20. Juli, Donnerstag, In Belo Horizonte

Das Wetter spielt wirklich gut mit und wir sind darum auch fit for fight, also nicht zum Kämpfen, sondern um mit der Gruppe dem angebotenen Programm zu folgen. Frühstück natürlich schon um 7 Uhr. Inha hatte schon gefrühstückt, wobei sie vor dem Frühstück immer eine halbe Stunde eher ein Medikament einnahmen muss. Da kann man mal sehen, dass sie immer die frühste Aufsteherin ist von uns, wobei wir ja auch keine Langschläfer sind.

Die Abfahrt des Busses erfolgte dann um 9 Uhr, wobei wir etwas verspätet waren, weil zwei Leute die Abfahrt irgendwie verschwitzt hatten. Belo Horizonte ist kein Dorf, schrieb ich schon gestern. Heute hat sich das bewahrheitet, denn wir waren eine knappe Stunde unterwegs, bis wir beim kommunalen Markt angekommen waren. Ich hatte mit einem schlichten, modernen Einkaufszentrum gerechnet, aber es handelte sich dabei eher um eine riesige Kleinmarkthalle. Die war so groß, dass die Frankfurter Halle mindestens dreimal da rein gepasst hätte. Selbst die in São Paulo ist gegen diese Halle klein. Stand an Stand, Ausstellung an Ausstellung, sehr viele Käsestände, aber auch viele Gewürz-, Mitbringsel und andere Gegenstände des alltäglichen Lebens wurden hier angeboten. Es ist wie in einem orientalischen Basar, voller Leben, Gerüche, Geräusche, anpreisenden Verkäufern und schlendernden Touristen. Zwei Stunden hatten wir Zeit, hier zu schlendern und Sachen einzukaufen. Das war auch nötig, denn wir hatten zuvor im Bus einen Zettel mit dem Namen eines Gruppenmitglieds erhalten, für das wir ein Geschenk im Werte von etwa 20 Reais besorgen sollten. Das wurde nun hier erledigt. Dazu erstanden wir noch T-Shirts für meine beiden Gemeinde-Lieblingskinder Mábily und Diego. Auch ich kaufte mir ein T-Shirt von Belo Horizonte.

Zurück zum Hotel, wo wir zu Mittag aßen und uns auch ein wenig ausruhen konnten. Als wir uns dann wieder um 14.30 Uhr am Bus trafen, hatte sich das Wetter etwas verschlechtert. Es sah aus, als käme Regen. Aber je weiter wir nach Belo Horizonte hinein fuhren, desto besser wurde auch das Wetter. Als wir auf dem Placa da Indepente, also Unabhängigkeitsplatz, ankamen, das so ziemlich das Stadtzentrum bildet, da strahlte wieder die Sonne vom Himmel. An dem Platz gab es ein Museum über die Geschichte von Minas Gerais, die schon bei 2.000-jährigen Höhlenzeichnungen begann. Das Museum ist in einem alten Palast untergebracht, der derzeit innen modernisiert wird. Von dort ging es dann weiter zu einem Aussichtspunkt direkt unter dem Palast des Gouverneurs, den wir aber nicht zu sehen bekamen – also den Palast und den Gouverneur nicht. Wir sahen nur die Auffahrt zu dem Anwesen, die von der hiesigen Polizei bewacht wird, und die lange Abzäunung, die das Volk auf Abstand hält. Ist wohl auch besser so, denn gegen den Gouverneur wird, soweit ich gehört habe, ebenfalls ermittelt. Warum auch nicht, ist doch auch er ein Produkt der hiesigen, politischen Kultur. Die Aussicht aber war wirklich atemberaubend und bot Anlass zu manchen Gesprächen und Selfies. Ich mag keine Selfis, habe aber die Zeit genutzt, um weitere Bekanntschaften zu machen, bzw. „alte“ – gestrige – zu vertiefen. Neue Bekanntschaft haben wir mit dem Opa geschlossen, dem wir gleich schon bei der Ankunft in Confins kennengelernt hatten. Er heißt Sergio, ist 81 Jahre alt und steht mit der politischen Kultur Brasiliens überkreuz. Sein Humor ist wundervoll und wir lachen viel zusammen. Sein Verhältnis zu Palmas und Tocantins ist wie meins zu Ostwestfalen: Wir können prächtig lästern und uns beschweren – und amüsieren uns dabei wunderbar. Nur wohnt er noch immer dort, hat vor ein paar Wochen seine Frau verloren, an der er wohl nicht besonders hing, denn jetzt fühlt er sich endlich frei zu verreisen, was er auch ausführlich tut. Seine Besitzverhältnisse lassen das auch zu.

Kennengelernt haben wir auch die Eltern der beiden Jugendlichen Ester und Davy, die wir schon seit gestern kannten. Der Vater ist der Stiefvater der beiden und geborener Franzose. Vor 5 Jahren kam er auf ähnliche Weise wie ich vor 4 Jahren nach Brasilien. Er spricht auch schon ganz passabel Portugiesisch. Seine Frau, die Mutter der beiden Teenager, ist eine flotte Frau. Was sie beruflich macht, müssen wir noch rausfinden. Immerhin scheint die Familie genug Geld zu haben. Denn so gebildete und fein erzogene Kinder findet man hier eher selten – und in Deutschland wohl eher auch. Obwohl ich heute Davy erwischt habe, wie er seine Schwester Dummkopf nannte. Das habe ich ihm auch gleich unter die Nase gerieben, worauf hin die Mutter richtig glücklich war. Aber so ist das nun mal bei Geschwistern und die beiden nehmen es sich nicht übel.

Gegen 18.10 Uhr waren wir dann wieder in unserem Hotel. Was danach folgte, ist eher nicht der Rede wert, denn es ist immer dasselbe. Nur sollte ich noch anmerken, dass hier das Internet ziemlich schlecht ist und die Updates teilweise nicht funktionieren. Hoffentlich wird es in Ouro Preto besser, denn morgen früh geht es schon um 8 Uhr los, so dass ich kaum Zeit habe, hier noch die Morgenstunden für Updates zu nutzen.

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