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Donnerstag, 30. April 2015: krank

„Drei Tage war der Frosch so krank. Jetzt quakt er wieder! Gott sei Dank“ – In der Tat hat es mich erwischt mit einer großen Erkältung. Nicht die Füße liefen mehr, sondern die Nase. Dafür konnte die Nase nicht mehr riechen, während die Füße … Wechseln wir das Thema und reden über die wahrhaft Schuldigen an dem Dilemma, denn das war nicht ich und meine Unvorsichtigkeit bei Wind und Wetter, sondern die Tatsache, dass ich verheiratet bin und mit meinem geliebten Weibe in einer intensiven Wohngemeinschaft lebe. Dieses mein holdes Weib aber wurde schon vor zwei oder drei Wochen krank. Zwar lief ihre Nase nicht besonders stark, jedoch hustete sie, bis ich sie ermahnte, das Rosafarbene, was da raus kommt, bloß wieder runter zu schlucken, weil das die Lunge sei. Dazu wurden ihre Nasenschleimhäute so dicht, dass es nachts ein Riesenkonzert gab und die gesamt Mata Atlantica, von der es sowieso nur noch wenig gibt, niedergesägt wurde. Mein armes Weib! Dabei blieb ich standhaft gesund und wir hatten ihre Erkältung schon überwunden, da meldeten sich bei mir die Nasenschleimhäute und forderten absolute und alleinige Aufmerksamkeit. Das war vor 3 Tagen. Es tropfte aus Nase und Augen, der Schädel brummte und die Füße – na ja, das hatten wir schon. Heute geht es mir erstmals wieder besser, auch wenn die Erkältung noch nicht ganz überwunden ist.

Aber es gibt ja auch Neuigkeiten:

Am Montag war ich erstmals Deutschlehrer. Hier sind Lehrer nicht einfach nur Lehrer, sondern Professoren. Klingt für deutsche Ohren großartig, für brasilianische eher nach schlecht bezahltem Job. Also mein Job als Deutschlehrer wird gar nicht honoriert außer mit Ehre. Meine Schüler sind wenig. Zur ersten Stunde – die Erkältung war schon im Anmarsch, jedoch noch nicht ganz ausgebrochen – kamen 3 Leute. Das waren Maura, die Frau von Reginaldo, und der Vorsitzende des Kirchenvorstandes der lutherischen Gemeinde von Bombinhas namens Edemar samt seiner Frau Susana. Es war also eine für die lutherische Gemeinde erlesene Runde, die sich nun vorgenommen hat, durch mich Deutsch zu lernen. Ich war in meinem Leben noch nie Deutschlehrer, habe keine Ahnung, wie man das macht, bestellte nur eine Tafel irgendwie und bat um Nachsicht. Tafeln gab es gleich 2, denn sowohl Maura, als auch Edemar hatten jeweils eine mitgebracht, eine weiße mit Filzstift und eine schwarze mit Kreide. Die wandte ich wechselseitig an. In der ersten Stunde haben wir dann erst einmal abgeklärt, mit welcher Motivation sie kommen, haben auch meine Inkompetenz angesprochen – aber für Pfarrer sei ja nun wirklich nichts zu schwer oder unmöglich, was diesen Berufsstand mit dem der Ingeneure gleich stellt – und dann angefangen mit dem deutschen Alphabet samt seinen Besonderheiten und Buchstabenkombinationen samt der für brasilianische Ohren ungewöhnlichen und stringenten Aussprache. Man stell sich vor, dass ein „e“ auch wie ein „e“ ausgesprochen wird und nicht mal „e“ mal „i“ mal was dazwischen oder ganz anders oder gar nicht. Erstaunlich! Besonders interessant ist die Aussprache des „ö“, denn die bekommt kein Deutsch-Brasilianer hin. Es wird immer ein „e“ daraus. Fröhlich zu frehlich und Döring zu Dering usw. Außerdem verteilte ich leere Vokabelkärtchen, die dann mit der Zeit beschrieben werden sollen. Der Hauptlerneffekt aber ward mir geschenkt, denn natürlich haben wir 1 ½ Stunden lang stramm Portugiesisch gesprochen und als „Professor“ musste ich natürlich am meisten reden. Wenn das so weiter geht, werde ich top in Portugiesisch, während meine Schüler na ja in Deutsch werden. Aber so ist das mit dem Ehrenamt: Am meisten profitiert der Ehrenamtliche selber.

Sodann haben wir in den letzten Tagen auch die Situation der Kinder von Mari, unserer Perle, klären können. Zunächst haben wir noch am vergangenen Sonntag alle miteinander im „Eiscontainer“ Eis geschlotzt. Danach habe ich die kleine Familie nach Hause gefahren und wir haben die arme, aber saubere Hütte von Mari gesehen. Sie liegt in der Nähe der Schule der Kinder, ist eigentlich nur eine Bretterbude, aber für hiesige Verhältnisse und unter Maris Fuchtel hübsch. Aurora und ich könnten uns auch vorstellen dort zu leben – meinen wir jedenfalls, denn ausprobieren müssen wir es nicht. In der Nachbarschaft liegt auch ein privater Hort, in dem jetzt beide Kinder angemeldet sind. Sie werden dort jeden Tag von 8 – 11.30 Uhr mit anderen Kindern spielen und gefördert werden. Wiliam braucht dringend eine Förderung in Portugiesisch und Amanda muss endlich richtig sprechen lernen. Das geht alles nicht, wenn die Kinder daheim eingesperrt werden. Aurora ist mit Mari im Hort gewesen und die beiden haben alles geklärt. Wir übernehmen die Hälfte der Kosten bis zu 400 Reais pro Monat. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät für die beiden Schätze. Am Montag beginnen sie jedenfalls im Hort. Um 11.30 Uhr kommen sie dann heim, essen und gehen dann in die Schule. Bisher hatte Mari sie immer bis 23 Uhr spielen und fernsehen lassen, damit sie bis 10 Uhr morgens schliefen, damit sie in Ruhe arbeiten gehen konnte.

Noch etwas hat sich in diesen Tagen geklärt. Ich hatte Anfang März bei einem internationalen Onlinehandel „Light in The Box“, der in Hongkong sitzt und weltweit kostenlos verschickt, Led-Glühbirnen bestellt. Die waren dort unschlagbar billig und ich könnte hier für unser Haus „Frankfurt“, wo draußen an jeder Säule eine Lampe angebracht ist, die die ganze Nacht leuchtet, 8 guten Led-Lampen brauchen. Ende März hätten sie kommen sollen, doch blieben sie wohl im brasilianischen Zoll liegen, was ich nicht anders vermutet hätte. Am Montag aber kamen sie endlich an. Jetzt sind sie schon eingebaut und leuchten nicht nur draußen, sondern auch in unserer Wohnung. Das spart Strom, auch wenn der trotz einer starken Erhöhung noch immer billig ist.

Am Montag wurden dann auch neue, gläserne Abtrennwände für die Dusche eingebaut, so dass jetzt beim Duschen nicht mehr das ganze Bad unter Wasser gesetzt wird. Dafür haben wir eine der vorherigen Trennscheiben auf die Terrasse montiert, so dass wir jetzt für den Pool eine kleine Umkleidekabine haben. In diesem Jahr brauchen wir sie zwar nicht mehr, doch im nächsten Jahr wird sie das Planschen im Pool erleichtern.

Die heimliche Aufstockung des NachbarhausesZuletzt muss ich noch gestehen, dass ich gepetzt habe. In einem der beiden neuen Häuser, die uns die Sicht auf die Berge dahinter verdecken, haben sie nach der Saison heimlich angefangen, ein weiteres Stockwerk auf die erlaubten und vorhandenen vier Stockwerke zu bauen. Das machen sie ganz geschickt, indem sie auf das Dach des Penthauses einfach noch ein Penthaus bauen. Von unten sieht man das nur, wenn man genau hin schaut. Das Material wird von hinten angeliefert, so dass man die Bauarbeiten von der Straße aus nicht sieht. Wir aber sehen sie ganz genau, denn ein weiteres Stück Sicht wird uns genommen. Also haben Aurora und ich eine Email an unsere rührige Bürgermeisterin geschickt mit einem Foto, das die Bautätigkeit zeigt. Das war gestern. Reagiert hat die Bürgermeisterin noch nicht. Mal sehen, was da passiert. Ich hoffe, sie müssen dieses Stockwerk wieder zurück bauen. Wenn nicht, weiß ich, was wir auf unser Dach oben setzen, denn auch hier gibt es gute Voraussetzungen für ein weiteres Stockwerk. Wie dem auch sei, ist es für mich ein ethisches Dilemma, denn einerseits petze ich nicht gerne. Andererseits sehe ich die Gefahr, dass eine solche Regelverletzung einen „Dammbruch“ initiiert – siehe eigene Bestrebungen, die dann andere auch schnell übernehmen würden, denn das wäre ein Riesengeschäft. Und man könnte damit auch einfach weiter machen und Penthaus auf Penthaus setzen, bis oben nur noch Platz für eine Besenkammer ist. So ähnlich lief das wohl beim Turmbau zu Babel.

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