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Montag, 13. April 2015: Rio Triste

Der Vormittag war reserviert für einen Ausflug zum Rio Triste. Triste bedeutet auf Deutsch „traurig“ und ist nicht gerade aufmunternd, einen so benannten Fluss aufzusuchen. Dennoch haben wir uns von den begeisterten Schilderungen unseres Führers beeindrucken lassen und sind aufgebrochen. Zusammen mit ihm fuhren wir in unserem Auto knapp 20 km auf einer Erdpiste in Richtung des Flusses. Dabei kamen wir durch eine Gegend, in der wir auf Tiere trafen, die wir so bislang noch nicht gesehen hatten. Darunter waren Eulen und Geier, Raben und kurz auch Emu. Als wir dann ankamen, zogen wir uns um, erhielten eine Art Strandschuh mit fester Sohle und Gummiriemen, so dass man mit ihnen im Wasser gut laufen konnte. Dazu eine Schwimmweste und eine Taucherbrille samt Schnorchel. So ausgestattet liefen wir zum Bach, denn der Fluss ist in Wirklichkeit ein Bach. Hier kam die erste Überraschung, denn das Wasser dieses Baches war kristallklar und man konnte gut die vielen Fische sehen, wie sie in dem recht strömungsstarken Wasser hin und her schossen. Viele der Fische waren 30 cm und länger, richtig groß für das kleine Gewässer. Den Namen hat der Bach wohl daher, dass an vielen Stellen der schwarze Stein auf dem Grund zu sehen ist, der dann dem Wasser einen schwarzen Anstrich gibt. Nur kann man selbst in Metertiefe deutlich sehen, dass es sich um den Felsgrund handelt, nicht etwa um gefärbtes Wasser. Die beiden Damen scheuten sich, aber wir beide Männer übten kurz das Schnorcheln und gingen dann mit dem Führer ins Wasser, legten das Gesicht nach unten, atmeten durch den Schnorchel, ließen uns von der Strömung treiben und schauten den Fischen beim Schwimmen zu. Leider lässt sich das nicht fotografieren, aber es war ein sehr schönes Schauspiel und geradezu meditativ, weil unter Wasser auch der geschwätzigstes Brasilianer seine Klappe hält – um alle Missverständnisse zu vermeiden: Reginaldo ist kein geschwätziger Brasilianer! Über einen km legten wir auf diese Weise zurück, bevor wir wieder an Land gingen.
Da wir unterwegs schon ein Emu gesehen hatten, war ich jetzt sehr gespannt darauf, mehr von diesen Tieren zu erleben, was uns zunächst nicht gelang. Dann aber, kurz bevor wir enttäuscht zurück kommen sollten, stand auf einer großen Wiese gleich ein ganzes Rudel von ihnen beisammen, die dort grasten. Einige von ihnen waren sogar ziemlich nahe an der Straße. Die Emus – hier in Brasilien werden sie Ema genannt – sind die größten Vögel Südamerikas und damit noch größer als der im Pantanal lebende Tuiuiu. In Deutschland sind sie natürlich auch viel bekannter. Hier aber laufen sie frei durch die Gegend, gehören hier in die Natur. Es ist wirklich ein besonderes Naturerlebnis, wenn sich Tiere, die man sonst nur im Zoo zu sehen bekommt, frei bewegen und einfach so in die Gegend passen. Selber hat man den Eindruck, man habe in einem großen Zoo alle Gitter und Zäune entfernt und die Tiere jetzt einfach so rum laufen lassen. Den gleichen Eindruck hatte ich schon vor 15 Jahren, als ich in Tansania den Tarangire-Nationalpark besuchte und dort die großen Wildtiere erlebte. Die Bilder des heutigen Tages sind hier zu sehen.

Man glaubt gar nicht, wie ermüdend Faulheit und Exkursionen machen. Wir jedenfalls haben nach dem Mittagessen geschlafen wie die Steine. Danach begann wieder eine Abenteuertour. Dieses Mal allerdings nur in den Supermercado, der bislang immer geschlossen war. Jetzt aber war er geöffnet und ein wahres Einkaufserlebnis: eine Sorte Brot; in der Fleischabteilung eine Sorte Salami, sonst nichts. Und so ging das weiter. Dafür aber bekam man im Supermarkt auch einen neuen Ledersattel, Reitstiefel und andere Dinge, die die Menschen anscheinend brauchen. Wir kauften einige Bananen und einige Äpfel (dass sie sowas hier haben, kommt sicherlich nicht alle Tage vor!) für heute Abend: dazu noch ein Bierchen und etwas von der Brotsorte. Danach schmiedeten wir Pläne für die nächsten 3 Nächte, denn wir fanden alle, dass 2 Nächte in dieser Unterkunft durchaus genug sind. Maura sagt von dieser Pousada, sie sei eher ein Indianerhotel. Damit meint sie, dass die Indianer in Brasilien noch unter dem Standard des Hotels leben und sich somit hier richtig wohl fühlen würden. Das ist also nicht unbedingt Rassismus, auch wenn es so klingt.

Zuletzt seinen mir noch ein paar Anmerkungen zu Unterkunft und Komfort erlaubt. Denn damit machen wir bekanntlich derzeit einige Erfahrungen.
Unser erstes Hotel bei der Ankunft war wohl auch das preiswerteste. Es kostete nur knapp 60 € inkl. Frühstück pro Zimmer, also für 2 Personen. Nicht viel teurer war das Flughafenhotel, in dem wir vor 2 Nächten waren. In Cuiabá ist das Übernachten also recht preiswert, zumal der Standard dort mit knappen 3 Sternen zu Buche schlägt.
Anders ist es dann bei den touristischen Zielen. Da ist zunächst die Clubanlage der SESC im Pantanal. Immerhin kostet dort die Unterkunft für 2 Personen im einfachen Doppelzimmer rund 200 € pro Tag. Darin enthalten sind allerdings auch 3 Malzeiten, also eine Rundumversorgung. Die Zimmer selber aber haben einen Standard, den ein Deutscher mit vielleicht 2 Sternen angeben würde. Am bemerkenswertesten und gewöhnungsbedürftigsten erscheinen die Duschen, denn es gibt hier wohl die Vorstellung, dass mit einer Dusche, aus deren Kopf in 2,50 m Höhe sich ein senkrecht abfallender, maximal 10 cm im Durchmesser betragender Regen auf den Duscher herabstürzt, der End- und Höhepunkt jeglicher Entwicklung im Bereich Duschkomfort erreicht sei. Eine Weiterentwicklung bedeutet immer eine Rückentwicklung. Deswegen sind hier alle Duschen gleich, egal, wie gut oder schlecht das Hotel ist. Also wenn sich dann ein Deutscher mal von unten duschen will, muss er einen Handstand machen. Nur dann ist keine Hand mehr frei zum Einseifen. Also muss er einen Kopfstand machen. Nur: in meinem Alter und dann ohne anschließendes Kopfweh ist das nicht möglich. Noch arbeite ich an einer optimalen Lösung. Ansonsten ist es wie überall: In fast allen Hotels gibt es zu wenig Steckdosen für die vielen Ladegeräte, Laptops usw. Ich selber habe mir immerhin eine Verlängerungsschnur mit Adapter für brasilianische Steckdosen mitgenommen, so dass ich in meiner jetzigen Unterkunft immerhin 3 Anschlüsse habe. Ansonsten hätte ich die Wahl: Laptop oder Kühlschrank, Klimaanlage oder Akkuladen für die Kamera. Wichtig ist hier auch, die Bettengrößen zu beachten. Denn hier ist kein einiges Bett länger als 1,90 m. Die Breite eines Doppelbettes beträgt auch oft nicht mehr als 1,40 m. Wenn man also bucht, sollte man vorher fragen. Auch ist seltsam, dass Internet fast standardmäßig immer vorhanden ist, sogar in unserer schlichten Unterkunft. Nur stürzt es hier immer wieder ab.

Für unsere sehr schlichte Unterkunft bezahlen wir hier täglich knapp 60 € inkl. Frühstück. Das ist für zwei Personen nicht viel. Aber die Leistungen – und das bezieht sich auch auf das kärgliche Frühstück – sind auch nicht viel. Das Besondere an der Unterkunft ist nicht das, was sie selber bietet, sondern das Erleben dessen, was wir hier erlebt und gesehen haben. Preislich ist es mit den Unterkünften in Cuiabá zu vergleichen, wobei sich der Standard erheblich unterscheidet. Hier eher Jugendherberge, dort eher Hotel.

Nun haben wir auch für die nächsten beiden Nächte eine Hotelanlage namens Pousada Penhasco (Felsenhotel) in Chapada dos Guimarães gefunden. Hier werden wir rund 110 € pro Nacht und Zimmer bezahlen, jedoch ist der Standard – hoffentlich – sehr viel besser und eher dem der SESC zu vergleichen. Bevor wir aber dorthin gelangen, schlafen wir noch eine Nacht hier.

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