22. Juni, Donnerstag, Anreise nach Cuiabá

Geplant war diese Reise schon seit Monaten. Dennoch kam sie jetzt etwas ungelegen, weil wir ja notgedrungener weise noch eine Deutschlandtour einlegen mussten, von der wir erst wenige Tage zurück sind. Dennoch freuten wir uns auf diese neuerliche Reise ins Pantanal. Wie wir wohl dieses Mal alles vorfinden würden?

Gegen 9 Uhr verließen wir das Haus, nicht ohne vorher tränenreichen Abschied von unseren Katzen genommen zu haben. Aurora stellte während des Frühstücks fest, dass die Katzen ja inzwischen auch schon 10 Jahre alt werden und damit bereits Katzensenioren sind. Katzen ab 10 Jahre gelten als alte Katzen. Nun ja, dann passen sie gut zu uns. Auch wir sind alte Krüstchen, mein Haupthaar hat schon die friedhofsblonde Färbung, nur Aurora ist schön wie eh und je. Da passen jetzt auch zwei alte Katzen zu uns. Dabei steht fest, dass auch sie viele Vorteile genießen, die auch wir hier in Brasilien genießen, nur weil wir alt sind. Ich staune immer wieder, wie hier Senioren ab 60 Jahr gepudert werden. Heute haben wir es wieder erfahren, als wir selbst an den Leuten in der Premiumklasse vorbei gelotst wurden, weil wir alt sind. Da stehen die gut Betuchten, während sich ein Opa, eine Oma nach der anderen an ihnen vorbei schieben, um zuerst ins Flugzeug einzusteigen. Die Betuchten schauen neidvoll, die Omas und Opas laufen unbeeindruckt an ihnen vorbei. „Werdet ihr erst mal so alt wie wir …!“ Na ja, vielleicht ist ja Alter hier in Brasilien ein Verdienst und eine Leistung, die man erst mal erbringen muss. Richtig verstehen kann ich das aber noch immer nicht.

Aufbruch also um 9 Uhr. Zunächst noch ein paar Wegzehrung eingekauft, dann weiter nach Navegantes zum Flughafen gefahren. Das Wetter war eher schlecht, es nieselte ab und zu. Vor uns Stau, aber wir hatten ja wie immer gut geplant und sollten nicht in Stress geraten. Den bekam ich lediglich, als unser Stamm-Parkplatz geschlossen hatte und ich einen neuen suchen musste. Aber auch das ging klar. Mit unserem recht wenigen Gepäck zogen wir Krüstchen an allen anderen vorbei zum Einscheckschalter und gaben unsere Koffer auf. Es war gerade mal 10.20 Uhr. Und wieder begann, nachdem wir zügig durch die Sicherheitskontrolle gingen, das Sitzmarathon. Es ist schon eine seltsame Sache mit dem Fliegen. Das Erleben ist ziemlich paradox, denn einerseits legt man weite Strecken in recht kurzer Zeit zurück, gelangt also in ferne Gegenden, auch die man sich mit dem Geist gar nicht so schnell einstellen kann. Das macht Stress. Andererseits aber wird man durch das Sitzen enorm entschleunigt. Warten bis man ins Flugzeug einsteigen darf. Viele halten das nicht gut aus und stellen sich schon viel früher in eine lange Schlange. Die dürfen immerhin stehen und warten. Die anderen sitzen und warten. Aufs Klo gehen – aus Langeweile. Was essen oder trinken – wieder ein paar Minuten gewonnen. Versuchen, online zu gehen. Aber was da steht, weiß man auch schon. Emails checken, Facebook schreiben und lesen, WhatsApps verschicken. Lesen – lesen – lesen. Ich habe mir ein schwedisches Buch mitgenommen. Der erste Flug ging dann gegen 12 Uhr los nach Guarulhos. Dort angekommen, mussten wir uns erst mal orientieren. Als ich vor 12 Jahren erstmals in Guarulhos war, war das ein kleiner überschaubarer Flughafen. Heute geht es mir dort wie in Frankfurt: Jedes Mal erlebe ich neue Bereiche des Flughafens, kenne mich nirgends aus. Alles ist neu wie gerade erst in Betrieb genommen. Wohin müssen wir gehen? Abflug erst um 16.25 Uhr? Was machen wir nur die ganze Zeit. Mittagessen. Das Essen auf dem Flughafen ist schlecht und teuer. Aber der Hunger treibt es rein. Denn auf dem Flug von Navegantes nach Guarulhos haben wir nichts bekommen, weil angeblich die Turbulenzen zu groß wären. Gemerkt haben wir von den Turbulenzen nichts, wohl aber vom sich meldenden Hunger. Die Saftschubsen aber hatten auf dem Flug ein gutes Leben, weil sie keine Saft schubsen mussten.

Nach dem Essen suchten wir den Flugsteig. Ja, der war zu finden. Pause, lesen, schlafen, online gehen, langweilen. Gegen 15.15 Uhr erlosch am Flugsteig die Angabe, dass von hier aus der Flug nach Cuiabá gehen sollte. Aurora schwante schon nichts Gutes. Richtig. Es kam eine Ansage, man solle sich bitte an einen anderen bestimmten Flugsteig begeben. Dass die ursprünglichen Ansagen nichts mit dem tatsächlichen Geschehen zu tun hat, wissen wir schon von brasilianischen Flughäfen. Das ist eher die Regel. Und wahrscheinlich macht das der Flughafenbetreiber, um den Flughafen in Bewegung zu halten, denn der neue Flugsteig war einen guten Kilometer von ursprünglichen entfernt. Uns verkürzte das die Wartezeit. Dennoch: Wie viele Stunden haben wir jetzt schon gemeinsam auf Flughäfen gewartet? Ich kann das sicher in Wochen zählen. So weiß ich, wie einem der Po weh tut vom vielen Sitzen und wie man müde wird über der Langeweile. Immerhin ging dann der Flug selber reibungslos. Wir bekamen sogar ein kleines Tütchen mit Kräcker drin und Wasser.

In Cuiabá wartete schon Inha auf uns. Sie war Stunden eher schon aus Congonhas angeflogen und hatte auf uns gewartet. Da das Hotel ganz in der Nähe des Flughafens lag, konnten wir dorthin laufen. Gegen 19 Uhr waren wir dann hier. 10 Stunden waren wir also unterwegs gewesen, von denen wir lediglich 3,5 Stunden wirklich geflogen sind. Und man glaubt es kaum: trotz des vielen Sitzens waren wir alle müde und freuten uns auf das Bett im Hotel. Die Gruppe aus Tocantins wird erst morgen hierher kommen. Wir treffen sie dann gegen 10 Uhr auf dem Flughafen, um gemeinsam dann in das Hotel gebracht zu werden.

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