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Samstag, 18. April 2015: Cuiabá

Da hatten wir eine ziemlich unruhige Nacht – nicht etwa wegen körperlicher Beschwerden, die uns auf gewisse Örtchen trieb, sondern weil draußen auf der Bundesstraße ein enormer Verkehr herrschte. Lastwagen an Lastwagen, dazwischen Motorräder und andere Fahrzeuge. Gegen 2 Uhr brauste ein Motorrad durch die Straße. Man hörte ihn schon einen Kilometer vorher und auch noch einen Kilometer nachher. Es hatte bestimmt 100 db zu bieten, machte also ordentlichen Lärm. Kein Wunder, dass wir lange wach lagen. Dann träumte ich, dass ich eine Beerdigung eines jungen Mannes halten musste – ich hatte gestern die Trauerfeier für den Flugzeugabsturz im Kölner Dom gesehen. Um 7 Uhr waren wir dann munter und weckten aus Versehen auch unsere Reisegefährten, die noch gut schliefen. Nach dem Frühstück und dem Bezahlen ging es dann auf die Straße. Sonst fuhr immer Reginaldo unser Auto. Dieses Mal habe ich es bis nach Cuiabá chauffiert. Eigentlich wollten wir unterwegs noch die letzte Sehenswürdigkeit, die „aguas quentes“ (Warme Wasser) besuchen wollen. Als wir dorthin kamen, stellte sich heraus, dass es sich um ein Thermalbad handelt, für das man ziemlich viel Eintritt zahlen musste. Dazu hatten wir keine Lust, denn heißes Wasser brauchen wir angesichts der herrschenden 35° eben nicht und was mehr sollte man dort machen? Also setzten wir die Fahrt bis zu unserem Hotel in Cuiabá fort, in dem wir unsere Fahrt am vergangenen Sonntag gestartet hatten. Vorher aber gaben wir noch das Auto in der Vermietung ab.

Nach dem Mittagessen waren wir dann alle ziemlich platt und außerdem randvoll mit Eindrücken. Eigentlich wollten wir nur noch nach Hause. Als ich im Laufe des späteren Nachmittags Aurora fragte, ob sie gerne noch mal raus gehen will, kam ihre kurze, aber bestimmte Antwort: „Nö!“ – Und wenn Aurora sowas sagt, bleibt es dabei.

Morgen früh wird der Flieger uns zunächst nach São Paulo bringen und dann der nächste Flieger nach Joinville, von wo aus wir noch eine mehrstündige Heimreise haben.

Was nehmen wir nun an Erfahrungen mit aus dieser Reise?
Natürlich haben wir eine Menge gesehen und erlebt, was einem Normalsterblichen in Deutschland eher verwehrt bleibt. Denn in diese Gegenden der Welt kommen keine Pauschaltouristen. Hier zu reisen ist aufwändig, bedarf einer guten Planung und ist auch recht teuer. Das gilt wenigstens für die, die von Deutschland aus anreisen, kein Portugiesisch können, niemanden mit Erfahrung dabei haben und das alles auch noch alleine organisieren müssen. Uns hat die Reise inkl. allem knapp 3.000 € gekostet. Das ist eine Stange Geld, die wir aber gerne dafür ausgegeben haben.
Wir sind mit Maura und Reginaldo gefahren. Die Gemeinschaft mit den beiden war für uns ein großes Geschenk. Wir sind uns während der ganzen Reise kein einziges Mal auf die Nerven gegangen. Alles verlief harmonisch und ausgesprochen fröhlich. Unsere Interessen stimmten gut überein. Das war eine sehr gute Erfahrung. Ich denke, wir werden noch öfters miteinander verreisen und mit den beiden mehr von Brasilien entdecken, soweit das wegen Reginaldos Mutter, die bei ihnen wohnt und die sie nur sehr schwer weg lässt, möglich sein wird.
Reginaldo war schon einmal im Pantanal gewesen und wusste, wohin man reisen sollte. Für uns war das Mitfahren mit ihm ein gutes Angebot, das wir auch sehr gerne angenommen haben. Jedoch meine ich, es hätten 10 Tage durchaus gereicht, was nicht an unserer Gemeinschaft lag, sondern an der Aufnahmekapazität neuer Eindrücke. Das sehen heute die anderen Mitgefahrenen ähnlich.
Die Reise mit Maura und Reginaldo hatte noch einen großen Vorteil für mich. Denn ich hatte 14 Tage lang gratis Sprachunterricht. Reginaldo spricht zwar auch Deutsch nach brasilianischer Weise, was für mich hilfreich war, um mich mal verständlich zu machen, wenn mein Portugiesisch vorne und hinten nicht reichte. Mein Portugiesisch aber ist besser geworden. Ich kann mich über fast alles unterhalten, und verstehe auch schon viel besser als zuvor, auch wenn ich mich dazu noch immer sehr konzentrieren muss.
Unangenehm war die Bekanntschaft mit den hiesigen Mücken. Im Gegensatz zu den deutschen Mücken sind sie winzig klein. Man sieht sie kaum und schon gar nicht, wenn sie sich auf die Haut setzen. Sichtbar werden sie erst, wenn sie sich vollgesogen haben. Aber dann ist alles zu spät. Es juckt stärker als bei deutschen Mücken und der Schmerz und die Schwellung halten auch länger an. Zudem scheinen diese kleinen Tierchen deutsches Blut besonders zu mögen. Denn wenn auch alle anderen keine Stiche bekamen, war ich dennoch zerstochen, wenn ich nicht aufpasste. Gegen die Stiche – und das ist ebenfalls eine gute Erfahrung – hilft ausgesprochen gut und nachhaltig das Mückenspray von Aldi (Ombia), das es dort jedes Jahr zu Beginn des Sommers im Angebot gibt. Wer plant, hierher zu kommen, sollte sich damit unbedingt eindecken. Hier wird es zu einem kostbaren Gut und es hat auch manchem, der nicht so gut eingedeckt war, zu größerem Schutz verholfen. Wir haben fast eine Flasche davon verbraucht, wobei ich manchmal auch vergaß, mich einzusprühen, was ich fast immer ziemlich schnell bereute. Abmildernd jedoch sei dazu angemerkt, dass die Mückenplage in Schweden weit größer als im Pantanal ist.
Wenn ich früher in tropische oder subtropische Länder reiste, habe ich gewisse Empfehlungen eingehalten. Dazu gehörte, keinen frischen Salat oder Speiseeis zu essen, das Wasser aus dem Wasserhahn nicht zu trinken und sich möglichst oft zu waschen. Die beiden letzten Empfehlungen haben wir auch hier befolgt, wobei wir das generell so handhaben. Aber frischen Salat und Eis haben wir selbst in Bom Jardim, jenem etwas grenzwertigen Hotel im Norden, bedenkenlos gegessen und es hat uns nichts geschadet. Niemand von uns ist krank geworden. Allerdings hatten wir uns zuvor gegen Gelbfieber impfen lassen. Meiner Meinung nach bewährt sich aber wieder das riesige Bedürfnis der Brasilianer nach Sauberkeit und Hygiene selbst in den schmutzigsten Gegenden, was den besten Schutz gegen allerlei Ungemach bedeutet.
Ein kleines Ungemacht stellte für mich persönlich der außerordentliche Bedarf der meisten Brasilianer nach Lärm dar. Selbst bei Naturbeobachtungen, wenn man die Stille bräuchte, um die Geräusche der Natur intensiver wahrzunehmen, gab es immer jemanden, der meinte, sich äußern zu müssen. Sind Brasilianer in der Nähe, ist eine meditative Versenkung in Natur nicht möglich. Selbst beim Morgenrot im Pantanal, jenem großartigen Schauspiel, gab es immer welche, die reden mussten. Wenn man sich also mit der Natur innerlich verbinden möchte, muss man nach Möglichkeit die Gruppe bis auf Hörabstand verlassen, was natürlich bei Bootsausflügen so nicht geht. Die letzte Kostprobe dieses Bedürfnisses nach Lärm erhielten wir gestern, als wir mittags friedlich auf dem Naherholungsgelände schliefen. Im Hintergrund brauste der Wasserfall, Vögel zwitscherten, der Fluss rauschte. Wir waren die einzigen Gäste. Da kamen zwei junge, brasilianische Frauen. Plötzlich dröhnte völlig unvermittelt aus den Lautsprechern Technomusik mit der dieser Musik eigenen Lautstärke. Ich fahre hoch aus dem Schlafe voll Schreck und mit Wut im Bauch, renne zum Personal mit der Frage, warum sie denn plötzlich so viel Lärm machen. Sie sollen das abstellen. Das Personal wies darauf hin, dass die beiden jungen Damen via Bluetooth die Musik von ihren Handys auf die Lautsprecher brächten. Gott sei Dank hat das Personal mit dem Hinweis, es sei hier ein naturnahes Erholungsgebiet, die Musik wieder ausstellen können, was wiederum bei den beiden Damen auf Unverständnis stieß.

Hiermit endet mein Reisebericht aus dem Pantanal und den Chapadas. Wenn wir morgen daheim sind, müssen wir uns erst um die Katzen kümmern und mit unserer eigenen Freude über die Heimkehr fertig werden.

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