24. Juli, Montag, Mariana

Welch ein Schock heute Morgen nach dem Aufwachen. Der Wind pfiff um die Ecken gerade wie in Bombinhas bei unserem Schlafzimmer. Kaum steckte man die Nase aus der Bettdecke, fing man an zu frieren. Aurora konstatierte, dass wir heute Nacht lediglich 7° gehabt haben und das Wasser fast gefroren ist. Schnell raus aus der Falle, schnell die Kleider angezogen. Darüber mehrere Pullover von verschiedenen Wärmungsgraden. Gabriela zeigte mir hinterher, dass sie 4 verschiedene Hemden und Blusen und Pullover übereinander gezogen hatte. Ja, ja, das kenne ich schon von der Mábily, die auch manchmal im Winter auf diese Weise angezogen ist. Aurora und ich passen uns an. Beim Frühstück boten sich uns dann seltsame Bilder. Am auffälligsten war ein Mann, der mit nackten Beinen in Turnhose und mit Badeschlappen unten rum und mit Pullover und dicker Mütze oben rum frühstückte. Sowas stört hier niemanden. Alle sehen etwas seltsam aus, wenn es draußen kalt ist. Ob es heute noch warm werden würde? Ich hätte das nicht geglaubt, aber schon bei unserer Ankunft in Mariana bei der Besuchermine war die Sonne schon durchgebrochen durch den dicken Nebel und es wurde dann tagsüber wieder ganz normal warm draußen.

Mariana war also das Ziel von heute. Mariana ist benannt nach der österreichischen Frau des Königs von Portugal, der einstmals vor Napoleon aus Lissabon nach Rio floh und seine Familie mitnahm. Im Gerichtsgebäude von Mariana war ein Bild von ihr zu sehen. Hübsch war sie nicht, aber ihr Mann sah noch blöder aus, weswegen ich ihn nicht fotografiert habe. Aus Maria Anna wurde dann natürlich Mariana, weil sie kein Brasilianer die Zeit nehmen kann, zwei A hintereinander auszusprechen. Nachdem das nun geklärt ist, kommen wir zu der Goldmine. Man hat dort also aus eben dieser von uns besichtigten Goldmine im 17. Jahrhundert zigtausende von Tonnen Gold herausgeholt, wobei man damals nur die reinen Goldklumpen nahm, durch einen langen Tunnel bis nach Ouro Preto brachte, wo man es dann auch die Schiffe verlud und nach Portugal abtransportierte. So wurde damals Minas Gerais ausgebeutet. Man hat also nur die reinen Goldklumpen weggebracht. Das im Gestein befindliche Goldpulver aber kam auf den Müll. Mit der Zeit hab es dann kein Gold mehr zu holen, weswegen man umstieg auf Eisenförderung. Das Eisen war allerdings gegenüber dem aus Nordschweden minderwertig. Dennoch kauften die Japaner bis vor gar nicht langer Zeit ständig die Schlacke der Eisenförderung auf, bis die Brasilianer merkten, dass in diesem Abfall noch eine Menge Gold zu finden war. Dann haben sie natürlich aufgehört mit diesem für die Japaner vorteilhaften Geschäft. Die Eisenförderung aber geht weiter bis heute und Mariana hat ja einen sehr traurigen Ruf erlangt, weil dort Ende 2015 ein Damm bracht, hinter dem das sehr giftige Abfallwasser gelagert war. Das ergoss sich nun in das Flusssystem und vergiftete alles was lebte bis in den Atlantik hinein. Das war eins der größten Umweltkatastrophen, die es gegeben hat. Wir haben davon allerdings jetzt nichts gesehen, weil es 1. nicht direkt in Mariana war, sondern etwas außerhalb und 2. auch nicht ganz ungefährlich ist, dorthin zu fahren. Schön sieht das alles auch nicht aus und für den ansonsten touristischen Touch von Mariana ist der Anblick wohl ziemlich ernüchternd. Denn das Städtchen mit seinen ebenfalls rund 50.000 Einwohnern ist wie Congonhas eine kleine Perle des Barocks mitten in Brasilien. Die Häuser sind in einem besseren Zustand als in Ouro Preto. Die Kathedrale wird gerade neu renoviert, so dass wir dort nicht rein kamen. Aber auch viele Privathäuser glänzen in schönstem Weiß und man hat den Eindruck, als wolle die Stadt vergessen lassen, was da vor ihren Toren passiert war. Nun ja, die Stadt kann ja auch nichts dafür. Die Schurken, die den Staudamm so schlecht gewartet hatten, dass er letztlich brach, sind andere. Vielleicht haben die auch das Geld gegeben, damit die Stadt so hübsch werden konnte. Aber das sind nur Spekulationen.

Bereits gegen 15 Uhr fuhren wir zurück zu unserem Hotel. Bevor wir auf das Gelände fuhren, wurde erst einmal das offizielle Gruppenbild gemacht. Jetzt waren wirklich alle da bis auf Arlete, die sich solchen Sachen immer gerne entzieht, obwohl sie als Stimmungskanone oft im Mittelpunkt steht. Deswegen habe ich noch mal ein Extrafoto von ihr gemacht und gleich hinter das von Maria Anna gestellt.

Heute ist ja der letzte Tag hier. Morgen werden wir heim fliegen, ein jeder in seine Richtung. Darum gab es heute Abend um 18 Uhr auch noch die Überraschungsparty, bei der wir uns gegenseitig beschenkt haben. Das war spannender, als ich gedacht hätte. Es begann, dass Glerivan sein Präsent in Verpackung vorzeigte und die Person, die es erhalten sollte, beschrieb. Das machte er sehr liebevoll und schön. Glerivan ist einfach ein Guter! Aber es war auch nicht so schwierig, denn das Geschenk war für Ester, die so außerordentlich gute geratene Tochter von Elaisa. Dann war sie dran und hatte auch gleich das Geschenk parat, das für Lais war. Wie wunderschön, denn die beiden haben sich in den letzten Tagen richtig gut angefreundet. Ich glaube, Ester ist für die 4 Jahre jüngere Lais ein richtig schönes Vorbild geworden – und ich denke, dass das wunderbar für beide ist. Jeder nun hielt eine Rede und ließ die anderen raten, wer das Geschenk bekommt. Und so kamen alle dran. Aurora bekam ein Armband und Inha einen Deckenschmuck. Als vorletzter kam dann ich dran. Und da ich so temperamentvoll voller Freude war, habe ich der Frau, die mir mein Geschenk bereitet hat, selbiges aus der Hand geschlagen und es fiel auf den Boden. Etwas ging zu Bruch. Das war zu hören. Ich öffnete und fischte eine Erinnerungstasse von Belo Horizonte raus, bei der nun der Henkel abgebrochen war. Schade! Aber der Freude tat es keinen Abbruch. Man kann es vielleicht sogar kleben. Nun war ich dran, aber mein Geschenk war nun keine Überraschung mehr, weil ja nur noch meine „geheime Freundin“ Tenise übrig war. Nun, ich hatte sowas auch schon in Deutschland erlebt und würde es dort wohl nicht mehr machen wollen, denn es flossen hinterher immer auch Tränen, auch wenn es viel Freude bereitete. Hier aber war niemand enttäuscht, obwohl die Geschenke im Wert sehr unterschiedlich ausfielen. Manche hatten deutlich mehr Geld ausgegeben, als sie hätten tun sollen. Aber alle taten, als hätten sie das nicht gemerkt. Alle freuten sich. Alle versicherten, dass das Geschenk richtig gut für sie sei usw. So sind die Brasilianer – und besonders die aus Tocantins.

Zum Seitenanfang