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Samstag, 27. Juni 2015: Rückblick auf den Deutschlandurlaub

Allzu ausführlich möchte ich hier nicht auf die Erlebnisse dieser Reise eingehen. Aber einiges ist doch erzählenswert. Als erstes könnte man da die absolut anderen Voraussetzungen für diese Reise nennen, die meine Laune und meine Freude an der Reise erheblich verbesserten. Am wichtigsten war, dass Aurora dieses Mal dabei war und ich die Reise nicht alleine machen musste. Das steigerte vor allem meine soziale Verträglichkeit. Denn es trug dazu bei, dass ich dieses Mal die Reise mit Freunde antrat und nicht schon bei der Abfahrt Heimweh hatte zu Frau und Katze. Alles, was wir erlebten, erlebten wir gemeinsam. Und das war sehr gut so. Meine Schwester Moni, die letztes Jahr viel meiner Unzufriedenheit und schlechten Laune abbekommen hat, konnte mich jetzt ganz anders erleben. Gott sei Dank, denn bei einer Reprise hätte ich vielleicht gar ihre Sympathie verscherzt – wenigstens würde ich so reagieren.

Die  Reise selber dauerte vom 25. Mai bis zum 24. Juni und war abenteuerlich organisiert, um Kosten zu sparen. Reginaldo und Maura brachten uns morgens früh zum Flughafen. Wir flogen zunächst von Navegantes nach São Paulo mit der TAM, der brasilianischen Fluggesellschaft. In São Paulo wechselten wir den Flughafen, hatten dort viele Stunden Aufenthalt und saßen dann nachts im Flugzeug der British Airways nach Heathrow. Das Flugzeug war eine alte Boing. Wir saßen weit hinten und bekamen den ganzen Motorenlärm mit, der uns den ganzen Flug über begleitete – Gott sei Dank, denn wenn er ausgefallen wäre …. Begleitet wurden wir aber auch von einigen jungen Engländerinnen, die wohl nicht schlafen konnten oder wollten. Mit ihren glasklaren, schneidenden Stimmen unterhielten sie sich sehr dynamisch in wechselnden Tonhöhen und Lautstärken fast die ganze Nacht und waren auch durch Ermahnungen nicht zu bremsen. Niemand im Umkreis von 10 m tat ein Auge zu. Aurora wurde die Anstrengung zu viel und ihr Kreislauf ging in die Knie. Gerade als ich eingeschlafen war, lag sie zwischen den Reihen auf dem Boden und wurde von den Stewards betreut. Gott sei Dank ging das recht schnell vorüber. Gegen Mittag englischer Ortszeit waren wir dann in London, warteten wieder stundenlang, bis der Flug nach Frankfurt abging. In Frankfurt dann wurden wir von meiner geliebten Schwester Moni abgeholt und nach Kraichtal gefahren. Mehr als 24 Stunden waren wir unterwegs und entsprechend froh, endlich angekommen zu sein.

Um es gleich vorweg zu nehmen, war die Rückreise nicht kürzer, jedoch besser organisiert, was wegen des schweren Gepäcks auch nötig war. Die Flüge passten gut. Der Aufenthalt in Heathrow war kurz, der Flug nach São Paulo war ruhig, denn es flogen keine jungen Engländerinnen mit, sondern anscheinend nur schlafwillige Menschen. Entsprechend ausgeruht kamen wir in São Paulo an, wo wir von Rudi und Marlete abgeholt wurden, die uns zu Auroras Schwester Inha brachten, wo wir gemeinsam einen Brunch aßen, um danach nochmal zu schlafen. Dennoch waren wir rechtzeitig auf dem Flughafen zum Weiterflug nach Navegantes, wo wir dann vom Ehepaar Brose abgeholt wurden.

Der Urlaub in Deutschland gliederte sich in 3 Abschnitte:
a. Eingewöhnung in Deutschland bei Moni und Bernd in Kraichtal (25- Mai – 7. Juni).
b. Nordlandreise nach Stockholm, Helsinki und Tallinn (8. – 17. Juni).
c. Frankfurt und Geschwistertreffen in Kraichtal (18. – 24. Juni).

Der erste Abschnitt unserer Reise bestand also aus der Akklimatisation. Dabei gab es so viel zu akklimatisieren nicht, denn das Wetter im deutschen Sommer in dieser Zeit ähnelte dem Wetter des brasilianischen Winters. Es regnete und war ungefähr gleich warm oder kalt. Lediglich die Zeitumstellung war zu bewältigen, doch ging das recht schnell. Aurora verbrachte dann viel Zeit mit Moni und ihren Nähkünsten. Endlich durften die beiden nähen bis zum Abwinken. Aurora genoss es sichtlich. Gemeinsam machten wir uns auch schon daran, die lange Einkaufsliste, die wir in Brasilien erstellt hatten, abzuarbeiten. Endlich mal wieder zu Aldi gehen! Welch eine Wonne. Das Geld rann uns geradezu aus den Händen. Sodann waren diverse Arztbesuche zu erledigen: Zahnarzt, allgemeine Untersuchung beim Hausarzt und Augenarzt. Verbunden wurden diese Besuche und die Einkäufe mit Besichtigungen. Bruchsal hat sich enorm verändert, ist zu einer ansehnlichen, wohlhabenden Stadt geworden. Die „Penne“ (der Ausdruck gefiel Aurora besonders, weil er auch gleich die dort erlebte Wirklichkeit widerspiegelt) steht noch und sieht noch genauso furchtbar aus wie früher. Das Schloss hingegen ist wunderschön, auch der Schlosspark, den ich früher kaum wahrgenommen hatte. Ich fand Bruchsal ja immer als ein besonders hervorragendes Beispiel von grauenvoller Spießigkeit, was meine Schwestern so nicht fanden. Für Aurora war dieses mein Gefühl gegenüber Bruchsal Grund für manche Lästerei. „Also wenn ich noch mal nach Deutschland ziehen würde, dann würde ich am liebsten in Bruchsal wohnen!“ – Mir graut es äußerlich. Innerlich muss ich zugeben, dass das keine ganz schlechte Wahl wäre. Aber das würde ich natürlich niemals im Leben zugeben! Maulbronn war ein weiteres Besuchsziel. Bei strahlendem Sonnenschein zeigte sich das Kloster von seiner besten, touristischen Seite. Schließlich blieb auch noch Zeit für einen Besuch bei meiner Schwester Eva und der Stadt Ettlingen. Wie schön war es, mit Eva über Gott und die Welt zu reden, Teil haben zu dürfen an ihren Gedanken, ihrer Spiritualität und ihren Erlebnissen. Da sie in Ettlingen lebt, haben wir dieses hübsche Städtchen vor den Toren Karlsruhes auch besichtigt. Es ähnelt sehr Bruchsal und ist heute eine Hochburg für Pensionäre aus Karlsruhe, die den Trubel der Stadt nicht mehr mögen, aber den Kontakt mit ihrer Heimat doch nicht missen wollen.

Der zweite Teil unseres Urlaubs begann ziemlich aufregend. Wir hatten die Fahrt zum Flughafen mit der Deutschen Bundesbahn geplant. Bernd hatte organisiert, dass wir in Kronau in einen Regionalzug steigen konnten, der uns zunächst nach Mannheim brachte. Von dort aus sollte uns ein ICE zum Flughafen bringen. Am Flughafen hätten wir dann 2 Stunden Zeit zum Einchecken. Der erste Zug hatte 15 Minuten Verspätung. Der ICE war deswegen schon weg und der nächste ging 1 Stunde später. Immerhin trafen wir auf dem Bahnhof in Mannheim ein älteres Ehepaar aus Balneario Camboriu, unserem brasilianischen Nachbarort. Als wir dann am Flughafen ankamen, war das Flugzeug schon weg, zumal der ICE auch Verspätung hatte. Also buchten wir um und kamen nun 5 Stunden später in Stockholm an. Allerdings stellte sich heraus, dass wir es bei dieser Anreise nicht mit einem schlimmen Ohmen zu tun hatten, sondern schlicht mit den Unwägbarkeiten der Bundesbahn, die nicht noch einmal zu benutzen ich mir geschworen habe. Besonders nervig sind die Durchsagen, in denen man um Verständnis für die Verspätungen bittet, ohne auch nur daran zu denken, dass man umgekehrt vielleicht auch Verständnis für die Folgen dieser Verspätungen zeigen, oder gar Verantwortung dafür übernehmen müsste.
Stockholm selber ist im Sommer bei schönem Wetter ein Traumerlebnis. Die Stadt, die Altstadt, die Wachablösung vor dem Schloss, der Kaknästurm (Stockholmer Fernsehturm) waren Höhepunkte. Beeindruckend ist der hohe und hervorragende Organisationsgrad und Sauberkeit der Stadt, in der alles bestens funktioniert, damit sich der Mensch wohl fühlen kann. Beeindruckend war auch, dass wir kein Geld zu wechseln brauchten, weil wir immer mit der Kreditkarte bezahlen konnten. Für Stockholm selber hat das zur Folge, dass man es mit sehr ärgerlichen Bettlern zu tun hatte, weil ihnen niemand mangels Bargeldes Geld gab. Auffallend war aber auch, dass es jetzt keine Straßenmusiker mehr gab, die früher einen Teil des Charmes von Stockholm ausmachten.
Das Highlight war das Treffen mit alten Freunden: Signe Holmlund, die Tochter von Erik Holmlund, meinem ersten schwedischen Freund, trafen wir und danach auch Kristina Laurell und Johan Öberg. Kristina hatte ich vor vielen Jahren in Frankfurt kennengelernt. Johan ist ihr Lebenspartner.
Mit der Fähre, die wir mit einer Außenkabine für 2 Personen gebucht hatten, brachte uns über Nacht von Stockholm nach Helsinki. Die Überfahrt, besonders durch die Stockholmer Schären, war bei strahlendem Sonnenschein wunderschön und ist sehr zu empfehlen. Allerdings ist das Gewimmel auf dem Schiff so groß und damit anstrengend, dass sowohl Aurora als auch ich meinten, auf eine Schiffskreuzfahrt gut verzichten zu können. Helsinki selber ist im Verhältnis zu Stockholm karger. Es gibt nicht so viel zu sehen und die Menschen sind auch weniger freundlich. Hinzu kam, dass wir auch einen Regentag dort erlebten, an dem wir nicht viel machen konnten. Am Ende waren wir froh, wieder in eine Fähre in Richtung Tallinn steigen zu dürfen.
Die Überfahrt dauerte nur 3 Stunden. Schon auf der Fähre deutete sich an, was sich in Tallinn dann bestätigte: Es wurde nämlich schweinekalt! Der Wind blies hart und schien direkt vom Nordpol zu kommen. Wir froren erbärmlich und selbst die Sonne hatte nicht genügend Kraft, gegen die Kälte anzukommen, so sehr sie sich auch anstrengte. Wenn man warme Kleidung hat, ist Tallinn eine wirklich sehenswerte Stadt mit ihrer Stadtmauer, ihrer Geschichte seit der Hanse, als Tallinn noch Reval war, ihren Kirchen und ihren schönen Plätzen. Das Preisniveau ist dort ist erheblich niedriger als in Stockholm oder Helsinki. Bemerkenswert ist der neue Flughafen von Tallinn, weil er nicht auf Sterilität und Funktionalität getrimmt ist, wie alle anderen mir bekannten Flughäfen – und ich kenne viele! Der Architekt hat auf Menschenfreundlichkeit gechtet mit Kinderspielecken und Sitzgelegenheiten für viele Bedürfnisse. Allein schon der Parkettboden hebt sich von den normalerweise vorhandenen Steinböden angenehm ab. Hier kann man gut und gerne ein paar Stunden warten.

Der dritte Abschnitt begann also recht angenehm, denn die Rückreise nach Frankfurt ging bis auf die verspätete Gepäckauslieferung reibungslos. In Kronau wurden wir von Bernd abgeholt, der uns in unser deutsches Heim bei Moni nach Kraichtal brachte. Die Nacht war kurz, denn am nächsten Morgen war schon der Besuch in Frankfurt angesagt. Wieder goss es am 18. Juni wie aus Kübeln und wir kamen in Frankfurt nach Stopp and Go Verkehr ziemlich spät, aber noch rechtzeitig an. Welch ein Wiedersehen mit den Leuten aus dem Blindentreffen! Für mich sind Besuche in Frankfurt wegen ihres starken emotionalen Gehalts recht anstrengend und ich habe immer das Gefühl, den Menschen, die sich so sehr mit mir verbunden wissen, nicht gerecht werden zu können. Das gilt auch für die Menschen in der Gemeinde, die ich danach noch besuchte. Immerhin schaffte ich dabei noch einmal ein Besuchsprogramm mit 6 Kurzbesuchen, bis wir zuletzt noch unsere ehemaligen Nachbarn und Freunde Michael und Daniela Eyrich mit ihren beiden Söhnen, und dann noch Ingrid Schmidt, unsere so wundervolle Freundin und Gastgeberin aus der Andreasgemeinde, trafen. Ingrid hatte für uns eine Grüne Soße und einen Beerencocktail vorbereitet. Dazu ihre so muntere, liebevolle, offene und zuwendende Art macht eine Begegnung mit ihr immer zu einem besonderen Erlebnis.
Spät abends kamen wir dann von Frankfurt heim nach Kraichtal. Erholung! Am Sonntag dann war das große Geschwistertreffen, das auch dieses Mal sehr harmonisch verlief. Moni hatte – wie immer – alles hervorragend vorbereitet. Ihr fließen die Arbeiten quasi aus den Händen und dank ihres enormen Einsatzes wurde der Rahmen geschaffen, in dem dieses schöne Begegnungstreffen stattfinden konnte und durch den die Harmonie auch im äußerlichen Bereich gewährleistet wurde. Verstimmungen gab es eher im Vorfeld, weil sich heraus stellte, dass sowohl Schwester Ruthild als auch Bruder Frank vorschlagen wollten, Geschwistertreffen bei sich halten zu wollen, was nicht nur bei Moni schlecht ankam. Ich habe daraufhin vorgeschlagen, das Kennenlernen neuer Umgebungen, die sich durch die Umzüge ergeben, nicht mit dem Treffen, sondern mit Einzelbesuchen zu verbinden. Das wurde auch allgemein akzeptiert und beschlossen, bis auf weiteres alle Geschwistertreffen weiter bei Moni abzuhalten.
Am Dienstag war dann unsere Reise beendet. Moni brachte uns mit einem großen Auto zum Flughafen nach Frankfurt, wo wir dann – wie schon geschrieben – unsere gute Heimreise nach Brasilien begannen. Bleibt für uns noch einmal ein großes Dankeschön an meine liebe Schwester Moni auszudrücken. Wer hätte gedacht, dass wir beide, die wir uns ein Leben lang wie Chico und Susi, unsere Katzen, beharkt haben, zu einer solch innerlichen Verbundenheit und Liebe finden würden. Ob es da auch noch diesbezüglich Hoffnung für unsere Katzen gibt?

Aurora, Inha, Rudi und Marlete beim Bruchen Wir sind wieder daheim!
Aurora, Inha, Rudi und Marlete beim BruchenWir sind wieder daheim!

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