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Freitag, 21. August 2015: Schrecken und Krankenhaus

Das Neuste: Ceará wird Vater! Seine Frau Gil hängt allmorgendlich über dem Klo und er ist glücklich und stolz! Herzlichen Glückwunsch, Gil und Ceará! Ceará hat mich unterrichtet, als ich heute Hackfleisch bei ihm kaufte.

Fröhliche Gesichter beim aufgeklopftem Boden. Rechts DanielGestern kam Daniel von der Baufirma Macom, die unser Haus gebaut hat, um nachzusehen, wie tief die Isolierschicht unter den Fliesen auf unserer Terrasse ist. Denn diese Schicht hat sich als undicht erwiesent und muss erneuert werden. Also wurde eine Fliese heraus gelöst und die Schicht bis zum Beton aufgeschlagen. Daniel, der der Vorarbeiter von Macom ist, hatte dazu einen Bauarbeiter mitgebracht, der mit mächtigen, Schlimmes erahnen lassenden Hammerschlägen dieser Schicht auf den Grund ging. 5,5 cm ist sie dick, also hinreichend dick, um sie fachgerecht erneuern zu können. Alle waren glücklich über diesen Bescheid, bis wir dann auf die Tätigkeit an sich zu sprechen kamen.
„Wann geht es los?“ fragte ich. „Anfang September.“ – „Wie lange braucht ihr?“ – „Na ja,“ so begannen sich die Fachleute zu schrauben, „das hängt ja ganz vom Wetter ab, denn es muss ja trocken sein.“ – „Also wie lange?“ – „Wir werden in Abschnitten vorgehen, abschnittsweise die Fliesen und die Isolierschicht abtragen.“ – Mir wird schwindelig, denn bei solchen Auskünften denkt jeder Bombinhaner gleich an die Hauptstraße, die Leopoldo Zarling, bei der das Bauen im Juni 2014 begann und ein Ende für Mitte Dezember angekündigt, jedoch noch nicht abzusehen ist.
„Au weia! Also wie lange?“ – „Wir rechnen jetzt erst einmal mit 2 Monaten. Ja, so lange werden wir schon brauchen. Es macht mächtig Dreck. Danach muss wohl die Hauswand neu gestrichen werden, aber wir werden versuchen, die Fenster abzuhängen, so dass möglichst wenig Dreck rein kommt.“ – „Und macht es Lärm?“ – „Du hast ja gehört: Viel Lärm, viel Dreck!“ – Und während Daniel so sprach, lachte er über das ganze Gesicht.
Ich habe es geahnt! Aurora hat es geahnt und schon mal vor einer Woche Mari in die Wohnung ihrer Schwester geschickt, um dort alles für einen zeitweiligen Umzug der Katzen mit uns vorzubereiten. Wir rangen um Fassung, die uns jedoch dennoch merkbar aus dem Gesicht fiel. Eine oder zwei Wochen hätten wir gedacht, nicht aber länger als so.
Als Hausverwalter muss ich außerdem noch alle anderen Wohnungsbesitzer von diesen lautstarken Plänen in Kenntnis setzen. Da erfahre ich von der Hausverwaltungsfirma Roderjan, die in Absprache mit mir die praktischen Angelegenheiten im Haus organisiert, dass alle ihre Hausverwaltungen in Bombinhas an eine andere Firma verkauft wurden. Und schon heute Nachmittag kam Darlan, unsere Ansprechperson von Roderjan, mit dem Besitzer der neuen Firma „Digicon“  namens Valdo Cruz zu uns, um diesen Wechsel personell zu untermauern. Hoffentlich werden die Neuen gut arbeiten! Jedenfalls haben wir ihnen nebenbei vermittelt, dass sie nun an alle Wohnungsbesitzer schreiben müssen, um ihnen nicht nur Digicon als neue Hausverwaltungsfirma vorzustellen, sondern auch vom Lärm im Haus in den nächsten Wochen und Monaten zu unterrichten.

Wegen dieser wenig schönen Aussichten für die nächsten Wochen haben wir diese Nacht etwas schlecht geschlafen. Das war aber nicht so schlimm, weil Aurora heute früh sowieso wieder nach Baneário Comboriú wollte, um sich dort im Krankenhaus durchleuchten zu lassen. Dazu musste sie nüchtern sein und ein Abführmittel genommen haben. Das hat sie auch gewissenhaft erledigt und war jetzt wegen der Sorgen und wegen manches heimlichen Ganges auf das stille Örtchen schon gegen 6 Uhr munter. Wenn aber Aurora munter ist, werde ich das auch – und umgekehrt. Also stand ich auf, machte mir heimlich Frühstück und bereitete mich für die Fahrt vor. Um 6.30 Uhr ging es los, um 7.30 Uhr waren wir dort.

Haupteinang des Krankenhauses mit Parkservice Foyer im Krankenhaus
Haupteinang des Krankenhauses mit ParkserviceFoyer im Krankenhaus

Das Krankenhaus, in dem die Untersuchungen gemacht werden, ist eine Privatklinik einer Versicherungsgesellschaft jenseits aller staatlichen Gesundheitsversorgung. Insofern war dort ein gemäßigter Betrieb. Wir parkten unser Auto um die Ecke und gingen über eine 4-spurige Straße auf den Eingang des Krankenhauses zu. Auffällig ist, dass es dort weit und breit keine Parkplätze gibt. Das Krankenhaus steht in einer Häuserfront an dieser breiten, viel befahrenen Straße. Wir hatten Glück mit dem Finden eines Parkplatzes in einer Seitenstraße. Als wir uns dem Eingang näherten, sahen wir, dass es hier ein besonderes Parksystem gibt. Man fährt mit dem Auto am Haupteingang vor und übergibt den Autoschlüssel an Personal, das das Auto dann weg fährt und parkt. Will man das Auto später zurück haben, gibt man den Zettel, den man beim Einchecken erhalten hat, ab und 10 Minuten später wird das Auto wieder vorgefahren. So sieht eine gute, brasilianische, personalintensive Lösung dieses Problems aus.
Wir betreten das Krankenhaus. Bei uns ist hinter dem Eingang eines Krankenhauses oft ein großes, helles Foyer mit besinnlicher Stille. Man wartet irgendwo vor einer Tür zur Aufnahme darauf, dort aufgerufen und aufgenommen zu werden. Hier war das gesamte Foyer ein einziger, großer Aufnahmeraum mit mehr als 10 Schaltern, an denen Mitarbeiter saßen, die die Wünsche der Kunden aufnahmen und weiter dirigierten. Gleich hinter dem Eingang saß die erste Mitarbeiterin und schickte jeden in die Schlange, in die er wunschgemäß gehört und verteilt dazu gehörige Nummernzettel. Auf großen Bildschirmen wurden die Nummern mit dem dazu gehörigen Schalter, an dem man sich einzufinden hat, aufgerufen. 24 Stunden pro Tag ist das Krankenhaus mit allen seinen Einrichtungen geöffnet. 24 Stunden lang steht es unter Strom mit fliegenden Personalwechseln. Um diese Uhrzeit war relativ wenig los, so dass wir bald dran kamen. Aurora gab die Überweisung des Arztes ab. Kurze Zeit später wurde sie aufgerufen. Ich durfte mitgehen. Wir wurden aus dem Foyer zusammen mit anderen Patienten und Besuchern in einen Aufzugsvorraum gebracht. Jeder von uns erhielt einen Zettel auf die Kleidung geklebt, aus dem hervor ging, dass wir berechtigt seien, uns im 6. Stock des Hauses aufzuhalten. Eine Mitarbeiterin brachte uns dorthin. Als wir aus dem Aufzug kamen, stand gleich mitten im Flur ein Tisch mit einer Sekretärin dahinter, die uns in die für uns vorgesehene Warteecke verwies. Wir nahmen Platz, d.h. Aurora nur ganz kurz, denn sie wurde für ihre vielen Röntgenaufnahmen aufgerufen. Es war gerade 8.30 Uhr, als sie von dort zurück kam. Nur noch eine Untersuchung mit dem CT-Gerät. Jetzt aber durfte sie wieder etwas essen und Kaffee trinken. Für die Patienten gibt es dort eine Ecke mit frischem Kaffee und Plätzchen, an der sich die Ausgehungerten laben können. Welch ein schöner Service! In Deutschland macht sich kein Doc Gedanken darüber, was denn aus den nüchtern kommenden Patienten wird, nachdem man sie malträtiert hat.
Die Essecke auf Stockwerk 6Um 9 Uhr wurde sie wieder abgeholt. Jetzt war ich alleine – und zwar bis 10.30 Uhr! Ich hatte viel Zeit, mir das geschäftige Treiben auf dem Flur anzuschauen. Es war ein Funktionsstockwerk angefüllt mit Apparaten, die man in der modernen Medizin braucht. Aber welch eine Menge an Personal war da unterwegs! Man erkannte sie an den Bändern mit Ausweisschildchen, die sie um den Hals trugen. Ab und zu liefen Ärzte und Krankenschwester herum, zumeist eher Verwaltungspersonal, einige Putzleute. Die Abfertigung der Patienten ging recht zügig. Es ist erstaunlich, wie gut es klappt, wenn eine Organisation gut durchdacht und mit genügend Personal bestückt ist. Täglich gehen dort hunderte von Menschen ein und aus, durchgeschleust nach individuellem Bedarf durch eine perfekte Organisation. Lediglich die Warterei für Aurora auf die CT dauerte länger als vermutet.
Als wir fertig waren, wurde die Rechnung für alle Untersuchungen vorbereitet und ins System gegeben. Wir warteten noch bei der Eingangssekretärin, bis uns jemand abholte, ins Erdgeschoss zur Kasse brachte, wo wir bezahlten und dafür eine detaillierte Rechnung erhielten, die wir bei der Krankenkasse einreichen können. Für 6 Röntgenaufnahmen + 1 CT bezahlten wir zusammen 450 Reais = 120 €. Die deutsche Krankenkasse spart an uns enorme Summen!
Um 11.00 Uhr waren wir dann wieder daheim. Wie gut, dass wir beiden mittags gut schlafen können – bis Darlan mit Senhor Cruz zu uns kam.

Jetzt sitzt Aurora wieder an der Nähmaschine und macht Patchwork, während ich schreibe und die Katzen schlafen. Die ahnen ja noch nicht, was da demnächst auf sie zu kommt …

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