5. Oktober, Mittwoch, Ausflüge

Erst heute früh hat mir Aurora erzählen können, was sie gestern Abend erlebt hat. Die Nacht sei sehr schwarz gewesen. Kein Lichtlein, nur der Sternenhimmel, der umso klarer über der finsteren Welt leuchtete. Gesehen haben sie wenige Tiere, jedoch immerhin 4 Schlagen, von denen eine eine Boa war. Ansonsten waren eher Vögel wahrzunehmen und ein kleiner Kaiman. Aurora kam von dem Ausflug zurück und hatte das Gefühl, dass noch einmal eine gewaltige Erkältung auf sie zu kam. Heute früh sah es auch nicht gut aus bei ihr und sie überlegte, ob sie nicht den Ausflug absagen sollte. Wir haben das dann trotz meiner laufenden Nase nicht gemacht, weil wir doch sehr gerne in den Urwald gehen wollten. Und eben das stand heute früh an.

Zunächst zu den äußeren Bedingungen. Gefordert wurde von der Leitung, dass wir lange Hosen tragen, T-Shirts, also nichts Ärmelloses, dazu feste Schuhe und Strümpfe. Die Schwimmwesten seien ebenfalls mitzunehmen. Und so traten wir in diesem Outfit um 9 Uhr an. Zu unserem Trost wurde gesagt, dass wir noch weitere Schutzkleidung erhalten würden. Die sei wegen der eventuell kommenden Schlangen nötig. Ich fragte, ob wir vielleicht ein einen Schneesturm geraten würden. Der wurde für nach dem Mittagessen angesagt, ein Versprechen, das natürlich nicht eingehalten wurde. Und so ging es los. Erst eine kleine Strecke mit dem Boot, dann aussteigen und einen recht steilen Berg hoch. Der Guide mit einem ägyptischen Ehepaar vorneweg. Ich gleich hinterher.
Gelernt habe ich bei vor allem, dass das Amazonasgebiet wohl die Drogerie oder Parfumerie der Welt ist, denn überall gibt es wohlriechende Bäume und Kräuter. Wir trafen auf einen Rosenbaum und einen Purpurbaum, deren Holz sehr gut duftete. Selbst die Ameisen strömten guten Duft aus, wie der Guide uns bewies, indem er den Ägypter an das Ameisennest fassen ließ. Mir blieb das leider eher verborgen, weil meine Nase noch immer lief und dabei verstopft war. Überhaupt war das so eine Sache. Nicht nur die Nase lief, sondern auch der Schweiß. Innerhalb kurzer Zeit war ich total durchnässt. Wenn das so ist, bleibt nur eins: Ruhe bewahren, so tun, als wäre nichts, versuchen, sich auf die Geschehnisse drum herum konzentrieren, das Unbehagen weg zu meditieren. Erstaunlich war, dass immerhin der Schnupfen im Laufe des Vormittags nachließ und die Nase nur noch von außen schweißnass war. Aber die Tour war sehr schön. Es ging durch dichten Wald. Wir hörten die Vögel singen oder kreischen. Gesehen haben wir nur einen der Schreihälse. Überhaupt haben uns die Tiere weitgehend vermieden – außer den Insekten. Gesehen haben wir an Wildtieren nur eine Tarantel, die der Guide aus ihrem Versteck gelockt hat. Zwei Stunden waren wir unterwegs. Die Bilder in der Fotogalerie zeugen davon. Dann waren wir froh, dass wir wieder im Hotel waren und duschen konnten.

In der Mittagspause stellte sich dann auch der Schnupfen wieder ein, wenn auch weniger heftig. Mit triefender Nase fanden wir uns dann um 15 Uhr wieder bei der Rezeption ein, um am Nachmittagsausflug teilzunehmen. Dieses Mal ging es in die Inselwelt auf dem Rio Negro. Wieder haben wir viel gelernt. Im Gegensatz zu dem Biotop in meiner Nase hat die Natur hier gerade die Trockenzeit, die bis Anfang Dezember anhält. Bis dahin sinkt der Wasserspiegel des Rio Negro täglich um 2 cm. In der Regenzeit aber steigt das Wasser viele Meter hoch, manchmal mehr als 20 Meter. Dann wird viel von dem Land, was jetzt trocken liegt, überschwemmt. Das sieht man den Bäumen auch an, denn viele Wurzeln hängen jetzt in der Luft, weil die Erde, in der sie einst steckten weggeschwemmt worden ist. Die schwarze Farbe des Rio Negro kommt eben daher, dass das organische Material der Inselböschungen weggeschwemmt wird, meinte der Guide. Damit war auch die von mir aufgestellte Theorie hinfällig, dass sie daher rührt, weil alle Brasilianer sich hier die Füße waschen. Wie dem auch sei, gibt es hier auf der größten Breite des Rio Negro auf eine lange Strecke rund 500 lange, schmale Inseln, die heute alle als Naturreservat geschützt sind. Die Indios, die früher hier gerodet und gejagt haben, wurden inzwischen im Tourismus angestellt und verdienen sich so ihr Brot. Unser Bootsführer war auch ein Indio aus der Gegend mit seinem neuen Beruf. Seitdem es solche Angebote für die Einheimischen gibt, hat sich diesen Menschen auch der Wert des Naturparkes erschlossen und die Natur wird sich selber überlassen. Wir fuhren mit dem Boot über das Wasser, zwischen die Inseln und sogar in einen See, der sich auf einer Insel gebildet hatte. Hier gab es viel Leben, Vögel, die nach Fischen tauchten, Kaimane und viele Fischarten. Zuletzt hielten wir noch an einer Insel und kletterten aus dem Boot hinauf auf den Kamm der Insel, wo es einige große Bäume gab. Durch die Überschwemmungen gibt es in diesem Gebiet mehrere Vegetationszonen mit total unterschiedlicher Fauna, weil die Pflanzen, die in einem Überschwemmungsgebiet leben können, andere Lebensbedingungen brauchen als die, die in trockenem Bode wurzeln müssen. Und dann gibt es noch Zwischenzonen, die ebenfalls ganz andere Lebensbedingungen für Pflanzen bieten. Es ist eine Wissenschaft für sich, damit auszukennen. Für uns sah alles grün und üppig aus, beeindruckend und fremd, aber spannend. Übrigens spiegelt sich alles in dem dunklen Wasser besonders gut. Wie auf den Bildern zu sehen ist, spiegelt sich sogar der Himmel in einem noch intensiveren Blau, so dass das Wasser gar nicht schwarz oder dunkelbraun zu sein scheint. Das täuscht, täuscht aber auf eine hübsche Weise. Am besten schaue man sich das alles selber bei den Bildern des heutigen Tages in der Fotogalerie an.

Als wir dann zurück waren, nahm ich noch die Mühe auf mich, auf den Aussichtsturm des Hotels zu klettern, um die Aussicht von dort über den Rio Negro zu genießen. Es war schon gegen Abend und die Schatten waren lang.

Es war ein langer und erlebnisreicher Tag, der lediglich durch meinen Schnupfen beeinträchtigt wurde. Aurora scheint noch einmal davon gekommen zu sein. Ihre Nase ist noch ziemlich trocken. Möge es auch für mich bald besser werden. Jedenfalls gibt es heute kein Programm mehr und wir können in Ruhe ausspannen und schlafen.

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