4. Mai, Mittwoch, Jetzt geht's los!

Bevor es wirklich los geht, sind noch einige Sachen abzuklären. Da ist zunächst das Problem der Teilnahme an dieser Reise. 9 Leute haben zu Beginn er Planung mit Begeisterung mitfahren wollen, darunter natürlich wir und Reginaldo mit Maura. Außerdem noch die Ehepaare Karen und Aldo samt Edemar mit Suzana. Als Einzelperson wollte Auroras Schwester Inha gerne mitfahren. Im Laufe der Planung erging es uns dann wie in jenem Kinderlied mit den kleinen Menschen mit dunkler Hautfarbe: Erst waren es 10, dann wurden es auf Grund diverser Umstände ständig weniger. So auch bei uns. Zunächst zogen sich Karen und Aldo aus dem Unternehmen zurück. Als dann die Probleme mit den Buchungen begannen, zogen sich auch Edemar und Suzana raus. Die Probleme bestanden darin, dass wir zunächst den Flug mit der TAM geplant und gebucht hatten. TAM aber änderte willkürlich ständig die Flüge, bis gar nichts mehr zusammen ging. Dann zogen wir uns aus den Buchungen mit TAM raus und gingen zu Gol, einer anderen, brasilianischen Fluggesellschaft. Bei TAM hatten wir schon seit längerer Zeit den Verdacht, dass für sie die Kundschaft die ausgemachten Feinde sind, die am Elend dieser Welt Schuld tragen. So wurden unsere Flüge z.B. vom Spätnachmittag auf die frühen Morgenstunden verlegt und es wurde sogar zuletzt ein Flug so gestrichen, dass wir eine Nacht auf dem Flughafen in São Paulo hätten verbringen müssen, ohne dass wir den Flughafen verlassen dürfen. Da hat es uns endgültig gereicht. Die Gol-Verbindung erschien uns sehr viel besser und sogar günstiger zu sein.
Suzana hatte sich angeboten, uns morgens früh zum Flughafen zu fahren. Das war ein großes Opfer, denn der Flug ging schon um 7.10 Uhr von Navegantes ab. Um 4 Uhr standen wir darum auf, frühstückten und machten das Gepäck fertig. Offenbar waren wir dabei so laut, dass Rodrigo vom Stock unter uns gerade hoch kam, um sich zu beschweren, als wir unser Gepäck in den Aufzug brachten, um nach unten zu fahren. Der sah richtig sauer aus und schaute ordentlich grimmig. Dann aber ging es los. Maura und Reginaldo saßen schon im Auto. Wir stiegen zu und los ging die Fahrt. Tschau, Katzen! Tschau, Bombinhas! Die Fahrt ging problemlos und wir kamen gut in der Zeit in Navegantes an. Selbst das Einchecken und Einsteigen gingen problemlos. Los geht es! - Oder doch nicht? Wir stehen und stehen und stehen. Dann eine Durchsage, dass in São Paulo Nebel sei und darum keine Flüge möglich. Es würde sich aber bessern. Eine geschlagene Stunde saßen wir also im Flugzeug, bevor die gute Nachricht kam, dass es jetzt los geht. Alles in Ordnung. Wir kommen eben eine Stunde später an, was nicht so schlimm ist, weil der Anschlussflug nach Rio sowieso erst 3 Stunden später gehen soll. Guten Mutes suchten wir dann in São Paulo den richtigen Flugsteig und warteten. Die Bordingzeit kam, aber kein Flugzeug war in Sicht. Die Nervosität steigt, denn in Rio würden wir nur 50 Minuten zum Umsteigen haben. Von unserem Flugsteig aus werden andere Flüge abgefertigt, unser Flugzeug aber war nicht da. Aurora erkundigt sich und erhält immerhin die gute Nachricht, dass das Flugzeug nach São Luís warten würde. Ob das aber stimmt? - Zur Unruhe Auroras kam hinzu, dass sie über Umwege erfuhr, dass ihre Schwester gar nicht los geflogen war. Was ist geschehen? - Die Situation scheint folgende zu sein. Inha kam zum Flughafen und wollte einchecken. Sie hat mit TAM gebucht. Da erfuhr sie, dass TAM den Flug ersatzlos gestrichen hat wegen Nebel. Also wird sie auch den Anschlussflug in Brasilia nicht bekommen und fuhr deswegen wieder heim. Und so waren wir nur noch zwei Ehepaare, die übrig geblieben sind. Denn wie gesagt: Man muss entweder sehr risikofreudig oder tollkühn sein, wenn man TAM bucht.
Wieder mit einer Stunde Verspätung ging dann der Flug los. Der Pilot beeilte sich, wir brauchten nur 45 Minuten bis Rio und kamen kurz vor Abflug des nächsten Flugzeuges an, das aber wirklich auf uns gewartet hat. Raus aus dem Flugzeug, rein ins nächste Flugzeug und dieses Mal ohne Verspätung los. Der Flug von Rio nach São Luís dauert 3 Stunden. Ich schlief fast die ganze Zeit. Gegen Ende aber wachte ich auf und besah mir die Landschaft. Hügelig, grünlich, abwechslungsreich, wunderschön. Als dann das Flugzeug den Landeanflug begann, kamen wir in ein dichtes Wolkenfeld. Ich glaube, die Wolken türmten sich bestimmt einen Kilometer über uns und unten veränderte sich die Landschaft. Sie bekam einen satt grünen Anstrich. Ich wähnte mich in Irland oder - schlimmer - im Münsterland. Fette Weide, sattes Grün, graue, dicke Wolken und kurz vor der Landung platschte auch schon der Regen gegen das Fenster. Das kann ja heiter werden, wobei ich gestehen muss, dass wir uns mit Regen inzwischen auskennen. Davon hatten wir auch in Bombinhas mehr als genug. Nun ja, es ist in dieser Zeit das Ende der Regenzeit und damit schon mit einigen Niederschlägen zu rechnen. So machte ich mich auf einiges gefasst.
Als wir dann das Flugzeug verließen, stellte ich jedoch fest, dass es zwar feucht warm ist, jedoch nicht feucht heiß wie in Bombinhas im Sommer. Die Temperatur schwankt hier täglich in den außerordentlichen Marginalen von 27º - 29º. Nachts ist es also genauso warm wie tagsüber.
Wir wurden von einem Kleinbus des Hotels abgeholt und ins Hotel gebracht. Dabei passierten wir einen Teil der Millionenstadt São Luís. Es erinnerte mich sehr an Cuiabá, wo wir letztes Jahr waren, und an Teile von São Paulo. Es herrscht im Verhältnis zu Bombinhas Armut, aber kein Hunger. Die Stadt sieht relativ verwahrlost aus. Das Hotel von SESC aber ist schön, wenn auch etwas einfach. Dafür ist es aber auch unschlagbar billig. Es hat eine große Freizeitanlage mit einem großen Pool und einem guten Restaurant, das wir auch gleich ausprobierten. Nur das Internet funktioniert leider nicht besonders gut. Hier werden wir allerdings zunächst nur eine Nacht verbringen, denn morgen geht es auf eine Tour, die bis Sonntag dauert.

Am Flughafen in São Luís. Regenwolken, sattes GrünDie Hotelanlage
Am Flughafen in São Luís. Regenwolken, sattes GrünDie Hotelanlage

Zum Seitenanfang