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Sonntag, 12. April 2015: Nach Norden

Eigentlich hatten wir uns ganz nett an das Hotel gewöhnt, waren zufrieden mit den Ausflügen, zumeist mit dem Wetter, haben viel erlebt und gesehen und konnten uns ganz gut vorstellen, dort zu bleiben. Dennoch war natürlich diese schöne, verwöhnte Zeit gestern zu Ende und wir mussten zusammenpacken, bezahlen und dann in den Bus steigen, der uns zurück nach Cuiabá brachte. Wieder ging es die lange Straße entlang zunächst nach Poconé, jener traurigen Stadt im Pantanal. Relativ bald, nachdem wir das Hotel verlassen hatten, begann auch schon das bewirtschaftete Gebiet mit riesigen Weiden, auf denen viele Kühe und einzelne Pferde grasten. Dazwischen immer wieder Kanäle, die das Wasser ableiteten. So ist das, wenn das Land eigentlich 2 m unter anstatt über dem Grundwasserspiegel liegt. Nur wenn man bedenkt, dass 90% der Fläche des Pantanals bewirtschaftet werden und nur noch 10% im ursprünglichen Zustand sind, dann wird einem doch weh ums Herz. Ist der wirtschaftliche Vorteil wirklich so groß, dass man dafür diesen Reichtum an Natur und Naturschätze einfach kaputt machen kann? Die Farmer haben die Frage für sich beantwortet. Die Regierung hält wohl zu ihnen, wenigstens scheint es so. Heraus kommen aber eher solch armselige, schmutzige Städte wie Poconé, selbst wenn hier und da schmucke Herrenhäuser im Outback stehen.
Die Rückfahrt ging schneller als die Hinfahrt, so dass wir schon gegen 16.30 Uhr in Cuiabá waren, wo wir in einem Hotel in der Nähe vom Flughafen ein schönes, kleines Zimmer mit Fenster bekamen. Noch am späteren Nachmittag haben wir dann erkundet, wo wir heute das Auto abholen können, denn das hatten wir für heute um 9 Uhr morgens bestellt. Es ist im Nachbargrundstück. Und weil das so gut geklappt hat, haben wir auch gleich mal den nächsten Supermarkt aufgesucht. Der war nicht ganz so nah, so dass wir etwas Einblick in die Stadt hinter den einigermaßen guten Fassaden bekamen. Es sieht wirklich dort schlimm aus. Schon hinter den Fassaden beginnt der Verfall und die Armut scheint zu grassieren. Übrigens hatte ich vergessen zu erwähnen, dass in Cuiabá der geographische Mittelpunkt Südamerikas liegt. Mato Grosso ist ein Bundesland, das arm ist. Nur die Regierung ist reicht und – wie wir bei der Stadtrundfahrt gesehen haben – die Regierungsgebäude sind prächtig. Das ist wirklich ziemlich krass. Als ich den Taxifahrer bei der Rundfahrt fragte, warum er denn nicht Gouverneur geworden sei, wo es dem doch so gut geht. Darauf meinte er: „Das geht nicht. Ich bin doch ehrlich!“

Chapada

Chapada Chapada
Chapada

Chapada Chapada
Chapada

Chapada Hauptstraße von Bom Jardim
ChapadaHauptstraße von Bom Jardim

Die Rezeption unserer Pousada Unser Restaurant
Die Rezeption unserer PousadaUnser Restaurant

Innenhof der Pousada Unsere Zimmertüren
Innenhof der PousadaUnsere Zimmertüren

Heute früh also beginnt der zweite Teil unserer Reise. Dieser Teil ist nicht so vorherbestimmt wie der Hotelbesuch im Pantanal, sondern kann von uns individueller gestaltet werden. Ziel ist die Chapada. Darunter versteht man Felsabbrüche, die sich über viele Kilometer erstrecken und ein besonderes Landschaftsbild ergeben. Diesseits der Chapadas ist das Pantanal, jenseits beginnt der Regenwald des Amazonas. Zunächst soll es in den Norden nach Nobres gehen, dann in den Nationalpark „Chapada dos Guimarães“. So ist es geplant für den Rest der Zeit. Heute ist erst einmal unser Ziel Nobres, den nördlichsten Punkt unserer Reise. Zwar haben wir Nobres auch erreicht, jedoch an einer anderen Ecke als ursprünglich vorgesehen. Denn die vielen hübschen Pousadas liegen nicht im Stadtzentrum, sondern gemütliche 70 – 80 km davon entfernt in einem Stadtteil, in dem sich Hund und Hase gute Nacht sagen, in Bom Jardim. Das ist wirklich ein bemerkenswertes touristisches Zentrum, denn hier gibt es nur Tourismus auf der Basisebene, ohne Luxus. In unserem Zimmer, das ziemlich schlicht ist, mussten wir erst eine Kakerlake töten, wobei das Zimmer wirklich sauber ist. Immerhin hat es alles, was man braucht und die Wirtin ist nett und hilfsbereit.
Die Fahrt dorthin war recht spannend, weil die Gegend im Gegensatz zum Pantanal bergig wurde. In der Ferne waren die Chapadas zu erkennen. Die Straße führte schnurgerade bergauf- und bergab. Rechts von uns breiteten sich große Monokulturen aus. Einmal waren es riesige Pflanzungen von Eukalyptus – wahrscheinlich zur Zelluloseproduktion für die Papierindustrie, dann aber auch riesige Maisfelder. Gegen 14 Uhr kamen wir an, haben noch schnell gegessen und uns dann eingerichtet und geschlafen, denn um 17 Uhr wollten wir noch einmal losfahren, um zwei Ziele in der Nähe aufzusuchen.
Zunächst fuhren wir zu einem flachen Teich, eigentlich einem erweiterten Bachbett, in dem sich unglaublich viele große Fische tummelten. Das war zwar eine Attraktion, doch noch hübscher waren die kleinen Äffchen, die sehr zutraulich um uns herum turnten. Ein ziemlich große Familie mit einigen ziemlich betrunkenen Mitgliedern versuchte, sie zu füttern, ihnen von ihrem Bier abzugeben usw. Die Affen hatten eine große Geduld mit ihnen. Andere saßen in dem Bach und freuten sich des Lebens.
Von dort aus fuhren wir dann zu einem in der Nähe gelegenen See, an dessen Ufern hohe Palmen stehen, die den Aras als Schlafbäume dienen. Welch ein Erlebnis! Die Aras kamen zumeist paarweise angeflogen und suchten sich geeignete Plätze. Viele turtelten noch miteinander, andere hatten noch einen unverheirateten Ara bei sich. Ich nehme an, dass das jeweils der jüngste Spross der Familie war. Dabei herrschte ein Geschrei, Gekreisch, Geschnattere, denn die ganze Zeit musste geredet werden. Man merkt, dass Aras Brasilianer sind, denn auch die haben das Bedürfnis, die ganze Zeit zu schnattern. Wir blieben, bis es fast dunkel war. Welch ein Erlebnis dabei sein zu dürfen! Die Bilder von diesen beiden Ausflügen an einem Abend geben einen kleinen Eindruck davon.

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