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Donnerstag, 16. Juli 2015: Gymnastik, Traum, Führerschein und Patchwork

Früher hatten wir Zeit, heute haben wir Gymnastik. Nun muss ich zugeben, dass Gymnastik für den ganzen Körper sehr viel nützlicher ist als lediglich für die 10 Finger, die über eine Computertastatur huschen und leicht anschlagbare Tasten niederdrücken. Das jedenfalls meint auch Luise, die junge, rehäugige, sympathische, mit Traumfigur versehene – nur Aurora deucht mir einen Tick schöner und sympathischer zu sein – Trainerin, die sich fortan dienstags und donnerstags gegen 9.30 Uhr bei uns einfindet, um uns zu zwiebeln. Dank manches Zuviels an Granola = Müsli war ich in den letzten Wochen geradezu aus dem Leim gegangen, bis ich jetzt die Ursache für mein Fetma fand, nämlich das Granola. Selbiges lasse ich hinfort weg und widme mich dem Training mit Luise, der jungen, rehäugigen, mit Traumfigur versehenen – nur Aurora deucht mir einen Tick schöner und sympathischer zu sein – Trainerin, welche in ihrer Gestalt und Schöne auch gleich das Ziel des Trainings vorgibt. Obwohl – ich schrieb es bereits – ich niemals aussehen werde wie Luise, die junge, rehäugige, sympathische, mit Traumfigur versehene – nur Aurora deucht mir einen Tick schöner und sympathischer zu sein – Trainerin. Luise, die junge, rehäugige, sympathische, mit Traumfigur versehene – nur Aurora deucht mir einen Tick schöner und sympathischer zu sein – Trainerin, darf sogar Schokolade essen, weswegen wir ihr aus unserem deutschen Schokoladenvorrat eine Tafel zukommen ließen, von der sie lediglich Gutes zu erzählen wusste. Die Übungen sind hart und ich schwitze gewaltig. Immer am Tag danach beginnen die Muskeln zu schmerzen. Dieser Schmerz hat seinen Höhepunkt am übernächsten Tag, und dann kommt auch schon wieder Luise, die junge, rehäugige, sympathische, mit Traumfigur versehene – nur Aurora deucht mir einen Tick schöner und sympathischer zu sein – Trainerin, um erneut ein von ihr für uns ausgedachtes Programm zwecks Zwiebelung unserer Köper mit uns abzuarbeiten. Ich schwitze, ich schnaufe, ich puste, protestiere, aber ich mache mit. Am vergangenen Dienstag war es besonders hart. Luise, die junge, rehäugige, sympathische, mit Traumfigur versehene – nur Aurora deucht mir einen Tick schöner und sympathischer zu sein – Trainerin, schaute mich mitleidig an- Ich murmelte etwas von altem Fleisch usw., woraufhin sie mir von einem 84-Jährigen erzählte, der fit wie Fiffi, die Feder, sei und zu ihr ins Studio käme. Schande und Scham über mich! Ich kam dann drauf, dass ich vor dem Training meine Wasserpfeife entzündet hatte, was sich äußerst negativ auf mein Leistungsvermögen auswirkte. Also habe ich jetzt die Wasserpfeife beiseite geräumt und werde sie nicht mehr entzünden. Als Luise, die junge, rehäugige, sympathische, mit Traumfigur versehene – nur Aurora deucht mir einen Tick schöner und sympathischer zu sein – Trainerin, das erfuhr, meinte sie, dass ich auch kein Guaraná mehr trinken solle, weil da unnützes Zeug drin sei. Das weiß ich auch, aber es schmeckt! Immerhin habe ich also beschlossen, nach dem Training meinen Flüssigkeitshaushalt nicht damit, sondern mit besonderen, von Aurora liebevoll vorbereiteten Säften zu regulieren. Heute nun war ich nicht mehr so schlapp und schwach.

Griechenland beschäftigt seit Wochen und Monaten nicht nur ganz Deutschland, sondern auch mich hier in Brasilien. Dabei habe ich den Nachteil, mich mit niemandem austauschen zu können, weil das im Prinzip hier keinen interessiert. Was ich darüber denke, brauche ich jetzt nicht kundzutun, weil das nur eine Meinung unter vielen ist. Aber erzählen muss ich doch, dass ich gestern Nacht sogar von Griechenland geträumt habe. Aurora und ich waren in Griechenland. Den Menschen dort ging es schlecht und sie bekamen an den Bankautomaten nur bis zu 50 € ausgezahlt. Wir waren an einem Zeitungskiosk und wollten eine Fernsehzeitung kaufen. Und da frage ich den Mann im Kiosk frech-fröhlich, ob er noch wüsste, wie ein 100-€-Schein aussähe. Das fand ich schon im Traum im Humor ziemlich englisch-schräg, zynisch und unverschämt, so dass ich mich gleich danach – also schon im Traum – für die Frage geschämt habe. Sie ist so frech wie meine Frage beim Einsteigen in ein Flugzeug, wie es bitte dem Piloten und Copiloten geht. Also wer hätte das gedacht, dass mir solche mit englischem Humor bestückten Scherze einfallen und dass ich mich dafür schon im Traum schämen muss?!?!

In den letzten Tagen gab es noch eine freudige Überraschung, die mir meine Frau, die wundervolle Aurora, bereitet hat. Das hat eine Vorgeschichte, die ich in aller Kürze widergeben möchte: Schon als wir planten, nach Brasilien zu ziehen, meinte Aurora, sie wolle ihren seit Jahrzehnten verlorenen Führerschein erneuern lassen, da wir hier quasi auf dem Dorf wohnen und autofahren müssten. Dabei ließ sie keinen Zweifel aufkommen, dass sie absolut keine Lust zum Autofahren hat. Es ist ihr ein Gräuel. Dann kamen wir hierher, aber Aurora hatte keine Zeit. „Lass mich in Ruhe! Du siehst doch, dass ich keine Zeit habe.“ So sprach sie zu mir. „Wann hast Du denn Zeit?“ – „Lass mich in Ruhe!“. Dann war Stille auf beiden Seiten. Der Container kam, der Führerschein aber nicht. „Na gut,“ meinte ich, „dann lassen wir erst mal meinen Führerschein übertragen.“ – „Gut!“ meinte sie. „Wenn der da ist, kümmere ich mich um meinen.“ Die Geschichte mit meinem Führerschein ist bekannt. Ich habe ihn seit reichlich einem Jahr. Als er fertig war, tippte ich Aurora erinnernd auf die Schulter. Sie ahnte, was ich meinte und sprach ärgerlich: „Lass mich in Ruhe!“ – „Aber wann denn? Also wenn ich mal nicht fahren kann, dann …“ - „Lass mich in Ruhe!“ – Was soll ich nun dazu sagen. So ging das weiter. Verschiedene Anlässe gab es, noch mal nachzuhaken, aber die Antwort war immer gleich: „Lass mich in Ruhe!“. Jetzt waren wir auch in Deutschland und dieses Mal hat meine Schwester Monika nachgehakt. Ihr konnte Aurora schlecht auf diese brüske Art antworten. Siehe da, es bewegte sich etwas, denn Aurora versprach, sich um die Sache zu kümmern, wenn wir wieder in Bombinhas sind. Dann kamen wir nach Hause. Ich erinnerte Aurora an das, was sie Moni versprochen hatte. Ihre Antwort darauf: „Lass mich in Ruhe!“ Das hatte ich irgendwie schon geahnt. Also gab ich Ruhe. Nun geht sie inzwischen dreimal wöchentlich morgens früh in die Aquagymnastik. Dazu wird sie von Maura abgeholt. Jetzt aber konnte Maura zweimal nicht, aber Aurora wollte dennoch teilnehmen. Ich fuhr sie hin, ohne zu versäumen, sie etwas bedeutungsvoll anzuschauen. Sie deutete den Blick richtig und sagte „Lass mich in Ruhe!“, aber als dann Maura vorschlug, vielleicht doch mal wechselseitig zu fahren, flickte Aurora bei einer Einkaufsfahrt durch Bombinhas auch die Fahrschule mit ein. Hier bekam sie Auskunft, was alles zu tun ist. Das geht zu bewältigen, wenigstens theoretisch. Fahrstunden für Einsteiger würde sie erhalten, wenn der Führerschein da ist. Die Fahrstunde kostet rund 50 Reais = 15 €, also ein Traumpreis. Ich glaube, meine Fahrstunden in den 60-er Jahren waren schon teurer. Heute nun saß sie an meinem PC, um sich via Internet die nötigen Papiere zu besorgen. Dazu bekam sie eine besondere polizeiliche Aufforderung via Email. Leider hat es nicht geklappt, weil die Polizei eine Sicherung vor unbefugtem Zugriff eingebaut hat, die so dicht ist, dass auch die, die befugt sind, vor dem Aufruf des Dokumentes geschützt werden. Hier in Brasilien habe ich so etwas schon öfters erlebt. Besonders die Polizei ist sehr gut darin. Schon beim Abholen meiner Daueraufenthaltsgenehmigung war die Polizei selber total überrascht, als sie feststellte, dass der von ihnen eingerichtete Internetzugang, auf den sie die Hilfesuchenden verwiesen, dank ihrer eingebauten Sicherungen auch ihnen selber verborgen blieb. Man muss Hacker sein, um da ran zu kommen.

Zuletzt weise ich noch auf Auroras Hobby hin, das sie derzeit eifrig ausübte: Patchwork. Sie hatte es schon früher mit Moni bemacht, tut es jetzt nach unserer Rückkehr aus Deutschland aber mit besonderer Begeisterung, da auch Maura mitmacht. Die Ergebnisse sind sehr sehenswert, denn Aurora näht so wie sie ist: genau, akkurat und mit viel Gefühl.

Auroras Patchwork-Kissen
Auroras Patchwork-Kissen

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