13. September, Mittwoch, Die argentinische Seite der Fälle

Ehrlich gesagt bin ich heute zu müde zum Schreiben. Denn der Tag war wirklich ein Höhepunkt dieses mehrtätigen Ausflugs. Die Wasserfälle auf der argentinischen Seite sind sehr viel näher zu betrachten und die Argentinier haben ein besonderes Konzept entwickelt, damit alle innerhalb eines Tages möglichst viel von den Fällen sehen und erleben können. Es besteht aus einem großen Park, in dem mehrere Rundwege angelegt wurden, die zumeist auf Stelzen durch die Natur führen, so dass es ein Abweichen nach rechts oder links kaum geben kann. Der eine Weg führt unten am Fuß der Fälle herum und windet sich dann auf halbe Höhe. Dann beginnt ein weiterer Rundgang, der einen an die oberen Teile der Fälle vorbei führt. Hier erlebt man, wie sich das Wasser nach unten stürzt, sieht die Abbruchkanten, von Wassermassen überflutet, die sich wild den Hang hinab ergießen. Und dann gibt es noch einen Weg, den man am besten mit Hilfe einer kleinen Schmalspurbahn erreicht, die vom Eingangspark an den Anfang des Weges mitten in die größten und wasserreichsten Fälle führen, die sich dort gebündelt nach unten stürzen. Ausgangspunkt aller Wege ist der Park am Eingang des Bereiches. Hier wurden wir auch zu dem ersten Ausflug abgeholt, der uns zunächst mit einem Lastwagen, auf dessen Ladefläche Sitze montiert waren, durch den hart geschützten Urwald zum Bootanlegestelle brachte. Der Wald gehört zur Mata Atlantica, die wir auch in Bombinhas haben. In ihr findet man eine große Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Nach rund 6 km Fahrt wurden wir dann zu einem schmalen Pfad entlassen, der uns runter zu einer Art Schlauchboot mit starkem Motor und etlichen Plastikteilen brachte. Ich denke, dass diese Art von Boot bei dem stürmischen Wasser unbedingt ratsam ist, denn je weiter wir uns den Fällen näherten, desto stürmischer wurde das Wasser, desto mehr Strudel gab es und Stromschnellen. Zunächst fuhren wir auf Abstand an die Fälle heran, um Fotos zu machen. Aurora und ich zogen uns schon mal unsere Kebse an, um uns vor dem Spritzwasser zu schützen. Dann aber nahm das Boot einen Anlauf und fuhr mitten in die Gischt hinein. Platsch, erhielt ich einen vollen Schwall Wasser mitten ins Gesicht. Ich rang nach Atem, nass bis auf die Unterhose trotz des Kebs. Gott sei Dank hatte ich die Kamera zuvor in Sicherheit gebracht, denn die wäre jetzt total nass gewesen. Und es blieb nicht bei diesem Schwall. Mehrere folgten und die Leute im Boot kreischten. Dennoch war es unbeschreiblich, die Wasserwand direkt vor sich zu haben. Oben sah man den blauen Himmel, während um einen herum das Wasser tobte. Auf diese Weise lernten wir zwei starke Wasserfälle persönlich kennen und wir wurden so geduscht, dass wir den Rest des Tages trocknen mussten.

Das Boot legte dann recht nahe an den Fällen an und wir stiegen aus. Hier begann der Rundweg für die unteren Bereiche der Wasserfälle. Alle waren pladdernass, alle wrangen ihr Hemden und T-Shirts aus, aber keine war ungehalten oder sauer. Im Gegenteil. Und so schraubten wir uns auf dem Weg langsam in die Höhe, bis wir zu dem oberen Weg kamen, der uns an die Abbruchkanten führte. Wieder boten sich alle paar Meter unbeschreibliche Eindrücke. So waren wir eigentlich ziemlich gut müde, als wir von diesem Rundgang zurück kamen. Gott sei Dank wartete dann aber schon das Bähnchen, das uns zum Ausgangspunkt des letzten Weges brachte, der zumeist über den Fluss an die Stelle führte, wo die mächtigsten Fälle nach unten brausten. Es war ein enormer Lärm und unter uns weiße Gischt. Welch Naturgewalten!

Um 16 Uhr hatten wir uns mit unserem brasilianischen Taxifahrer verabredet, dass er uns zurück in unser Hotel fährt. Wir haben es geschafft, weil wir keine Pause eingelegt haben. Aber wir waren alle sehr geschafft. Dennoch machten wir dann im Hotel auch nur eine Stunde Pause, um noch zu einer weiteren Churrascaria namens Gaucho zu fahren. Sie war erheblich billiger als die gestern und sehr viel besser.

Welch ein angefüllter Tag! Er war wirklich der Höhepunkt der Reise. Morgen geht es wieder heim nach Bombinhas.

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