11. Mai, Mittwoch, São Luís

Da ist also schon unser letzter Tag angebrochen. Eigentlich schade, jedoch auch schön, denn ehrlich gesagt, vermissen wir unsere gewohnte Umgebung, die Katzen, die Menschen … Bombinhas.
So lassen wir den Tag ruhig angehen, denn heute sind wir nur zu privaten Arrangements verabredet und nicht mit einer größeren Gruppe. Diese Verabredung bezieht sich auf Marcelo mit der sanften Stimme, bei der ich beim letzten Ausflug so schön eingeschlafen bin. Er will uns in der Stadt treffen, um uns die Altstadt zu zeigen. Dazu, so haben wir uns ausgerechnet, wäre genug, wenn wir erst gegen 8.30 Uhr losführen. Und so geschah es. Wir frühstückten in aller Ruhe, gingen noch mal in unser Zimmer und machten uns das erste Mal auf dieser Reise in aller Ruhe fertig, um dann gegen 8.15 Uhr unten zu stehen, um auf das Taxi zu warten. Das kam pünktlich. Drinnen saß ein gemütlicher Fahrer mit einem Bauch, der auf viel Würde schließen ließ. Auf jeden Fall war er ein gesprächiger Mensch, jovial und freundlich. Er plauderte über das Leben, speziell das Leben in Maranhão, sprach über dieses und jenes und wirkte interessant und interessiert. Welch ein Unterschied zum Taxifahrer, der uns hierher gebracht hatte!
Durch alle möglichen Staus hindurch erreichten wir unter munterem Geplaudere die Innenstadt von São Luís. Die ist – es sei gleich mitgeteilt – Weltkulturerbe der UNESCO. Der Taxifahrer namens Bernardo setzte uns an einem Parkplatz am Rande der Altstadt ab. Hier sollten wir Marcelo treffen. Bis er kam, entdeckten wir bereits eine Art Malschule, die aus einer großen Halle mit vielen Plätzen, an denen junge Leute saßen, die fleißig Gemälde herstellten, bestand. Hier in São Luís gibt es eine Universität mit dem Fach Architektur. Das alles sind vor allem Architekturstudenten, die wir überall mit Zeichenblock und Stiften in der Stadt verteilt sahen. Auch gab es dort in dieser Halle eine Ausstellung mit Büsten diverser Persönlichkeiten, von denen lediglich eine aus dem deutschsprachigen Raum war: Mozart. Alle anderen waren eher historische oder lokale Größen. Dann kam also Marcelo und begann zu erklären, beredt, kundig und sehr ausführlich, was mich mit meinen durchaus noch begrenzten sprachlichen Möglichkeiten etwas überforderte. Als er dort in der Halle kein Ende fand, wurde ich etwas ungeduldig und meinte, ich wolle auch mehr sehen, als nur diese Halle. Marcelo nahm das nicht krumm, sondern uns mit über die Straße in den Kulturpalast, bei dem es vor allem um die kulturelle Geschichte der Stadt ging, die mit der Sklavenhaltung und der von den Sklaven aus Afrika mitgebrachten Religion geprägt war. Umbanda ist eine Art synkretistische Religion.
São Luís wurde von den Franzosen im Jahr 1612 gegründet, dann aber recht bald von den Holländern übernommen. Das war im Jahr 1631. Die Holländer ihrerseits ¬†verloren sie 1664an die Portugiesen. Alle Epochen haben ihre Spuren in der Altstadt hinterlassen. Besonders sehenswert sind außer der Malschule und dem Kulturzentrum die schneeweißen Paläste, darunter¬† der große Präsidentenpalast, die Stadtverwaltung und der Justizpalast, der Dom des Erzbistums, das sich dort befindet, die alt-portugiesischen Kacheln, die einige alte Häuser zieren und das quirlige Leben des Marktes. Über den engen, graden Straßen lag ein maroder Charme. Etliche Gebäude waren stark verfallen, wie auch die Bilder zeigen, die ich von der Stadtführung gemacht habe. Marcelo sagte, dass sie Privatleuten gehörten, die nicht die Mittel für die Renovierung hätten. Immerhin hat der Status des Weltkulturerbes bewirkt, dass die sonst üblichen Kabel, die sich über die Straßen erstrecken, unterirdisch verlegt wurden, so dass der Eindruck einer alten Stadt nicht durch Kabelsalate über den Gassen gestört wurde. Das ist etwas Besonderes hier im Land.
Gegen 12.30 Uhr lieferte uns unser Taxifahrer Bernardo wieder am Hotel ab und wir konnten noch essen, duschen und uns fertig zur Heimreise machen. Hier herrschen tropische Temperaturen, bei uns ist es eher kühl, so dass wir lange Hosen und Jacken brauchen. Die Rechnungen wurden bezahlt und die Heimreise konnte beginnen. Bernardo kam pünktlich und wir fuhren los. Unterwegs entwickelte sich noch ein tropisches Unwetter, so dass die rechte Fahrbahn zu einem ziemlich reißenden Fluss wurde. Die armen Fußgänger und Motorradfahrer, die jetzt pitschnass wurden! Wir aber kamen wohl behalten am Flughafen an, checkten problemlos ein und dürfen nun über Rio de Janeiro, wo wir knapp 1 Stunde Aufenthalt haben, nach Navegantes fliegen. Dort werden wir um 22.40 Uhr ankommen. Edemar wird uns abholen und wieder heimatlich in die Arme schließen. Und wenn wir dann daheim bei Susi und Chico sind, ist die Welt wieder total in Ordnung.

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