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Sonntag, 28. Juni 2015: Angekommen

Eine halbe Woche sind wir nun schon wieder daheim. Was ist seitdem passiert und was hat sich verändert?

Am Flughafen von Navegantes wurden wir von Edemar und Suzana Brose abgeholt. Reginaldo und Maura waren nämlich verhindert. Das war gut so, denn auch das größere Auto von Broses war gerade groß genug, um das ganze Gepäck mit zu bekommen. Welch eine herzliche Begrüßung und welch ein Willkommen! Die beiden hatten sogar einige Lebensmittel eingekauft, weil sie meinten, wir würden sonst verhungern. Diese Gefahr war zwar nicht vorhanden, aber geschmeckt hat das dennoch.
Bemerkenswert ist noch, dass der Flughafen in Navegantes erstmals nicht nach Käse stank, wobei wir um diese Tageszeit wohl noch nie dort waren. Immerhin war es schon gegen 16.30 Uhr. Bis wir dann daheim waren, war es schon 18.00 Uhr und draußen dunkel. Wie anders war es noch zwei Tage früher, als in Kraichtal die Sonne erst gegen 22.30 Uhr unter ging. Dort aber herrscht Sommer, während hier Winter ist.

Die Katzen haben uns begrüßt, als wären wir gerade nur mal kurz weg gewesen. Es ist ziemlich ungewöhnlich, dass Katzen nicht fremdeln. Unsere aber haben überhaupt keine Neigung dazu. Sie kamen an, wollten gleich gestreichelt werden und als wir dann im Bett lagen, waren beide auch gleich da und legten sich auf die ihnen vertrauten Plätze, also auf Auroras Bauch und Beine. Aurora war glücklich und gab vor Begeisterung den Katzen eine Versprechen, das sie nicht einhalten können wird: Nie mehr, meinte sie, würde sie sooooo lange weg sein. Warten wir mal den November ab, wenn wir nach Südafrika fliegen.

Die Wohnung war in sehr gutem Zustand. Die Hände, in die wir ihr Schicksal gelegt hatten, waren die richtigen gewesen. Beide Maris haben ihr Bestes gegeben. Unsere Haushaltshilfe Mari hat die Wohnung sauber gehalten, während die andere Mari sich um die Katzen gekümmert hat. Es gab keine Beanstandungen. Alles war perfekt.

Auch das Wetter hat sich verändert. War es vor unserer Abreise noch sehr regnerisch, hat bisher seit unserer Rückkehr jeden Tag die Sonne geschienen. Das bedeutet morgens eine Temperatur von 20° im Schatten, während mittags das Thermometer auf 25 – 28° steigt, also wahrhaft winterliche Temperaturen. Das haben wir heute gleich spüren dürfen, als wir gegen 9 Uhr erstmals seit unserer Rückkehr an den Strand gingen. Ich hatte meine Nordic-Walking-Stöcke mitgenommen und erstmals mein von Moni neu erworbenes Können am Strand ausprobiert. Es wurde ein echtes Work-Out, denn mit den Stöcken geht man sehr viel regelmäßiger, sehr viel schneller und mit sehr viel mehr Bewegung und Kraft. Mein T-Shirt war am Ende total durchgeschwitzt und meine Zunge hing bis in die Kniekehlen. Am Strand allerdings war ich mit diesen Stöcken ein Novum, denn sowas gibt es hier nicht. Als ich Gisela, der Vermieterin unserer kleinen Wohnung, mit ihren Hunden am Strand begegnete, meinte sie, dass sie sowas noch nie hier gesehen habe. Andere schauten neugierig, junge Leute lachten auch – so wie ich, als ich Leute erstmals mit diesen Stöcken losmarschieren sah. Eine neue Trendsportart wird es allerdings nicht werden, weil es diese Stöcke hier nicht zu kaufen gibt. Ich aber habe den Gang genossen, denn es lässt sich auf dem recht harten Sand sehr gut mit den Stöcken laufen. Meine Technik lässt noch zu wünschen übrig, denn zwar habe ich den Rhythmus heraus, jedoch muss ich noch stärker lernen, auf die Stöcke Druck auszuüben. Das aber, kann ich versichern, ist ein ziemlich anstrengendes Geschäft. Immerhin bin ich bei winterlichen 30° in der Sonne vier Kilometer am Strand entlang gewalkt und finde mich alten Kerl dabei ziemlich tüchtig, zumal es das erste Mal war. (Jemand muss einen doch mal loben!!!)

Neu ist auch, dass unsere Kirche, die man vom Schlafzimmerfenster aus sieht, eine kleine Glocke in ihren Turm erhalten hat, die jetzt ab und zu läutet. Gestern Abend habe ich sie erstmals gehört und mich gewundert, wo denn hier eine Glocke ist. Malvina hat es mir heute bestätigt. Seit Anfang Juni läutet die katholische Kirche von Bombas. Die Glocke ist zwar eher eine Bimmel, weil so wirklich richtige Glocken nicht in den Turm passen, auch ist sie wegen der Abdichtung im Turm sehr unbrasilianisch leise, aber man kann sie dennoch hören. Heute früh hat sie auch zur Messer geläutet und ich hatte erstmals in Bombinhas das Gefühl, es sei Sonntag.

Inzwischen ist es mir auch gelungen, ein Missgeschick, das mich schon in Deutschland ereilt hatte, zu beheben. Beim Geschwistertreffen ging nämlich mein Laptop während eines Gespräches mit meinem Bruder Frank, bei dem es um einen Nachfolgetermin für das Treffen ging, kaputt. Er sagt nur ganz kurz „Pitsch!“ und verschied einen plötzlichen Platinentod, wie in Bernds Firma am nächsten Tag festgestellt wurde. Auf der Festplatte waren alle meine Fotos, die ich während des Aufenthaltes gemacht hatte, und auch ein Teil meines Filmbestandes. Beides wurde dann auf meine Bitte hin in Internet geladen, wo ich es nun in einem langwierigen Verfahren hier in Brasilien wieder herunter laden konnte. Der Vorgang dauerte tage- und nächtelang bis heute früh, weil das hiesige Internet immer wieder kollabiert. Jetzt aber ist alles gerettet.

Nachdem wir also gut daheim gelandet sind, gab es natürlich eine Reihe von Besuchen, die wir erhielten, damit uns die Menschen, unsere neuen Freunde, begrüßen können. Reginaldo und Maura kamen und wir gaben ihnen das Abendmahlsgeschirr und die beiden Himbeerableger, die uns Moni aus ihrem Garten mitgegeben hat. Reginaldo weiß, welche Sorte Erde sie brauchen, um zu guten Himbeeren zu werden. Er wird sie also gut bewahren.
Heute nun kam auch Ana mit ihrer Tochter Jenifer, eine Köchin und Konditorin, samt ihrer Enkelin Elisa, mit der ich dann spielen durfte. Wieder fiel mir der Unterschied zu deutschen Kindern auf. Elisa mit ihren 5 Jahren ist ein neugieriges Mädchen, das sich zwanglos in unserer Wohnung bewegte, ohne Vorbehalte mit den Erwachsenen konferierte. Wir hatten viel Spaß zusammen und haben gemeinsam auf das Erscheinen des Kuckucks in der Kuckucksuhr gewartet, während Ana, die so gerne erzählt, mit Aurora und Jenifer sprach. Wie schön ist es doch, wenn Kinder zwanglos und angstfrei mit Erwachsenen kommunizieren! Für mich ist das immer wieder erstaunlich zu erleben und zu genießen. Wenn ich da an die Kinder in meiner Krabbelgruppe denke, die immer so ängstlich an ihren Müttern klebten und sich schon erschreckt abwandten, wenn sie von einem fremden Mann – mich – angesprochen wurden, was ich dann sorgfältig vermied. Zu Ana ist noch zu sagen, dass sie aus ziemlich kaputten Familienverhältnissen stammt. Ihr Erzeuger war Däne. Ihr Vater dann Schwede. Aufgewachsen ist sie aber in Brasilien. Sie hat kaum Schulbildung, wie viele aus ihrer Generation auch nicht haben. Ana war verheiratet, hat 3 Töchter bekommen, die in der Familie groß werden konnten, bevor sich der Vater von der Mutter trennte. Alle 3 sind kluge Frauen, teils mit akademischer Bildung. Ana selber hat eine große spirituelle Klarsichtigkeit und Gespür. Ich denke, dass es diese Eigenschaft war, die sie so unerwartet so engen Kontakt zu uns suchen ließ. Die Folge dieses Gespürs ist, dass alles unter ihren Händen zu Gold wird. Früher hatte sie ein Geschäft, das blendend lief. Sie verkaufte es, weil ihr Mann das so wollte. Nach der Trennung begann sie, in ihrer Küche Essen für andere zu kochen. Es sprach sich schnell herum, dass es dort gutes Essen für wenig Geld gab und die Leute kamen, aßen teilweise in ihrer Küche im Stehen, teilweise auf Stühlen, die Nachbarn herbei brachten, bis so viel Geld beisammen war, das Restaurant einfach einzurichten. Anfangs hatte Ana Angst, dass jemand von der Stadtverwaltung kommen würde und ihr das provisorische Restaurant schließt. Dann aber wurde ihr gesagt, dass bereits drei ihrer regelmäßigen Mittagsgäste eben diese Verantwortlichen in der Stadtverwaltung waren.

Ana und Aurora am Kaffeetisch Anas Tochter Jenifer und Enkelin Elisa
Ana und Aurora am KaffeetischAnas Tochter Jenifer und Enkelin Elisa

Jenifer und Elisa Ana
Jenifer und ElisaAna

Zuletzt ist noch zu vermelden, dass wir heute früh Osvaldo und Malvina auch das erste Mal seit unserer Rückkehr getroffen haben. Sie erzählten, dass ihre Tochter und Mann in Rio überfallen und ausgeraubt worden sind, die Armen. Sie haben sich dabei sogar Verletzungen zugezogen. Derzeit aber sind sie daheim, um sich dann auf einen Ferienaufenthalt in Fernando de Noronha vorzubereiten, wo sie schon einmal waren und wo es keine bösen Buben gibt – wie normalerweise auch in Bombinhas nicht.

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