3. Oktober, Montag, Alles geschlossen

Als wir nach einer nicht allzu langen Nacht aufwachten, ging ich gleich mal ans Fenster, um zu sehen, wo wir uns befanden. Welch eine wunderschöne Aussicht: Da liegt direkt vor uns das berühmte Opernhaus von Manaus, das zu einer Zeit gebaut worden war, als es noch kein synthetisches Gummi gab und Gummibäume nur rund um Manaus wuchsen. Das war Ende des 19. Jahrhunderts. Damals haben sich die Kautschukbarone von Manaus dumm und dämlich verdient und anstatt eine schöne Kirche zu bauen, um unserem Herrgott zu danken, haben sie dieses Opernhaus gebaut, indem sie die kostbarsten Materialien aus Europa kommen ließen. Die Kirche daneben sieht dagegen wirklich ärmlich aus, obwohl sie 2 Glocken hat, die ab und zu sogar läuten. Sowas habe ich in Brasilien bislang noch nie gehört. Heute ist das Opernhaus vor allem ein Museum aus besseren Zeiten. Immerhin sind fast jeden Abend Veranstaltungen dort, so dass man es auch in Funktion bewundern kann. Vor 13 Jahren waren wir drinnen, waren aber bei keiner Veranstaltung.

Hotel Sain Paul, unser Hotel. Wir sind im 6. Stock linksEingang zum Hotel
Hotel Sain Paul, unser Hotel. Wir sind im 6. Stock linksEingang zum Hotel

Heiß ist es in Manaus. Das wussten wir noch von vor 13 Jahren. Damals hatten wir uns kaum draußen aufhalten können. Heute sind wir etwas abgehärteter, so dass wir uns morgens früh gegen 8.30 auf den Weg in die Stadt machten. Eigentlich war geplant, morgens eine Stadtrundfahrt zu machen, die uns zu den Sehenswürdigkeiten bringen sollte. Besser kann man ja wohl kaum das Kennenlernen einer Stadt anfassen, besonders wenn es sich dabei um eine so gut geheizte Stadt wie Manaus handelt. Also ging Aurora nach dem Frühstück an die Rezeption und fragte dort nach der Stadtrundfahrt. Da erfuhr sie, dass die montags gar nicht angeboten wird, weil da alle Museen und auch viele andere Sehenswürdigkeiten wie das Opernhaus geschlossen sind. Na klar doch! Daran hätten wir denken müssen. Haben wir aber nicht und so mussten wir uns das anschauen, was es eben zu sehen gab. Das war zunächst einmal bei noch nicht allzu großer Hitze ein Gang durch die Straßen. Wie in Rio fällt auf, dass es hier viele Bäume gibt, die schönen Schatten spenden. Irgendwie ist der Schatten von Bäumen kühler und angenehmer als der Schatten eines Sonnenschirmes. Wir liefen vorbei am Palacete Provincial, einem altehrwürdigen Gebäude, in dem viele Museen Platz gefunden haben, die aber eben am Montag geschlossen haben. Immerhin lag dieses Gebäude an einem hübsch angelegten, historischen Park mit vielen Bäumen. Dann ging es weiter zum Markt, der in einer der vom Konstrukteur des Eiffelturms erbauten Markthalle beheimatet ist. Hier waren wir schon vor 13 Jahren gewesen und hatten über die offen ausliegenden Fleisch- und Fischmärkte gestaunt, in denen es keine Fliegen gibt. Die beiden Märkte sind noch immer vorhanden. Jedoch weisen sie nun beide Kühltruhen auf. Es liegt nicht mehr alles durcheinander. Der Fleischmarkt war auch gut bestückt, der Fischmarkt hingegen eher schlecht. Offenbar gab es gerade heute auch nicht viel Fisch. Es war eben gestern Feiertag und Wahltag in Brasilien gewesen. Da waren auch die Fischer nicht unterwegs. Ansonsten gab es in den Markthallen vor allem Kunsthandwerk zu kaufen, das wahrscheinlich von den im Urwald lebenden Indios angefertigt worden ist. Die Stände machen einen sehr farbenfrohen Eindruck und beeindrucken durch ihre Vielfältigkeit. Hier kann man Dinge kaufen, die zwar kein Mensch braucht, die aber sehr schön anzuschauen sind. Wir haben uns ordentlich umgeschaut, haben aber der Versuchung widerstanden, Dinge zu kaufen. Denn schon der Gedanke, wohin damit daheim, hielt uns davon ab. Kurz gingen wir auch mal runter an das Ufer des Amazonas, beschauten die dort vertäuten Schiffe, sprachen ein wenig mit den Menschen, die dort waren, zogen uns dann aber doch wieder in die schattigere Markthalle zurück, um dort ein Plätzchen zum Ausruhen zu finden. Wie gut, dass es dort viele Sitz- und Ausruhmöglichkeiten gibt, die wir ausgiebig nutzen konnten. Wie ich bei meinen Fotos nachher festgestellt habe, saß schon eine junge, chinesisch aussehende Frau auf einer Bank. Nachdem wir einige Zeit herum gelaufen waren, setzten wir uns auf dieselbe Bank neben sie und wir kamen ins Gespräch. Sie heißt Young Zhao und wohnt normalerweise in Shanghai. Jetzt ist sie auf Brasilienreise und sieht sehr viel von diesem Land. Überall, wo es was zu sehen gibt, ist sie ein paar Tage. So war sie gestern am Wahltag in einem Indianerstamm zu Besuch und wird demnächst weiterfahren zuerst nach Belem, dann nach Salvador. Schließlich geht es noch ins Pantanal und nach Rio. Danach fliegt sie heim. Sie war ein sehr zugänglicher Mensch, hatte schon die ganze Welt gesehen, war sogar schon zweimal auf dem Oktoberfest in München, womit sie uns einiges voraus hat. Selbst in Schweden hatte sie ein Jahr lang gelebt. Erstaunlich, wie eine 40-Jährige aus China schon herum gekommen ist. Wir schwätzen miteinander, fotografierten uns und tauschten Adressen aus. Vielleicht kommt sie ja mal zu uns nach Südbrasilien oder wir fahren mal nach Shanghai. Wer weiß?!?!
Mir wurde es dann aber zu warm und wir nahmen ein Taxi nach Hause ins Hotel. Hier ist es kühl, weil die Klimaanlage leise ist und gut funktioniert. So waren wir also schon gegen 10.30 Uhr wieder zurück und schliefen erst einmal eine Runde.
Das Mittagessen gab es einem vom Hotel empfohlenen Restaurant. Einen solchen wundervollen Fisch wie dort habe ich noch nirgends gegessen. Da hat es sich gelohnt, lange drauf zu warten. Ich habe die Zeit genutzt und bin trotz stechender Sonne um das Opernhaus herum gelaufen. Abgesehen, dass sie in Altrosa gestrichen ist, ähnelt sie ein wenig auch der Alten Oper von Frankfurt, was allerdings eher dem Zeitgeschmack der Jahrhundertwende vom 18. ins 19. Jahrhundert geschuldet ist.
Nachmittags machten wir nur noch einen kurzen Spaziergang in die nähere Umgebung auf der Suche nach Getränken. Weiter stand nichts mehr an, denn auch ein eventueller Besuch der Oper am Abend fiel dem touristischen Tod dank eines Montags zum Opfer.  Immerhin sah ich auf diese Weise noch das Denkmal für Tenreiro Aranha (auf Deutsch: Tenreiro Spinne), dem Gründer der Provinz Amazoniens. Den muss man doch wohl kennen, oder nicht?
So können wir uns also ausruhen bis morgen früh, wenn wir um 8.30 Uhr abgeholt werden, um in das Urwaldhotel zu fahren.
Eine Ausbeute an Fotos des heutigen Tages gibt es aber dennoch uns sie ist in der Fotogalerie zu finden.

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