7. Mai, Samstag, Barreirinhas und der schöne See

Welch ein schöner, unkomplizierter und erholsamer Tagesbeginn! In der Nacht habe ich erst einmal 10 Stunden fast ohne Unterbrechung geschlafen. Welch eine Erholung. Ich war wirklich fix und fertig von den vielen Eindrücken, die in den letzten Tagen auf mich einstürmten, aber auch vom Stress der Unternehmungen. Heute nun stand der Vormittag ganz im Zeichen der Erholung. Wir konnten schlafen und in Ruhe frühstücken. Danach war kein Programm angesagt, sondern lediglich Schwimmen im Pool, wobei das mit dem Schwimmen nicht so gut ging, weil der Pool recht klein ist. Aber das Wasser hatte sicherlich rund 30° Temperatur, was für mich etwas zu warm, für Aurora etwas zu kühl war. Ich bin eben doch ein Mitteleuropäer. Maura und Reginaldo genossen ebenso diese Freizeit.
Später dann gingen wir ins Städtchen, um uns hier ein wenig umzuschauen. Wie das Städtchen heißt, wusste ich bisher noch nicht, aber ich habe mich erkundigt. Es heißt Barreirinhas, hat rund 54.000 Einwohner und nennt sich Perle der Lençóis. Hier gibt es haufenweise Touristenunternehmen, die die Touristen in die Lençóis bringen und an noch viel mehr Hotels, Pousadas und anderen Unterkünften abholen. Unser Hotel Buriti liegt recht nahe am Zentrum, weswegen wir selbiges auch gut zu Fuß erreichen konnten. Ziel der Tour war, uns nach T-Shirts umzusehen und nach einer hübschen Hängematte, denn ich bin jetzt auf den Geschmack gekommen, in einer solchen zu ruhen. Wenn wir das bei uns auf der Terrasse hätten, käme meine Schwester Monika bestimmt noch mal so gerne zu uns. Munter verließen wir also nach dem erfrischenden Bad im Pool das Hotel und gingen in Richtung Stadt. Wie es hier ausschaut, kann man leicht den Fotos entnehmen, die ich hier und heute gemacht habe. Eins ist ganz sicher: Es wurde ein sehr heißer Spaziergang. Die Sonne brannte und je mehr es auf Mittag zu ging, desto kleiner wurden die Schatten. Wir sind hier in der Nähe des Äquators, so dass die Sonne senkrecht vom Himmel brennt. Nur unter den Bäumen gab es etwas mehr Schatten. Ansonsten heißeste Sonne, schwitzende Menschen. Auf den Straßen herrschte ein reges Leben.  Zuerst fanden wir die Hängematten, ließen sie aber noch liegen im Glauben, wir fänden vielleicht noch einen anderen Laden mit noch besserer Ware. Das sollte sich rächen, denn in der Mittagssonne das Geschäft mit den wunderschönen Hängematten wieder zu finden, war eine schweißtreibende Arbeit. Dann fanden wir hübsche T-Shirts und der Einkaufsauftrag war erledigt. Wir ebenfalls. Beim T-Shirt-Einkauf erhielten wir eine Empfehlung für das Mittagessen und gingen dieser Empfehlung nach ins Restaurant Gaucho, was uns gleich heimisch werden lässt, denn Gauchos gibt es nur im Süden Brasiliens. Hier allerdings herrschte ein frisches Lüftchen, weil unser Tisch direkt am Fenster und über dem Fluss lag. Wie wohltuend. Als allerdings der Salat kam, wurde es schwierig, weil die Salatblätter wie Segel funktionieren und den Trend hatten, wegzufliegen. Ein Deutscher würde gesagt haben, dass es mörderisch zieht, aber hier gibt es kein Wort für „es zieht“, weswegen es nur erfrischende Winde gibt die kühlend auf einen zu heißen Körper wirken. Nach dem Essen hatten wir uns etwas erholt, gingen ins Hotel und machten bis 14 Uhr eine Pause. Das war zwar nicht lang, aber dafür nötig.

Um 14 Uhr begann dann der Ausflug, der uns wieder in die „großen Lençóis“ bringen sollten. Dieses Mal aber sollte es der „lagoa bonita – der schöne See“ sein. Angekündigt worden war ein ziemlich steiler Aufstieg, der an die Substanz gehen sollte. Zusammen mit Luise hatten wir schon trainiert. Ob das reichen würde? Ich war guten Mutes, Aurora eher weniger. Pünktlich kam das Auto und nahm uns mit auf die holprige Anfahrt wieder mit einer Fähre über den Fluss, wobei ein mit Motor ausgebautes Ruderboot als Antrieb für die Fähre diente. Sowas habe ich noch nie gesehen. Die Bilder geben Zeugnis davon wie auch von dem ganzen Ausflug. 45 Minuten dauerte die Autofahrt, bis wir an einen hohen Bergkamm kamen. Da sollten wir also rauf? Ich fand es erst nicht sooooo schwierig, Aurora zagte. Ich ging los. Auf halber Strecke hing mir die Zunge bis in die Kniekehlen. Ein Blick nach oben verriet, es gibt noch zu tun. Dann kam eine Stelle, wo der Bewuchs aufhörte und der lose Sand begann. Gott sei Dank war hier ein Seil gespannt, an dem man sich hochziehen konnte. Immerhin war ich der Zweite nach einem jungen Mann, der endlich oben ankam, aber wäre der Anstieg nur ein Meter länger gewesen, wäre ich tot umgefallen. Nachdem ich einigermaßen zu mir gekommen war, sah ich mich nach Aurora um. Sie kämpfte sehr tapfer. Aber wie es schönen Frauen so geht, hatte sie gleich zwei Führer bei sich, die sie quasi hoch brachte. Welch ein Ausblick: Hinter uns lag eine Tiefebene, dicht bewachsen, jedoch ebenso aus Sand bestehend. Hier waren wir angereist. Und wenn man sich dann um 180° drehte, eröffnete sich die weiße Dünenlandschaft, soweit das Auge reicht. Zwischen den Dünen die Seen. Es ist wirklich ein Wunder! Aber wie gut, dass Maura daheim geblieben ist. Sie hätte den Aufstieg nicht geschafft. Für Reginaldo aber war es auch kein größeres Problem. Er ist sehr sportlich und körperlich fit.
Oben angekommen, ging es dann weiter zum ersten See. Dazu erst einmal eine Düne runter, was kein Problem war. Dann aber eine nicht allzu hohe Düne wieder hoch. Sie war ebenfalls ziemlich steil. Der junge Mann, der auch beim Aufstieg vor mir ankam, zog mich den letzten Meter rauf. Um Aurora kümmerte sich wieder der Führer. Ich hätte es nicht geschafft, auch wenn es eigentlich mein Job gewesen wäre. Dann aber begann der Badespaß. Die tiefste Stelle im See war so tief, dass mir das Wasser bis an die Badehose reichte. Ein Schwimmen war kaum möglich. Die Wassertemperatur lag sicherlich ein Stück über 30°, so dass von einem erholsamen Bad nicht die Rede sein konnte. Dennoch tat es gut. Etwas später zogen dunkle Wolken auf und wir fürchteten schon, dass es regnen würde. Aber wir blieben verschont. Reginaldo machte noch ein Rutschausflug auf dem Hosenboden eine Düne herunter. Er ist manchmal so einfallsreich wie ein kleines Kind – und das ist wunderschön mit ihm. Noch einen zweiten See besuchten wir und schwammen dort. Aber wir waren jetzt eigentlich ziemlich müde und wollten gerne heim. Davor stand noch der Rückweg, bei dem es zwar auch bergab ging, aber auch wieder einmal lang bergauf. Geschafft! Im Westen ging die Sonne unter und tauchte die Dünenlandschaft in ein verzauberndes Licht.
Der Abstieg zu den Autos war einfach. Wieder bekam Aurora die Hand des Leiters, der sie gut zurück brachte. Gott sein Dank. Wir freuen uns auf unser Bett. Als wir dann wieder zur Fähre kamen, hüpfte uns noch ein verwunschener Prinz über den Weg. Ich wollte ihn nicht küssen – warum auch? Eine Frau war dazu nicht bereit. So habe ich ihn eben nur fotografiert.

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