23. Juni, Donnerstag, Rio: Corocovado und botanischer Garten

Vor 13 Jahren, als Aurora und ich uns kennengelernt hatten und unsere erste gemeinsame Reise machten, waren wir beide schon einmal in Rio gewesen. Das war im September 2003. Damals war es hier sehr heiß. Der Himmel war klar und blau und vom Corcovado, auf dem die riesige Christusstatue steht, die segnend ihre Arme über die unten liegende, zauberhafte Stadt ausstreckt, bot sich einer herrliche Aussicht über diese einzigartig schöne Stadt mit dem vielen Grün, den Bergen und den dazwischen liegenden Häusern und Straßen. Ich erinnere mich daran und freute mich schon darauf, heute Ähnliches zu erleben.

Um 7 Uhr schon waren wir alle drei fertig. Wir drei sind Inha, Aurora und ich. Da es in diesem großen Hotel nur einen einzigen Aufzug gibt, der funktioniert, liefen wir die Treppe runter vom 8. bis in den 3. Stock, wo das Frühstück auf uns wartete. Es war üppig Zeit, denn der Bus mit der Gruppe fuhr erst um 8.30 Uhr los. Wir waren wie so oft die ersten vor Ort. Und dann lernten wir die anderen in der Gruppe kennen, ältere Ehepaare, aber auch Familien mit Kindern, eine Oma mit ihrer Enkelin und sogar ein Geburtstagskind, für das wir im Bus das übliche Geburtstagsständchen sangen.  Über das Sesc-Hotel kann man noch sagen, dass es von Oscar Niemayer, dem Architekten Brasilias, entworfen worden ist. Kennzeichnend dafür sind gelbe Erker auf der Straßenseite, bei denen ich kleine Balkons vermutete. Wir haben auch ein solches Zimmer mit den gelben Erkern. Doch verbergen sie lediglich die Klimaanlagen und geben dem Haus eine besondere Note.
Die Fahrt ging zunächst an der Strandstraße der Copacabana entlang in die Innenstadt, vorbei an den Regierungsgebäuden von damals und heute bis an die Endstation der Zahnradbahn, mit der man in 20 Minuten auf den Corcovado hoch fahren kann. Diese Zahnradbahn ist ein schweizer Bauwerk und hat zur Folge, dass sich der Corcovado partnerschaftlich mit dem Jungfraujoch, das eine baugleiche Bahn hat, verbunden weiß. Langsam tuckerten wir durch den dichten Wald nach oben. Der Wald war vor 150 Jahren angelegt worden, nachdem der Fels zuvor kahl gewesen war. Jetzt hat er die Funktion, das Wasser zu speichern, damit es nicht unten die den Fels umgebende Stadt überschwemmt. Gleichzeitig ist es ein Bioreservat und Nationalpark namens Tijuca mit kleinen Goldäffchen, die wir in diesem Jahr leider nicht zu sehen bekamen. Überhaupt war das mit dem Sehen dieses Jahr nicht so weit her. Unten in Rio schien ja noch die Sonne. Auch zeigte sich auf dem Weg zum Corcovado die Christusstatue zwischen den Hochhäusern. Aber je näher wir dieser Figur kamen, desto nebliger und regnerischer wurde es. Die Zahnradbahn fuhr die Hälfte der Strecke noch bei Sonne, doch tauchte sie dann in die Wolken ein, die sich nach oben weiter verdichteten. Als wir dann oben zu Füßen der Statue standen und nach unten schauten, meinte man, man sei in einem Flugzeug, denn unter einem lag lediglich eine dicke, weiße Nabel- oder Wolkenwand. Selbst der Christus war nicht immer zu sehen und man musste aufpassen, dass sich nicht gleich wieder eine Wolke davor schob. Die Wolken aber wurden immer dichter. In ihnen fing es an, sogar recht kühl zu werden. Es begann sogar, leicht zu regnen. Auch Rio fühlt sich bei regnerischem Nebelwetter kühl an! Wir waren also recht froh, als die Fahrt zurück ging, denn unten in der Stadt war wieder Sonnenschein. Die Wolken haben sich an dem hohen Felsen gefangen.
Weiter ging die Fahrt zu einer Churrascaria, wo wir ein ordentliches Mittagessen bekamen. Ich selber bin davon so müde geworden, dass ich danach im Bus auf der Fahrt zum botanischen Garten tief und fest einschlief, während der Guide uns interessante Sachen über den botanischen Garten erzählte. Der Garten war auch wirklich besonders schön. Beeindruckend waren der Kakteengarten und der Baumbestand. Hier sah ich erstmals den rotstämmigen Brasilbaum, der dem ganzen Land den Namen verlieh. Hier gab es auch lange Alleen mit Königspalmen, die unglaublich hoch, schlank und gerade wachsen. Die Bilder von heute zeigen ein wenig davon. Schlecht wurde nur nach und nach das Wetter. Die Sonne verschwand und es wurde trüb und grau. Der botanische Garten zeigte sich also nicht von seiner sonnigen Seite. Man müsste hierher noch einmal zu einer anderen Jahreszeit kommen, wenn die Sonne scheint.
Als wir dann aber zurück ins Hotel kamen, waren wir alle ziemlich erledigt und Aurora beschloss, angesichts des trüben Wetters und der Müdigkeit keinen Schritt mehr vor die Tür zu setzen. Somit war dem heutigen Tag schon gegen 17 Uhr ein Ende beschieden. Nun ja, ich habe so immerhin Zeit, mein Reisetagebuch zu schreiben.

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