7. September, Donnerstag, Vorspiel

Für diese gar nicht mal so lange Reise gab es eine desto längere Vorgeschichte, die ich hier nur kurz erzählen möchte, bevor es los geht.

Die erste Vorgeschichte handelt von Felix, dem Austauschschüler aus Wesel, der über Rotary hierher zu einer Gastfamilie nach Bombinhas gelangte, während deren Sohn Heitor bei dem gleichen Austausch nach Kolumbien kam. Und nun ist also Felix hier in Bombinhas, dem Ferienparadies, das im Winter einem jungen, musisch begabten Menschen ohne eigenen fahrbaren Untersatz wenig Beschäftigungsmöglichkeiten bietet. Was ist schon ein Fitnessstudio gegen eine Kunstausstellung, eine Wanderung gegen ein Musikevent? Studios und Wanderungen gibt es hier massenweise, aber kulturelle Veranstaltungen oder Ausstellungen eher weniger. Felix aber ist nun mal ein musischer Mensch und langweilt sich deswegen nicht unerheblich, zumal die Mitschüler aus seiner Schule, mit denen er sich auf Englisch unterhalten kann, in Itapema wohnen, also mindestens 20 km weit entfernt von hier. Die Schule ist vormittags. Nachmittags kommt dann das Loch. Da kommen nun Aurora und ich ins Spiel. Zwar ist Felix mit seinen 16 Jahren erheblich jünger als wir, jedoch haben wir immer viel Spaß miteinander – und das auf Deutsch. Da liegt es also nahe, dass wir uns auch für unsere Reisen verabreden. So kommt es, dass Felix sowohl mit nach Foz do Iguaçú fährt, als auch mit nach Rio de Janeiro im November. Uns macht das viel Spaß, denn Felix ist ein munterer Bursche mit guten Ideen und einfach einer liebenswerten Persönlichkeit, aber auch Felix macht es Spaß, mal aus dem langweiligen Ferienparadies heraus zu kommen. Jedoch ist das nun auch nicht so einfach zu bewerkstelligen, weil Felix ja noch minderjährig ist und wir eine Erlaubnis brauchen, ihn mitnehmen zu dürfen. Wir könnten ihn ja auch entführt haben. Das haben wir zwar nicht, aber das müssen wir nachweisen. Welche Papiere also sind nötig, um ihn nicht irgendwo zurücklassen zu müssen? Das war nun nicht einfach zu klären, denn da trifft deutsche Bürokratie auf brasilianische Bürokratie und beide Bürokratien sind kaum kompatibel. Die Brasilianer wollen eine beglaubigte Bescheinigung haben, aus der die Reisezeit, das Ziel, der Zielort, die Erziehungsberechtigten und deren Unterschriften beglaubigt hervorgehen. Wer aber kann in Deutschland beglaubigen, so dass das hier in Brasilien anerkannt wird. Wenn es ganz schlimm kommt, müsste man auf dem Bürgeramt beglaubigen. Mit dieser Beglaubigung muss man dann nach Frankfurt aufs Konsulat fahren, dort eine Beglaubigung der Beglaubigung erhalten, was sehr zeitaufwändig und teuer wäre, um das dann schließlich hier vorzeigen zu können – möglichst im Original, das via Gelber Post sicher 3 – 4 Wochen braucht. Das wäre aber „the worst case“. Wir haben erst mal das gemacht, was wir relativ einfach machen konnten: Ausfüllen eines Formulars, die Eltern von Felix das unterschreiben und im Bürgerbüro beglaubigen lassen und dann an die Pousada in Foz do Iguaçú mailen. Und siehe da, sie haben es so akzeptiert. Jetzt blieb nur zu hoffen, dass auch die Fluggesellschaft das akzeptiert und Felix mitnimmt. Immerhin werden wir durch die Gasteltern von Felix zum Flughafen gebracht, so dass sie im Zweifelsfall den Bub wieder mit heim nehmen könnten.

Felix Felix
Felix

Felix Daniela und Michael
Felix mit Marcos und MábilyDaniela und Michael Eyrich

Die zweite Vorgeschichte handelt von unseren Gästen aus Frankfurt. Wir hatten auf Daniela und Michael schon seit mehr als einem Jahr gewartet. Da hatten sie nämlich schon einmal kommen wollen, konnten aber aus familiären Gründen nicht. Jetzt aber würde es klappen und es klappte. Wir holten sie schon am 4. September vom Flughafen ab und seitdem wohnen sie bei uns in der Gästewohnung. Wir haben auch schon viel unternommen, waren gemeinsam in Florianópolis gewesen und hatten auch den jährlichen Festumzug am 7. September, dem Tag der Unabhängigkeit Brasiliens, miterlebt, die beiden Eyrichs als Zuschauer und Aurora und ich als Teilnehmer bei den Rotariern. Dieser Festumzug ist ein besonderes Erlebnis, wie man an dem Album, das bei den Fotoalben zu finden ist, obwohl es gar nichts mit Iguaçú zu tun hat.

Haus Frankfurt. Eyrichs sind im 3. Stock links Daniela und Michael
Haus Frankfurt. Eyrichs sind im 3. Stock linksDaniela und Michael

Das also sind die beiden Vorgeschichten. Jetzt also kann es losgehen.

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