10. Mai, Dienstag, Raposa

Raposa heißt auf Deutsch „Fuchs“, aber das spielt eigentlich für den heutigen Bericht keine besondere Rolle, denn der Fuchs ist kein Fuchs, sondern ein kleiner, ärmlicher und pittoresker Ort unweit von São Luís am Meer gelegen. Hierher sollte der heutige Ausflug gehen. Der Zeitplan war recht eng gefasst. Wir sollten möglichst um 7 Uhr gleich zu Beginn der Frühstückszeit im Restaurant sein, denn der Ausflug solle pünktlich um 7.40 Uhr beginnen. Als Deutscher und Südbrasilianer ist man gewohnt, sich an die Zeiten zu halten. Pünktlich kamen wir folglich am Restaurant an, wollten eintreten, fanden die Tür jedoch verschlossen. Drinnen wurde in aller Gemütsruhe noch gearbeitet und vorbereitet. Geöffnet wurde erst um 7.15 Uhr. Jetzt war also unsere Zeit bis zur Abfahrt auf 25 Minuten geschrumpft. Eile war angesagt. Frühstück herunter schlingen, schnell zurück ins Zimmer – einmal quer durch die ganze Anlage, Zähneputzen, Klo, Sachen fertig packen, loslaufen ins Foyer. Atemlos langten wir dort an. Wir waren pünktlich und die ersten. Reginaldo und Maura kamen gleich nach uns. Gegen 7.50 Uhr erhielten wir den Bescheid, dass wegen der Gezeiten nicht vor 8 Uhr gefahren werden kann. Es wurde 8 Uhr, es wurde 8.15 Uhr. Inzwischen waren wir eine größere Gruppe von Teilnehmern geworden. Gegen 8.30 Uhr tauchte eine Dame des Hotels auf und forderte uns auf, zum bereitstehenden Bus zu gehen. Es ging los. Die Anreise dauerte ungefähr eine halbe Stunde. Dann befanden wir uns in Raposa auf der Hauptstraße. Links von uns waren die Häuser auf Stelzen gebaut. Sie werden bei Flut unterspült, denn die Gezeiten hier bewirken einen Tidenhub von 7 Metern zwischen Ebbe und Flut. In einer solch platten Gegend wie hier ist das enorm viel. Die Hütten sahen recht ärmlich aus. In manchen befanden sich Textilgeschäfte, bzw. Geschäfte für Handarbeiten. Denn die Frauen der hier ansässigen Fischer befassen sich viel mit dem Klöppeln und stellten haufenweise Spitzendeckchen und –kleider her. Wir haben einer der fleißigen Frauen dabei über die Schultern geschaut. Auch stöberten wir durch die Läden und kauften Mitbringsel für unsere Mari und Priscila, die auf unsere Katzen aufpasst. Dann ging die Fahrt weiter zum Hafen, der wegen der Flut teilweise überschwemmt war. Für uns war ein altes Holzboot mit einem tuckernden Motor vorgesehen, mit dem wir an Stellen fahren sollten, an denen wir schwimmen konnten. Über ein anderes Boot kletterten wir in unseren alten Kahn hinein und suchten uns einen Platz. Alle bekamen Schwimmwesten an und los ging die gemächliche Tour vorbei an den Salzwassermangroven, die auch hier die Ufer begrünen, bis zu einer Sandbank. Hier stiegen wir aus, gingen über die Sandbank hinüber zum offenen Meer. Das Wasser dort war sehr warm, für mich zu warm, für Aurora gerade richtig. So haben es sich die Brasilianer bestellt, meinte sie. Reginaldo stimmte zu. Schwimmen konnten wir allerdings nicht, denn die Wellen waren zu hoch und schwappten auch ständig über uns hinweg. Wir fanden einige der vor einigen Tagen beschriebenen Mangrovensamen und pflanzten sie nebeneinander ein.
Anfangs herrschte herrlicher Sonnenschein. Dann trübte sich das Wetter ein und es begann sogar, etwas zu regnen, als wir vom Strand wieder zum Boot gingen. Aber ebenso schnell, wie der Regen gekommen war, verging er wieder.  Während wir los fuhren, kam die Sonne wieder hervor und als wir dann mitten auf der Lagune anhielten, um eine weitere Schwimmtour zu machen, schien sie wieder von einem ungetrübten Himmel. Diese zweite Schwimmtour fand in einem sehr flachen Gewässer statt, das vom Meerwasser gespeist sich zwischen dem Festland und den vorgelagerten Dünen erstreckt. Der Boden dieser Lagune war schlammig. Reginaldo ging davon aus, dass es sich um Heilschlamm handelt und schmierte sein Gesicht damit ein. Ich bin da nicht so sicher, ob es nicht auch einfach Ölrückstände waren. Nach 20 Minuten war auch dieses Schwimmen vorbei und es ging zurück zum Hafen, wo wir noch gerade rechtzeitig ankamen, bevor uns die Ebbe das Wasser unterm Kiel entzog. Bemerkenswert war noch, dass hier ein Erfrischungsgetränk von Coca Cola schlicht „Jesus“ heißt. Es ist ein Guaraná-Saft, der sehr süß schmeckt –wohl wie unser Herr Jeus für die Seele süß ist. Ich fand diese Originalität so bemerkenswert, dass ich die Dose fotografiert habe. Sie ist das letzte Bild in der Bilderreihe, die ich in chronologischer Folge erstellt habe.
Die Landschaft hier ist sehr flach, sehr warm und sehr sandig. Das hat seinen Reiz und ist irgendwie auch schön. Aber schöner finde ich unseren Strand in Bombinhas, wo der Sand zwar nicht mehr so weiß ist wie hier, dafür aber die bewaldeten Berge mit ihrem dunklen Grün einen wunderschönen Rahmen bilden.
Nachmittags haben wir wieder Zeit für die Augenpflege und die Erholung. Morgen haben wir dann noch einmal ein volles Programm, denn wir wollen vor unserem Heimflug am späteren Nachmittag das historische Zentrum von São Luís besuchen, in dem die Franzosen, die ursprünglich diese Stadt gegründet hatten, dann die Holländer, die es den Franzosen wegnahmen und schließlich die Portugiesen, die es ihrerseits den Holländern entrissen, ihre Spuren hinterlassen haben.

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