2. Oktober, Sonntag, Jetzt geht's los!

Nein, nein, so schnell geht es nicht. Es ging keineswegs gleich los, denn der Flug von Navegantes nach São Paulo sollte erst um 14.00 Uhr abheben. Bis dahin war also noch Zeit. Das hieß vor allem, morgens Zeit zum Ausschlafen zu haben und sich in Ruhe auf die Reise vorzubereiten. Diese Ruhepause hatten wir nach dem Stress der vergangenen Tage bitter nötig, denn jeden Morgen begann der Tag spätestens um 8 Uhr, weil Handwerker oder Mari, unsere Hilfe beim Sauberhalten der Wohnung, oder Luise, unsere geschätzte Trainerin für das anstrengende Krafttraining, dem wir uns unterziehen, kamen, um ihre segensvolle Tätigkeit bei uns aufzunehmen. Wie schön, wenn man sich mal ein paar Tage von hier weg begeben kann und sich erholen darf von den Bautätigkeiten an unserer Klärgrube, die sich seit Monaten dahin schleppen, und von dem Wasserrohrbruch in der Betonwand, durch den unsere Gästewohnung plötzlich unter Wasser gesetzt worden war. Nein, diese Art von Stress braucht kein Mensch. Und dennoch fiel das Scheiden von Bombinhas schwer, denn zurück bleiben wieder die Katzen, die vor allem Aurora so sehr am Herzen liegen. Nun ist für sie auch gut gesorgt, denn Priscila, die Frau vom Hausmeister im Nachbarhaus, kommt täglich zweimal, schaut nach ihnen, füttert sie, spielt und kuschelt mit ihnen und macht das Katzenklo sauber. So ist Priscila also die Vize-Katzenmutter und Aurora kann deswegen ohne allzu schlechtes Gewissen leichter verreisen.

Soweit die Vorteile der späteren Abreise. Der Nachteil ist der, dass wir erst gegen Mitternacht in Manaus sind, denn von hier bis Manaus sind rund 4.000 km und der Flug ging erst nach São Paulo / Congonhas, von wo aus wir den Flughafen nach São Paulo / Guarulhos wechseln mussten, um dann von dort aus nach Manaus zu fliegen. Der erste Flug ist schnell und dauert nur 1 Stunde. Gegen 15.00 Uhr waren wir in Congonhas. Der Flughafenwechsel in São Paulo allerdings braucht viel Zeit, so dass es erst gegen 20.00 Uhr weiter ging. Um 0.18 Uhr – also erst am Montag – sollten wir dann ankommen. Jedoch geht in Manaus die Uhr noch eine Stunde länger nach, so dass wir noch am Sonntag um 23.18 Uhr dort anzukommen hatten. So jedenfalls sah es der Flugplan vor.

Kommen wir zu den Ereignissen des Tages. Begonnen hat er kurz nach 8 Uhr mit dem Frühstück. Kaum war das fertig, sah ich, dass meine Nichte Tessi online war und wir schwätzten eine ganze Stunde miteinander. Ich sah sogar ihre Wohnung in Nürnberg und erfuhr das Neueste aus ihrem Leben. Wie schön, dass es Tessi gibt. Sie ist die Tochter meines viel zu früh verstorbenen Bruders Gotthard. Nach dem Gespräch aber war Aurora etwas angesäuert, weil sie meinte, wir bekämen jetzt Stress. Dem war aber nicht so. Wir konnten uns in Ruhe vorbereiten und brachen schon gegen 11 Uhr auf, nachdem wir uns wegen der Katzen aus der Wohnung geschlichen hatten.
Die Fahrt zum Flughafen in Navegantes war ohne Besonderheiten. Ebenso erfolgte das Einchecken ohne Probleme. Wir mussten danach allerdings noch 2 Stunden warten, bis der Flug dann los ging. Tessi hat mir erzählt, dass sie etwas Flugangst hätte. Mir geht die Fliegerei einfach nur sehr auf die Nerven. Es ist eng im Flugzeug und man hat nichts zu tun außer zu warten und zu schlafen und ein wenig die Wolken anzuschauen. Die Besonderheiten der beiden anstehenden Flüge waren die, dass es sich beim Flug von Navegantes nach Congonhas wohl um einen Sonntag-Nachmittags-Ausflugs-Flug handelte, denn es waren enorm viele Kinder an Bord, die das Flugzeug – Gott sei Dank ohne Erfolg – versuchten auseinanderzunehmen. In Congonhas mussten wir dann 45 Minuten auf den Transferbus warten, der uns nach Guarulhos brachte. Dann folgte der fast 4-stündige Flug von Guarulhos nach Manaus. Das Flugzeug war bis auf den letzten Platz besetzt und wir hatten unsere Plätze in der letzten Reihe mit extra wenig Platz für die Beine und ohne Möglichkeit, den Sitz zu verstellen. Die Stewardess aber war nett und brachte mich auf den letzten noch freien Platz am Gang. Nachteil aber war, dass neben mir ein junger Mann mit Schnupfen und ohne Taschentücher saß. Der tat den ganzen Flug über tiefe Schlucke aus seiner Nase mit den dazu gehörigen Geräuschen. Überhaupt waren viele im Flugzeug erkältet und ich hatte das Gefühl, wir hätten eine gehörige Bazillendusche erhalten. Mal sehen, ob sich das auswirkt.
In Manaus angekommen haben wir nicht schlecht gestaunt, denn das Taxi, das wir nahmen, brauste auf einer kaum befahrenen Autobahn durch die Stadt mit sicherlich durchschnittlich 100 km. Die Straße war aber so gut, wie es sie in ganz Santa Catarina nicht gibt. Rote Ampeln wurden überfahren, Autos, die langsamer waren – also alle anderen – wurden überholt, wo Platz war, aber immerhin waren wir so noch vor Mitternacht im Hotel, denn wir hatten schon unsere Uhr umgestellt. In Bombinhas wäre es 1 Uhr gewesen, also schon morgen. Jetzt wird erst einmal geschlafen. Morgen werden wir dann Manaus besichtigen. Inha ist schon da, wie wir via Email erfahren hatten. Sie schläft im Nachbarzimmer.

Gute Nacht!

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