9. November, Donnerstag: In die Sonne

Der Wecker hat schon ausgesprochen früh geklingelt. Es war erst 5 Uhr. Dabei waren Aurora und ich in den letzten beiden Tagen recht spät ins Bett gekommen. Vorgestern hatten wir ein Rotary-Fest und gestern haben wir noch zusammen mit Bigi und Frank abends eine Pizzeria besucht und uns mit Pizza die Bäuche vollgeschlagen. So war das mit dem Appetit morgens eher nicht so gut. Dafür waren aber schon die Katzen munter und haben uns verschlafenen Menschen beim Aufwachen nachhaltig geholfen. Für Frank ist das Aufstehen eher kein Problem. Er wacht sowieso um diese Zeit auf und geht dann etwas später im Morgengrauen an den Strand. Bigi hingegen empfindet das Morgengrauen eher nach dem zweiten Teil der Bezeichnung, also eher als Grauen. Dennoch schälte auch sie sich aus den Federn. Schlafen konnte sie nicht so viel, weil gestern Abend noch jemand bis nach Mitternacht den Motor seines Motorrads laut aufheulen lassen musste, was von begeistertem Kindergeschrei begleitet wurde. Aber sei es drum. Es half ja nix. Wir mussten um 6 Uhr das Haus verlassen. Draußen war es jetzt ein wenig dämmrig, aber je weiter weg wir uns von Bombinhas bewegten, desto trüber wurde das Wetter. In Navegantes regnete es und Aurora und ich fürchteten schon das Schlimmste, nämlich dass das Flugzeug gar nicht fliegen würde. Anfangs sah es auch so aus, denn nachdem wir am Flugsteig waren, war draußen kein Flugzeug zu sehen, mit dem wir hätten fliegen können. Erst später tauchte aus den tiefen Regenwolken eine Maschine auf, landete, spie eine Menge Menschen aus, die noch viel früher in São Paulo aufgestanden und losgeflogen waren, und von meinem Herzen fielen eine Menge Wackersteine herunter. Hatte ich doch neulich auf Aurora eben bei solchem Wetter rund 7 Stunden warten müssen, weil ihr Flugzeug in Navegantes nicht landen konnte und nach Curitiba umgeleitet wurde, von wo aus sie mit einem Bus nach Navegantes gebracht wurde. Dieses Mal aber ging alles gut und wir hoben ab aus dem Regen, aus den Wolken an die Sonne, um in einer ersten Etappe nach Congonhas, dem Stadtflughafen von São Paulo, zu fliegen. Dort trafen wir dann auch Inha, Auroras Schwester, so dass unsere kleine Reisegruppe jetzt vollständig ist. Beim zweiten Flug dauerte es etwas länger, weil es in der Luft einen Stau gab und wir lange auf die Starterlaubnis warten mussten. Aber das Wetter wurde besser und als wir dann endlich in Rio ankamen, schien die Sonne heiß von einem strahlend blauen Himmel. Wir waren spät, aber nicht zu spät. Mit dem Taxi fuhren wir schnell zu dem Restaurant, wo wir die restliche Gruppe aus Tocantins trafen. Die hatten alle schon fast fertig gegessen, so dass wir uns etwas beeilen mussten. Dafür war das Essen aber sehr gut und wir wurden reichlich satt.

Ein paar Leute aus der Gruppe kannten wir bereits. Wichtig aber war uns vor allem, dass wir auch die meisten vom Leitungsteam kannten. Fatima, die uns schon im Pantanal begleitet hatte, ist jetzt auch dabei. Und auch unseren Guide aus Rio, der letztes Jahr schon dabei war, ist dieses Jahr auch wieder mit von der Partie. Die Gruppenmitglieder aber sind ausgesprochen müde, was ihnen keiner verdenken kann. Schließlich sind sie schon um 3 Uhr nachts losgeflogen. Das bedeutet, dass die meisten gar nicht im Bett waren. Welche Freude, als wir dann endlich gegen 14.30 Uhr zum Hotel kamen.

Das Hotel selber ist uns ja auch schon bekannt. Es hat 13 Stockwerke und einen kleinen Aufzug, in dem auch noch eine Aufzugsführerin sitzt. So können immer nur 5 – 6 Personen gleichzeitig den Aufzug benutzen, was unendliche Wartezeiten verursacht. Man muss sich gut überlegen, wenn man das Hotelzimmer verlassen will oder dorthin zurück kehrt. Vergessen geht nicht, es sei denn, mit viel Zeitverzögerung. Dafür aber sind unsere Zimmer neu renoviert und wir haben es geräumig, neu, gut beleuchtet und frisch, nachdem wir auch die Arbeitsweise der Klimaanlage erforscht hatten. Aurora und ich, aber auch Frank und Bigi wohnen im 11. Stock. Da kann man nicht so ohne weiteres immer die Treppe nehmen.

Da sind wir also im Hotel. Bigi war enorm müde und hat sich gleich mal hingelegt. Wir anderen hingegen haben beschlossen, noch einen kleinen Gang zum nächsten Supermercado zu machen, um für das Abendessen einzukaufen und vor allem Wasser zu besorgen. Und siehe da: Mein sonst so gelassener Bruder, der die Kunst des Gleichmutes erlernt hat, ist am Aufzug gleich mal an die Grenze seines Gleichmutes gelangt und hat sich kräftig geärgert über die lange Wartezeiten, zumal es uns nicht gelang, alle gleichzeitig in den Aufzug zu kommen. Zuerst fuhren Frank und ich und dann folgte erst Aurora mit Inha nach, wobei Aurora zum Ärger von Frank dessen eingekaufte Früchte mit sich trug. Gott sei Dank wurde aber seine Befindlichkeit, die ja vor allem der schlafenden Bigi und deren Ungestörtheit galt, nicht zu lange auf die Probe gestellt, denn auch Aurora gelang es, mit dem nächsten Schwung nach oben zu kommen.

Nun ist also alles besorgt. Wir haben zu trinken und jetzt können wir in aller Ruhe ankommen und uns vom Regenwetter Bombinhas auf das warme Sonnenwetter von Rio umstellen. So war also für den Rest des Tages lediglich schlafen, ausruhen, schlafen, ausruhen dran. Bigi und Frank machten sich noch mal auf den Weg.

Das Olympiastadion aus dem Flugzeug Das Museu do Amanhã aus dem Flugzeug
Das Olympiastadion aus dem FlugzeugDas Museu do Amanhã aus dem Flugzeug

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