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Donnerstag, 21. Mai 2015: Spionage

Zur aktuellen, deutschen Schnüffeldebatte möchte ich auch beitragen. Diese kleine Geschichte wurde von mir persönlich erlebt und ich bezeuge, dass sie eben so geschehen ist, wie ich sie berichte.

Ich pflege morgens für Aurora eine Art Fiffi-Leistung zu erbringen. Fiffi ist ein Hund, der seinem Frauchen morgens die Zeitung ans Bett bringt, so dass sie nicht aufstehen muss, um sie zu holen, denn morgens ist sie – im Gegensatz zum Rest des Tages – ziemlich faul. Ich bin also so ein Zeitungsbesorger. Bekanntlich wacht Aurora morgens gerne sehr früh auf, besonders wenn sie um 7.10 Uhr das Haus zur Aquagymnastik verlassen muss. Also wache ich schon um 5 Uhr auf, schleiche mich im Dunkeln aufs Klo – ganz leise, möglichst geräuschlos, dem Gefühl meiner vor mir ausgestreckten Arme samt Raumkenntnissen vertrauend in Richtung Klo, mache es mir dort gemütlich und schalte das iPad an. Denn die Zeitung wird nicht in Papierform geliefert, sondern online ins iPad. Ich rufe die App auf, lade die Zeitung runter, was eine Weile dauert, schalte das iPad wieder aus, schleiche mich ins Schlafzimmer zurück, krieche geräuschlos ins Bett. Eine knappe Stunde später ist Aurora munter, schleicht sich um mich Schlafenden herum, nimmt sich das iPad und findet die Zeitung bereits vor. Ich wache auf und sie meint: „Mein Liebster, hast du die Zeitung schon heruntergeladen? Danke schön! Ich habe gar nichts gemerkt. Wie schön!“ gibt mir einen zärtlichen Kuss und ich freue mich wie Fiffi, wenn er Leckerli bekommt. Soweit so gut.
Nun hatte ich vor einigen Tagen ein Skype-Gespräch mit meiner ältesten Schwester Christel, die in Memmingen wohnt. Selbige meinte, dass ich aber doch wohl immer sehr früh aufstehen würde. „Wieso?“ war meine fragende Antwort. Da wäre ich doch neulich schon um 5 Uhr munter gewesen … Ich staune! Wie kommt sie denn darauf? Dann fällt mir ein, was ich so früh morgens zu tun pflege. Richtig! Mein iPad hat auch Skype und wenn ich meinen iPad anschalte, schaltet sich auch Skype an und die ganze Welt von NSA über BND über Google bis Christel erfahren, dass ich schon munter bin. Ist das nicht erschreckend?
Bei meiner Schwester war es da nämlich schon 10 Uhr und sie war natürlich munter, wie man so um 10 Uhr vormittags munter sein kann. Gott sei Dank ist meine Schwester nicht der Verlockung erlegen, mit mir über Skype ein wie sonst übliches, munteres Gespräch führen zu wollen. Sie meinte, ich wäre da wohl nicht in Ansprechform gewesen – womit sie zweifellos Recht hat – so nachts auf dem Klo. Aber da kann man mal sehen: Ich dachte, es ganz still und heimlich zu tun, aber die Welt hört mit!

Zu diesem Thema ein anderes Beispiel, das ich gestern erlebte: Ich bereite mich auf meine Deutschlandreise vor. Gestern in einer Woche geht es los. Darum habe ich meine Sim-Karte von Lidl für mein Handy heraus gekramt, habe sie in mein Handy gesteckt und das Handy vorbereitet, damit ich in Deutschland gleich telefonieren kann. Eh ich mich versah, hieß mich Lidl in Brasilien willkommen. Hmm! Wer müsste hier wohl wen willkommen heißen? Und dann erhielt ich auch gleich eine SMS mit den Preisen für das Roaming, Telefonate, Internet usw. Was ich daraus lerne? Wo du auch bist auf dieser Welt, ist Lidl schon da, heißt dich willkommen und die ganze Welt von NSA über BND über Google bis Lidl weiß Bescheid.

Gestern nun wurde nachmittags das Wetter etwas besser. Die Sonne kam heraus und wir machten uns auf den Weg an den Strand, den wir nun schon lange nicht mehr gesehen hatten. Nachmittags herrscht dort eine andere Stimmung als vormittags. Es sind weniger Menschen da und die Sonne scheint von entgegengesetzter Seite, wodurch sich die Beleuchtung total verändert. Um das zu zeigen, habe ich einige Bilder gemacht, die in der Fotogalerie zu finden sind.

Heute früh dagegen war gleich wieder unser normales Bombinhas-Wetter dieser Jahreszeit: Es regnete in Intervallen, aber es war dabei nicht kalt. Also fuhren wir nach Itampema zum Einkaufen. Blöd, dass der Quark mal wieder ausverkauft ist und nichts Adäquates im Regal zu finden war. Kann uns das Brasilien verleiden? Mitnichten! Wir essen nun keinen Quark, bis es das Zeug wieder gibt. Stattdessen haben wir für 75 Euro – umgerechnet – Katzenstreu und Katzenfutter eingekauft. Ehrlich: Die Katzen sind in der Haltung teurer als die Menschen. Wir hoffen, dass die Katzen damit bis Ende Juni versorgt sind. Sodann haben wir für heute Mittag Congriu gekauft, jenen chilenischen Raubfisch, der so unglaublich lecker ist. Er sieht aus wie Fisch, schmeckt aber ganz anders und hat keine Gräten – wenigstens nicht in den Filéstücken, die wir immer kaufen. Wer hier her kommt, muss ihn probieren – außer Schwester Christel, für die der Genuss von Fisch „inakzeptabel“ (Zitat!) ist.

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