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Donnerstag, 16. April 2015: Müde

Über den heutigen Tag gibt es nicht viel zu berichten. Wir sind ein wenig ko. Das liegt vor allem an einem gewissen Sättigungsgrad von Erlebtem. Denn das alles war sehr viel und muss erst einmal verarbeitet werden. Unschlüssig, was wir weiter tun sollen, saßen wir am Frühstückstisch und dachten hin und her. Dann fuhren wir erst einmal zu dem Wasserfall, den wir unbedingt noch sehen wollten: den Brautschleier-Wasserfall (cachoeira de véu de noiva). Dieser Wasserfall stürzt sich noch tiefer hinab als der, den wir gestern sahen. Dafür aber kam man nicht so nahe dran und konnte unten nicht im Auffangbecken stehen. Das Schauspiel aber war auch beeindruckend, denn der Bach, der den Wasserfall speist, hatte bereits ähnlich wie bei den ganz großen Wasserfällen, eine Schlucht in die Felsen gefressen, an dessen Ende er sich nun befand. Das hat er mit den Niagarafällen und Foz do Iguaçú gemeinsam. Ansonsten ist er natürlich erheblich schmäler, wenn auch nicht unbedingt weniger hoch. Wenn man sich jedoch die entstandenen Schluchten von oben anschaut, bieten sie meistens ein großartiges Landschaftsbild. Und genauso war das auch hier.

Als wir dann auf dem Rückweg vom Wasserfall waren, war die Frage, was wir mit dem Rest der Zeit bis zu unserer Heimfahrt anfangen sollten. Zu sehen gibt es noch zwei Sehenswürdigkeiten. Wir haben aber noch 3 Nächte. Also haben wir trotz der Mängel, die unsere Pousada aufweist, noch eine weitere Nacht gebucht, um die Bassins auszunutzen und um uns auszuruhen. Morgen früh werden wir weiter fahren, eine Nacht in einem anderen Hotel verbringen, um dann am Samstag zurück nach Cuiabá zu fahren, dort noch eine Nacht zu bleiben, um dann früh am Sonntagmorgen unsere Heimreise anzutreten. Aurora und ich finden, dass für solche erlebnisreiche Reisen 10 Tage genug sind. Mehr kann man wohl kaum verarbeiten.

Einen weiteren Beschluss habe ich gefasst: die Bilder, die ich in den letzten Tagen gemacht habe, will ich noch einmal zusammenfassen in einer Galerie, die man hier einsehen kann. Da sind alle Wasserfälle und schönen Aussichten zu bewundern.

Zu Mittag aßen wir dann in einem hübschen, kleinen Lokal, dessen Seniorchef, Besitzer eines weit ausladenden Bauches, uns hinein komplimentierte. Er unterhielt sich danach mit uns und erzählte uns vom Elend dieser Stadt Chapada dos Guimarães. Anlass dazu war ein Regenschauer, der auf uns nieder ging und die Straße zu einem Bach verwandelte. Eine Drainage gibt es nämlich nicht. Die, so meinte der alte Herr, hätte wohl vom vorigen Bürgermeister gebaut werden sollen. Der sei als ein ansässiger Arzt bei der letzten Wahl gewählt worden und hat es geschafft, innerhalb von 1,5 Jahren 10 Millionen Reais für sich aus der Stadtkasse zu entnehmen. Jetzt ist zwar sein Hab und Gut beschlagnahmt und er hat ein Verfahren am Hals, aber die 10 Millionen sind weg und eine Drainage für das reichliche Regenwasser in der ansonsten sehr wasserarmen Stadt gibt es auch nicht. Sein Stellvertreter ist ein Rentner, der leichtsinnigerweise zum Amt des Vizebürgermeisters Ja gesagt hatte und der jetzt ohne eine blasse Ahnung vom Geschäft Bürgermeister geworden ist. Der nimmt zwar selber nichts für sich, aber ob er die anderen ihm Untergeordneten unter Kontrolle hat, weiß man nicht. Und dann erzählte der alte Herr, der selber aus Rio Grande do Sul, dem südlichsten Bundesstaates von Brasilien, stammt, dass die Erde hier sehr gut sei und man mindestens 2 Ernten pro Jahr einfahren könne. Das Land gebe reichlich her. Da aber Korruption hier eher ein Kavaliersdelikt zu sein scheint, bleibt das gesamte Geld in privaten Händen kleben und kommt beim gemeinen Mann nicht an. Seine Söhne hätten ihn schon aufgefordert, diese traurige Stadt zu verlassen, aber sie sei nun mal seine Heimat geworden. Hier sei auch sein Lokal.
Mir selber zeigt es noch einmal die Hoffnungslosigkeit dieses fatalen Persönlichkeitswahlrechtes, bei dem nicht die Programme im Vordergrund stehen, sondern die zu wählende Person. Was die dann letztlich macht, weiß niemand genau. Allzu oft hat sie nur ein Ziel im Auge: selber reich zu werden. Um Gesetze zustande zu bringen, die den Menschen nützen und das Leben einfacher zu machen, ist es so gut wie unmöglich, Abgeordnete, gar noch eine Mehrheit von Abgeordneten, zu finden. Wenn die Wirtschaft dennoch einigermaßen läuft, hängt das daran, dass die Abgeordneten dabei ebenso ihren Profit erzielen. Für sie ist es eine Win-Win-Situation, die allein auf Kosten der Brasilianer geht. So hat Brasilien zwar eine Demokratie, jedoch erweist sie sich in dieser Ausführung als ausgesprochen schädlich und schlimm für das Volk. Denn Wahlen ändern am System gar nichts.

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