Zur Hauptseite Döring

Dienstag, 21. April 2015: Feiertag

Da sind wir also heute schon den zweiten Tag wieder daheim. Heute ist der Feiertag Tiradentes. Das war ein früher Freiheitskämpfer Brasiliens für Unabhängigkeit gegen die portugiesische Königsherrschaft. Sein Name bedeutet Zahnzieher, denn als solcher hatte er sein Brot verdient. Er wurde am 21. April 1792 hingerichtet, weswegen Brasilien heute noch diesen Tag als Nationalfeiertag begeht. Unser Leben allerdings wird davon recht wenig beeinträchtigt, denn Marie ist dennoch heute gekommen, um hier sauber zu machen. Draußen ist außerdem schönes Wetter, was das Waschen erlaubt. Gestern nämlich hat es wie aus Kübeln gegossen. Da kann nur das gewaschen werden, was einen Trockner verträgt. Wenn man aber von einer zweiwöchigen Reise zurück kommt, hat sich allerlei Wäsche angesammelt, so dass sich Aurora heute kräftig „dreht“.

Am Sonntag waren wir gegen 20.30 Uhr endlich daheim. Zwar gehen die Flüge immer recht schnell, doch ist die Warterei auf den Flughäfen sehr ermüdend. Um 8 Uhr ging es von Cuiabá los und um 11.30 Uhr waren wir in São Paulo, wobei eine Stunde davon auf unterschiedliche Zeitzonen zurückzuführen ist. Dann warten bis 16.15 Uhr. Weiter ins Flugzeug bis 17.30 Uhr nach Joinville. Gepäck abholen, Mauras Tochter mit Familie abknutschen, denn die hatten uns freundlicherweise das Auto von Reginaldo zum Flughafen gebracht und dann die lange Heimreise. 150 km auf unserer Autobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung ist ja schnell gemacht, aber hier dauert sowas richtig viel Zeit. Ankommen, Katzen begrüßen, auspacken, nachschauen, was sich verändert hat … Na ja, ich glaube, das Heimkommen ist immer bei allen Menschen gleich.

Aurora im Aufzug in Erwartung dessen, was da kommen wird
Aurora im Aufzug in Erwartung dessen, was da kommen wird

Chico begrüßt uns zuerst etwas skeptisch Susi steht nicht mal auf, macht nur große Augen
Chico begrüßt uns zuerst etwas skeptischSusi steht nicht mal auf, macht nur große Augen

Gestern nun der Regentag mit Einkäufen, denn vor allem das Katzenstreu musste neu besorgt werden. Es war komplett aufgebraucht. Dann hatte ich meine Portugiesischstunde mit Sylvia und war außerdem noch recht müde.

In der ersten Nacht daheim hatte ich noch einen lustigen Traum. Meine Mutter spielte dabei eine große Rolle. Man muss wissen, dass es sich bei ihr um eine energische Pfarrfrau handelt, die allerdings schon 20 Jahre tot ist. In meinem Traum aber war sie eine Sängerin, die mit ihren Bühnenauftritten nach ihrer Hochzeit mit einem Pfarrer aufgehört hatte, inzwischen knapp 60 Jahre alt war, ziemlich kränklich – das war sie eigentlich immer – und deswegen normalerweise viel im Bett lag. Jetzt aber wollte sie es noch mal wissen und hat darum für sich eine Show organisiert. Es kamen tausende von Menschen, die sie noch mal sehen wollten. Wir Kinder waren auch dabei und sahen uns die Bescherung an. Mein Gefühl war: Ob die das durchhält? Aber sie war total konzentriert, vergaß alle Krankheit, griff professionell nach dem Mikro, erwies sich als eine wahrhafte Rampensau und gab ihre Lieder von sich. Dazu bewegte sie sich wie sich vielleicht Tina Turner bewegen würde, wenn sie Pfarrfrau wäre. Sie ging sogar auf die Knie, hob mal das eine Knie, mal das andere hoch, um ihren Körper wiegen zu lassen. Ich staunte! Dann kam eine Pause, in der ein Freund von ihr, ein berühmter Bluessänger namens Paul Ossenbühl, seines Zeichens ehemals ein ziemlich korpulenter Pfarrer aus der Nachbargemeinde, auftrat und sich produzierte. Da konnte unsere Mutter mal ausspannen. Und dabei beobachtete ich, wie ihr alle Haare vom Körper abstanden vor lauter Spannung. Sie war total fertig und erledigt, aber merkte es nicht, weil sie so konzentriert war. Selbst die Härchen im Gesicht standen senkrecht, das Kinn zitterte vor Anspannung, aber sie ging ganz mit dem mit sehr mäßigem Erfolg vorgetragenen Titel von Onkel Paul mit. Der bekam am Ende kaum Applaus, was meine Mutter veranlasste, frenetisch klatschend auf die Bühne zu klettern, um dem Onkel zu danken, was wiederum bei den Zuhörern zu frenetischem Jubel führte. So war die Situation gerettet und ich konnte aufwachen, was ich dann auch tat. Ich gebe zu, dass ich selten in einem Traum so viel gestaunt habe wie in diesem.
Dagegen war der Traum von heute Nacht, bei dem es ein Kuhrennen gab, zwar auch lustig, aber nicht so erstaunlich für mich, selbst wenn er das sein müsste. Denn ich träumte, dass Kühe immer ihr Futter riechen können und sich darum immer in Richtung Futter bewegen. Beim Kuhrennen wurde nun das Futter an verschiedenen Posten versteckt, so dass die Kühe jeweils einen Posten anliefen, um dann den nächsten zu finden. Da Kühe nicht so schnell sind, hat auch der Traum meinem Gefühl nach stundenlang gedauert, was bewirkte, dass ich heute länger schlief als sonst.
Fast jede Nacht träume ich irgendwie. Meistens ist es lustig. Aber da kann man mal sehen, wie wenig Erholung ich im Schlaf finde, wenn ich immer so viel unterwegs bin. Träume sind für mich wirklich wie ein zweites Leben, das sich vor allem in den Gefühlen abspielt.

Zum Seitenanfang