge ist. Hier ist die Kinderstube der Fische, weil die Bedingungen ideal sind. Für uns sind sie wegen des inzwischen peitschenden Regens eher nicht ideal. Aber schlimm ist es nicht, denn auch das ist das Pantanal – und gar nicht mal so untypisch. Die gleiche Landschaft, die uns bei Sonnenschein anlachte, wird jetzt dunkel und fast bedrohlich. Die Fotos geben diese dunkle, besondere Stimmung gar nicht wieder.

Übrigens sei hier noch den Lernbegierigen vermittelt, dass der Rio Cuiabá in den Rio Paraná mündet, der wiederum in den Rio de la Plata mündet, welcher sich letztlich bei Montevideo, der Hauptstadt von Uruguay, in den Atlantik ergießt.

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