23. Juni, Freitag, Anreise ins Pantanal

Es tut gut, richtig gut geschlafen zu haben. Da hatten wir einen schlappen Tag gestern und waren danach dennoch hundemüde. Aurora versank schon gegen 20 Uhr in Tiefschlaf, ich zwei Stunden später. Dabei muss man wissen, dass die hiesige Zeit der Zeit in Bombinhas eine weitere Stunde hinterher hinkt. Hier ist es 7 Uhr und in Bombinhas 8 Uhr. In Deutschland haben wir gleichzeitig schon 1 Uhr. Aurora schlief um 8 Uhr hiesiger Zeit ein. Geweckt wurden wir gegen 5 Uhr. Da tat es einige kräftige Schläge im Haus. Wir wachten auf und erinnerten uns, dass wir im 1. Stock des Hotels sind und unter uns in der Hotelküche wahrscheinlich die Eier für das Rührei zum Frühstück geöffnet würden. Beruhigt schliefen wir weiter. Um 6 Uhr aber war dann doch schon Schluss mit dem Schlafen, weil wir schlicht und einfach ausgeruht waren. Aurora zog sich schon an, während ich noch die neusten Nachrichten im iPad las. Da klopft es an die Tür und Inha steht dort, fertig angezogen, ebenfalls putzmunter – so ist das mit den beiden Schwestern: ein Wettbewerb, wer es morgens eher aus den Federn schafft. Inha war heute die Siegerin, denn sie hatte auch schon gefrühstückt, ein Vergnügen, das uns noch bevor stand. Das Frühstück hier ist schon seit 5.30 Uhr eröffnet. Es wohnen wohl hier viele Monteure, die danach auf Arbeit gehen, bzw. viele Leute, die danach mit dem Flugzeug abreisen.

Noch ein paar Worte zu den Temperaturen. In Bombinhas hatten wir in der vorigen Nacht 14°. Das war ziemlich kalt. Wir haben darum eine riesige, flauschige Decke über unser Bett gelegt, uns darunter versteckt und damit den Katzen eine Gelegenheit geboten, sich darauf niederzulassen, was sie auch sehr gerne gemacht haben. Alle Bewohner unserer Wohnung waren also unter bzw. auf der Decke versammelt und haben so nicht gefroren. Als wir dann los fuhren, hatten wir diverse Jacken an. Die Katzen brauchen keine Extrakleidung. Unsere Jacken aber behielten wir auch noch in São Paulo an. Erst nach dem gestrigen Wechsel des Abflugsteiges und dem damit verbundenen Lauf durch den Flughafen wurde es uns wärmer und die Jacken fielen. Im Flugzeug nach Cuiabá war es auch eher warm und hier in Cuiabá erwarteten uns bei Dunkelheit schon 29°. Als wir aus dem Flughafengebäude kamen, war das wie ein Schlag. Gut, dass das Hotel in der Nähe lag. Heute früh sind wir wieder sommerlich angezogen und ich denke, dass es so bleiben wird bis wir wieder in São Paulo sind, wo es wegen der Lage auf rund 1.000 m Höhe immer frischer ist als an anderen Orten.

Bis 10 Uhr war nun noch eine Menge Zeit und ich nutzte sie, um mich ein wenig in der Umgebung umzuschauen. Viel hatte sich nicht verändert seit unserem Besuch hier vor 2 Jahren. Die Station der Straßenbahn, die hier schon errichtet worden war, liegt einsam und verlassen, jedoch bewacht von 2 Wächtern. Die Gleise sind blockiert. Hier ist nie ein Zug gefahren, was kein Wunder ist, weil die Linie nur 2 Stationen hat: die am Flughafen und eine weitere nach ein paar hundert Metern. Weiter ist der Bau, der zur Fußball-WM angefangen wurde, nie gediehen. Es wird aber gesagt, dass die Züge schon alle gekauft worden sind, dank der vorausschauenden Sicht der dafür zuständigen, städtischen Einkäufer. Das wiederum wirft ein klares Licht auf die hiesige Verhältnisse: Das Bundesland Mato Grosso ist sehr reich. Es gibt eine riesige Landwirtschaft, 3 Ernten pro Jahr und dadurch enorme Einkünfte. Die Bevölkerung jedoch ist bettelarm. Es gibt hier viele Favelas und arme Dörfer. Indios werden systematisch von ihrem Land vertrieben. Auch der Staat ist sehr arm, kann die Gehälter der Angestellten kaum zahlen, geschweige denn eine Straßenbahnlinie für die Hauptstadt Cuiabá. Dennoch ist das Land enorm reich, aber eben nicht alle und schon gar nicht das Gemeinwesen. Alles landet in den Taschen einiger weniger Familien, die nicht nur ihr privates Imperium verwalten, sondern auch die wichtigsten Ämter des Bundeslandes inne haben, um sich dort ihre gesetzlichen Voraussetzungen maßschneidern zu lassen. Und als Dank dafür wird tief in die Taschen des Staates gegriffen und vor Auszahlung der Gehälter erst einmal für sich selbst gesorgt. Denn als Politiker hat man ja auch ein schweres Amt, das gebührend bezahlt werden muss, sei es legal, sei es durch Korruption. Armes Brasilien! Armes Mato Grosso! Übrigens gibt es noch einen großen Ärger zwischen den Großgrundbesitzern und dem Staat, denn der Staat baut keine anständigen Straßen und Häfen, auf denen dann die enorme Ernte gut in alle Welt geschafft werden kann. Wie ärgerlich! So geht immer ein Teil der Ernte verloren, weil er unterwegs verdirbt. Schuld daran ist der Staat. Das versteht doch jedermann, oder? – Na ja, ein wenig habe ich das alles wohl vereinfacht, aber im Prinzip sollte das alles stimmen.

Genug davon. Um 10 Uhr waren wir dann auf dem Flughafen in Cuiabá und warteten auf die Gruppe aus Tocantins. Die sollte uns schon auffallen. Wir vermuteten dort viele Krüstchen, so wie wir, und alle etwas braun, weil es dort viel mehr Farbige gibt als im Süden Brasiliens, aber auch einzelne andere Personen. Was dann kam, war doch überraschend. Zunächst einmal die Zahl von 35 Leuten. Das ist ziemlich viel. Die meisten sind im besten Alter, einzelne Krüstchen wie wir sind zwar auch dabei, machen aber nicht die Mehrheit aus. Am ältesten schein ein kleines, dürres Männchen zu sein, das aber putzmunter ist. Eine Frau kannten wir schon. Sie war auch bei unserer ersten Fahrt nach Rio und Petrópolis schon dabei mit ihrer Enkeltochter, die aber dieses Mal nicht mitgefahren ist.

Gemeinsam wurden wir zum Bus geführt, wo wir zunächst unser Gepäck abgaben. Danach ging die ganze Gruppe in ein Restaurant. Wir waren in diesem Restaurant schon vor 2 Jahren gewesen, jedoch hat es seitdem Besitzer, Aussehen, Namen und Konzept geändert. Alles war hübsch gedeckt und es gab Buffet für nur 40 Reais pro Person. Das Essen war soweit sehr gut. Auf unserem Weg ins Restaurant begleitete uns ein ziemlich verhungert aussehender Hund, der dann vor der Tür stehen blieb. Aurora erbarmte sich seiner und brachte ihm mit Erlaubnis des Restaurantbesitzers Fleisch nach draußen. Dass der Besitzer das erlaubte, war eher ungewöhnlich, denn so viel Herz für Hunde hat man hier normalerweise eher nicht. Er aber gab sogar Fleisch von seinem eigenen Teller ab.

Gegen 12.15 Uhr ging es dann auf die weite Fahrt ins SESC-Hotel nach Poconé. Auf der Fahrt habe ich zwar geschlafen, aber nicht die ganze Zeit. Bewundern konnte ich noch die außerordentlich flache Landschaft. Wenn dort alles gerodet und eine Weide entstanden ist, sieht es aus wie das Münsterland oder das Land nördlich vom Wiehengebirge. Flach, flacht, flach bis zum Horizont und viel Himmel darüber. Auf den Weiden grasen indische Kühe mit dem charakteristischen Buckel auf dem Rücken. An einem Wasserloch entdeckte ich auch den ersten Tujuju, den zweitgrößten Vogel Südamerikas, den Wappenvogel des Pantanal, den wir bei unserem ersten Besuch nur einmal am letzten Tag sahen. Dieser Besuch hat also ziemlich vielversprechend angefangen. An einem kleinen Flusslauf sah ich auch schon das erste Krokodil oder Kaiman, der sich flink ins Wasser begab, als unser Bus vorbei fuhr. Möge es so weiter gehen, denn im Gegensatz zu Afrika, wo die Tiere groß sind und leicht auszumachen, sind sie hier eher klein. Zwar ist die Biodiversität im Pantanal wesentlich größer als in Afrika in den Savannen, jedoch ist es eben attraktiver, sich 5 riesige Viecher anzuschauen, als 1.000 kleine Spinnen, Schlangen, Insekten usw. Wer kann das jemandem verübeln?

Gegen 15.30 Uhr waren wir dann vor Ort und erhielten zunächst einmal eine Einweisung in die Verhaltensregeln und die Ausflugsprogramme. Das wichtigste bei den Regeln ist, nachts nicht außerhalb der Wege zu gehen, da im Gras vor allem Schlangen, aber auch giftige Spinnen auf Jagd gehen. Zwar gehören wir nicht zu deren Beuteschema, jedoch wenn man so ein Vieh ärgert, was leicht passieren kann, dann kann es sich schon mal vergessen. Auch wurde uns gesagt, dass das, was bei den Ausflügen ins Wasser fällt, dort nicht raus gefischt werden darf, denn es gibt hier jetzt überall Piranhas. Wohin sind wir geraten?!?! Wir haben es ja nicht anders gewollt.

Zimmereinteilung nach dem ausführlichen Vortrag. Wir bekamen die Nummer 412, ein großes Zimmer mit einem eigenen Balkon, der durch ein Mückengitter geschützt ist. Einrichten, den PC anmachen, ins Internet gehen und dann ein Rundgang durch die weitläufige Anlage des Hotels, die wir ja schon kennen. Ein wirklich schönes Wiedersehen, zumal wir letztes Mal mit guten Freunden, Reginaldo und Maura, hier waren. Die Abendsonne schien und es entstanden einige wirklich schöne Bilder. Danach holte mich Aurora ab, um noch ein wenig schwimmen zu gehen. Das Wasser war im Gegensatz zu vor zwei Jahren sehr frisch und kühl, aber es tat gut. Und so saßen wir nach einem kurzen Badeintermezzo noch mit ein paar von unseren Leuten aus der Gruppe zusammen, bevor die Mücken uns auch von dort vertrieben.

Abendessen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht täglich 1 kg zunehmen. Danach aber blieben wir brav in unserem Zimmer. Nun ja, ich muss ja auch mein Tagebuch schreiben, was Zeit braucht. Auch müssen die Fotos bearbeitet und online gestellt werden. Das braucht noch viel mehr Zeit. Immerhin haben wir das Programm für morgen schon gemacht. Aber dazu dann morgen mehr.

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