25. Juni, Sonntag, Reitausflug

Wieder ein strahlend schöner Tag mit blauem Himmel und milden Temperaturen. Auch hier im Pantanal ist Winter, wodurch die Hitze nicht drückend ist, sondern wirklich angenehm. So fiel es uns nicht schwer, schon um 7 Uhr aus dem Bett zu fallen, auch wenn es eigentlich nicht nötig war. Aber Inha läutete schon mal bei uns an, um zu fragen, ob wir denn jetzt zum Frühstück gehen würden. Sie hatte wieder im Frühaufstehen gewonnen!

Auf dem Programm stand heute für Aurora und Inha eine Bootsfahrt und für mich ein Reitausflug. Den hatten Reginaldo und ich schon vor zwei Jahren machen wollen, hatten es aber doch nicht getan, weil wir Angst um unsere Kleidung hatten. Schließlich war der Aufenthalt damals am Anfang einer Rundreise, die uns auch in die Chapadas führen sollte. Da braucht man keine Kleidung, die nach Pferd stinkt. Jetzt aber hatten wir mit diesem Ausflug gerechnet und entsprechend gepackt. Gut so! Zunächst kam die Anfahrt zu dem Gelände, auf dem die Pferde wohnen. Das ging erst die Teerstraße entlang und dann über eine staubige Piste. Schon bei der Ankunft waren wir alle von rotem Staub bedeckt. Und dann standen die Pferde da, bereits fertig gesattelt. Sie waren eine Nummer kleiner als mein Bronco, das edle Ross, das ich früher einmal besaß und mit dem ich immer von Niederusel aus um das Homburger Kreuz geritten bin. Auf Bronco kam ich damals schlecht drauf, aber auf dieses freundliche, kleine Pferd zu steigen war kein Problem. Es fühlte sich auch gleich an, als hätte ich niemals aufgehört zu reiten. Dabei war das Reiten jetzt wirklich keine Kunst, denn natürlich blieb das Pferd auf der ganzen Tour schön brav hinter seinem Kollegen. Wenn der abbog, bog auch mein Pferd ab. Ging das vordere Pferd in die Pfütze, lieg meins brav hinterher. So konnte ich sogar recht unbeschwert Fotos machen, ohne gleich Angst haben zu müssen, vom Pferd zu fallen. Allerdings scheinen die Fotos ein offensichtliches Lieblingsmotiv zu haben: den Hintern des vor mir laufenden Pferdes und den Rücken des darauf hockenden Reiters. In Wirklichkeit war das nicht so. Der Schein trügt. Zunächst ging es über eine staubige Straße. Dann bog ein Pfad ab in die Büsche und wir da rein. Manchmal blieb ich etwas mit den Steigbügeln im Gestrüpp hängen, aber es ging gut. Weniger gut waren dann die Passagen diverser Pfützen und Wasserläufe. Die erste Pfütze ging ja noch. Mein Pferd tat einen kleinen Satz und dann ging es weiter. Schlimmer war dann die zweite Pfütze, die schon viel tiefer war. Aber am schlimmsten war das dritte Wasser, was wohl auch aus einem kleinen Bach bestand. Hier versank das Pferd bis zum Bauch im Wasser und ich hing mit meinen Jeans und meinen Tennisschuhen richtig im Wasser drin. Und dreckig war es, weil es überall hin spritzte. Wir kamen wirklich wie die Schweinchen von der Reittour zurück. Und er Guide erklärte mir hinterher, dass zu der Zeit, als Reginaldo und ich reiten wollten, das Wasser sicherlich bis zu unserer Hüfte gegangen wäre und das Pferd nur mit dem Kopf rausgeschaut hätte. Wie gut, dass wir der Versuchung damals widerstanden!

die SpeisekarteRund eine Stunde dauerte der Reitausflug. Als wir dann zurück waren, statteten wir noch Chico, dem Kaiman, und seinen Schwestern und Brüdern einen Besuch ab. Die kamen auch, als sie uns sahen, von allen Seiten angeschwommen. Ich vermutete, dass sie die Frauen entdeckt hatten, von denen sie sich einige versprachen. Männer schätzen sie nicht so sehr.

Recht pünktlich um 12 Uhr waren wir dann zurück und ich duschte erst einmal gründlich. Das war auch dringend nötig, denn ich war ordentlich dreckig. Danach aber folgte noch ein weiterer Höhepunkt des Tages, denn Aurora hatte uns in einem alternativen Restaurant angemeldet, das im Gebäude, in dem es auch Massagen und andere Wellness-Angebote gibt, liegt. Hier wird man am Tisch bedient nach einer vorliegenden Speisekarte. Alles ist feierlich gedeckt und es ist wenig los. Das Essen aber war wirklich eine Offenbarung und ein echtes Feinschmeckererlebnis. 4 Gänge gab es. Alle waren sie ziemlich klein, aber in der Menge durchaus ausreichend. Am Buffet isst man immer viel zu viel. Hier war alles wunderbar portioniert und hervorragend zusammengestellt, gekocht und abgeschmeckt. Aurora meinte, dass SESC hier eine Ausbildungsküche hat, die sich auf lokale Kost eingekocht hat. Alle Produkte waren aus der Gegend und damit für uns echt exotisch. Welch ein Geschmackserlebnis. Gut, dass es portioniert war, denn sonst hätten wir wieder viel zu viel gefuttert und das alles nicht genießen können.

Müde war ich aber im Anschluss und als sich dann Aurora und ich zu unserem Mittagsschlaf hinlegte, gelang selbiger hervorragend und wir pennten sicherlich 1,5 Stunden. Wie schön, dass wir danach wieder erfrischt und munter noch einen Besuch in den Swimmingpools machen konnten. Aurora geht in das kalte Wasser zwar nicht rein, aber ich schon. So schwamm ich ein paar Runden und erfreute mich danach an dem munteren Treiben der Kinder, denen das kühle Wasser nichts auszumachen schien.

Wir haben es hier wirklich sehr schön getroffen. Die Zeiten zwischen Exkursionen und Ausruhen sind gut koordiniert und es herrscht ein Klima der Erholung. Das Hotel ist von den Hotels, die wir von SESC kennengelernt haben, das beste und wohl organisierteste. Das merkt man auch daran, dass es ständig ausgebaut wird. Auch jetzt sind einige Bereiche gesperrt, weil dort gebaut wird. Auch ist das Restaurant in einen mehr zentral gelegenen Neubau umgezogen, der freundlicher, professioneller und einladender aussieht als die alte Kantine, die eher am Rande der Anlage lag und eher nüchtern wirkte. Sie ist heute ein Veranstaltungslokal, das ich aber noch nicht in Aktion erlebt habe.

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