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Samstag, 29. August 2015: Flüchtlinge

Jetzt haben wir hier in Brasilien die Aufregung in Europa um den Euro und um das besondere Verhalten Griechenlands samt dem dramatischen Absturz Deutschlands, besonders der deutschen Regierung, in der Beliebtheitsskala Europas miterlebt, da kommt auch schon die Flüchtlingswelle auf uns zu gerollt. Mich berührt das seltsam, denn einerseits hat man das Gefühl, Deutschland würde geradezu überschwemmt von Menschen auf der Flucht, so dass man händeringend nach Unterkünften und späterem Wohnraum für diese Menschen sucht. Andererseits aber erlebe ich bei meinen in Dörfern lebenden Geschwistern, dass es dort keine Flüchtlinge gibt. Heute hat mir dann meine Schwester Eva berichtet, dass sie Angst habe, die Stimmung könne gegen die Flüchtlinge kippen, weil die meisten von ihnen bekanntlich Moslems seien und die ja nun eigentlich nichts besseres zu tun haben, als die Weltherrschaft an sich zu reißen, um die Welt danach in eine arabische Stammesgesellschaft von vor 1.500 Jahren zu verwandeln. Na ja, vielleicht wäre es empfehlenswert, wenn auch Münzesheim und Spessart, zwei prosperierende Dörfer im Badischen, bald mal Flüchtlinge bekämen und die Menschen dort eher mit der Integration dieser Menschen beschäftigt wären als mit dem Hochkochen von sächsischen Ängsten. Zur Beruhigung seien alle darauf hingewiesen, dass selbst bei einer moslemischen Bevölkerungsmehrheit das Grundgesetz gilt. Es ist und bleibt Garant für die in Deutschland geltenden Werte und Rechtsordnung. Weiterhin sei gesagt, dass auch die meisten Moslems nichts anderes wollen als die Christen auch: Frieden, Freiheit und tägliches Auskommen. Hier in Brasilien haben die Libanesen, Araber und Syrer, die nun hier schon seit vielen Jahren leben, ein sehr hohes Ansehen. Viele machen in der Politik eine gute Arbeit – besser als die z.B. rumänisch-stämmige Dilma oder die Deutschstämmigen, von denen wir hier den korrupten Schmit vom Supermarkt haben. Selbst der Oberbürgermeister on São Paulo ist libanesischer Herkunft und hört auf den Namen Hadad.
Wenn man nun bedenkt, dass sich Deutschland durch die Nazis weltweit einen Ruf als Mördernation erworben hat, tut es jetzt unendlich gut zu erfahren, wie sich im modernen Deutschland das genaue Gegenteil entwickelt: Eine Willkommenskultur für fremde Menschen. So, meinte auch Aurora, ist das wohl noch nie in der Welt an irgendwelchen Orten gewesen. Zwar gibt es andere Länder, die noch viel mehr Flüchtlinge aufgenommen haben, aber dass die Bevölkerung sich Gedanken darüber macht, wie man diese Menschen willkommen heißen könnte, haben wir noch nie vorher gehört. Dabei ist natürlich auch klar, dass diese Menschenfreundlichkeit gefährdet ist allein durch die steigende Zahl der Flüchtlinge, wie meine Schwester Eva meinte. Was aber ist dagegen zu tun?
Interessant finde ich da die Vorschläge aus Schweden, wo der Rechtspopulist Jimmi Åkesson die blendende Idee hat – und er ist damit nicht alleine, sondern teilt sie mit den Rechtspopulisten in ganz Europa –, nahe bei den Krisenherden, die uns die Flüchtlinge bescheren, EU-Erstaufnahmelager zu errichten, wo der Flüchtling dann seinen Antrag abgibt, ihn beschieden bekommt und dann einreisen darf, ohne Schlepper und ohne Probleme. Wenn dann der Antrag abgelehnt wurde, sagt sich der Flüchtling dann: „Das ist aber dumm gelaufen!“ und ist in seinem Flüchtlingslager tief deprimiert.
Ernsthaft würde das den Flüchtlingsstrom nicht versiegen lassen, denn alle Abgelehnten würden sich dennoch auf den Weg machen. Mit anderen Worten: Niemand hat ein Rezept, wie man dieser Mengen von Flüchtlingen Herr werden kann. Es sei denn, man beseitigt die Fluchtgründe.
Übrigens redet jener Jimmi Åkesson gerne von dem „Schweden“, der dies oder jenes tut, denkt oder will. Das ist immer das, was Jimmi Åkesson auch meint. „Der Schwede“ so sagt er „erhebt sich jetzt aus der Zerstörung Schwedens, die der großen Zuwanderung geschuldet ist. Der Schwede hat jetzt endgültig genug.“ Darum haben jetzt auch die Schwedendemokraten, deren Vorsitzender er ist, in den letzten Umfragen 17,8% der Stimmen mit weiter steigender Tendenz. Ging ich Anfang der 70er Jahre wegen Franz Josef Strauß, dessen 100. Geburtstag heute gefeiert wird, nach Schweden, um mir dort eine Existenz aufzubauen, würde ich heute wegen Jimmi Åkesson wieder nach Deutschland gehen. Nun bin ich nicht mal mehr in Deutschland, sondern in Brasilien – wie das Leben so spielt.

Wir selber haben jetzt nicht nur eine Hilfe bei der Reinigung unserer Wohnung durch Mari, die zweimal wöchentlich kommt, nicht nur beim Fitnesstraining durch Luise, die ebenfalls zweimal in der Woche kommt, nicht nur die handwerkliche Hilfe von Paolo, der bei Bedarf für alle möglichen Arbeiten kommt, sondern auch noch einen eigenen Gärtner gefunden, der unsere Pflanzen auf der Terrasse zweimal jährlich pflegen wird. In Deutschland macht man solche Verträge gerne bei der Grabpflege, hier in Brasilien ist das nicht nötig, weil auf den Gräbern lediglich Plastikblumen auf Granitplatten stehen, dafür aber in den Gärten und Terrassen. Jetzt sind unsere Pflanzen fit für das Frühjahr gemacht worden. Und wenn dann im Februar meine Schwester Monika kommt und Samen für Tomaten mitbringt, dann werden wir mit seiner Hilfe daraus eine wundervolle Plantage auf unserer Terrasse machen, um dann lecker Tomaten zu ernten. Es tut besonders einem älteren Menschen wie mir gut zu wissen, dass es eine ganze Palette von Menschen gibt, die einem dann helfen, wenn man sie braucht – und dass sich das auch noch bezahlen lässt. Denn die Dienstleistungen sind selbst bei von uns automatisch aufgerundeten Bezahlungen preislich noch sehr moderat, besonders nachdem jetzt der Euro rund 4 Real wert ist.

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