11. November, Samstag, Regen auf dem Zuckerhut

Es regnet! Den ganzen Tag regnet es. Gestern hatten die Wetterpropheten das vorausgesagt, jedoch fiel es schwer, das angesichts der nachhaltig scheinenden Sonne zu glauben. Jedoch traf es ein, was vorausgesagt wurde: Es regnet! Als wir gegen 9 Uhr losfuhren, war es noch nur sehr trübe. Als wir dann an die Bergstation zur Gondelbahn auf den Zuckerhut kamen, war es noch trüber. Noch war es trocken, als wir auf den Morro da Urca, den ersten Berg mit der Zwischenstation der Gondelbahn, ankamen. Doch als wir dann weiter nach oben auf den Zuckerhut fuhren, begannen die Tropfen gegen die Scheibe der Gondel zu schlagen. Dort angekommen, zog es furchtbar und der Regen trommelte auf das Sonnendach, unter dem wir uns sammelten und das nun zum Regenschirm für uns wurde. Da war an viel Rumlaufen und Schauen nicht zu denken, sondern eher daran, wo man am besten Unterschlupf finden könnte. Zwar konnten wir etwas von der Stadt erkennen, die sich zu unseren Füßen ausbreitete, jedoch war das keine Freude angesichts des scharfen Windes und der großen Dusche, für die wir keinen Krahn zum Abstellen fanden. 40 Minuten blieben wir oben, sahen kurz nach unten, machten einzelne Bilder und fuhren dann in der Gruppe wieder auf den Absatz des Urcas, wo wir unter einem Dache noch einer Musikgruppe zuhörten, die Samba spielten. Viele von uns tanzten mit, schwangen die Hüften und Beine und sagen laut dazu. Es war ein typisches, brasilianisches Event, ungeplant, spontan und bei jedem Wetter fröhlich und laut. Dabei hatte eine große Gruppe unserer Tocantinsgruppe bereits am vergangenen Abend bis in die Nacht hinein mit Bruno, unserem örtlichen Guide, einen Ausflug in ein Sambalokal gemacht und bereits dort abgetanzt, was das Zeug hält. Aber ein Brasilianer oder eine Brasilianerin ist mit Samba nicht zur Ruhe zu bringen. Samba geht immer und beliebig lange. So musste Bruno drängen und die Band aufhören zu spielen, so dass wir dann nach unten mit der nächsten Gondelbahn schweben konnten. So gab es dann also keinen Samba mehr, dafür aber Regen, der sich unten aber nicht mehr so kühl anfühlte wie oben auf dem Zuckerhut.

Unten angekommen kämpften wir uns durch die widrigen Umstände in ein Lokal, das zu Füßen des Zuckerhutes lag und uns wieder ein wundervolles Mittagessen an einem herrlich ausgestatteten Buffet bot. Eigentlich ist das Mittagessen hier die einzige,, nennenswerte Mahlzeit, die wir zu uns nehmen. Denn morgens haben wir noch keinen richtigen Hunger und abends sowieso nicht. Also wird mittags stramm zugeschlagen. Besonders der Nachtisch mit den Süßspeisen war so verlockend, dass ich gleich zweimal zugriff. Und als wir dann das Lokal verließen, hatte es auch aufgehört zu regnen, so dass wir lediglich mit nassen Füßen zum Bus gehen konnten, der uns nun durch die historische Altstadt Rios mitnahm. Wir erfuhren, dass zu Beginn des vorigen Jahrhunderts einige kleinere Berge abgetragen wurden, um das Land aufzuschütten. Nun ist vor den steilen Bergen ein Streifen flaches Land entstanden, auf dem sich sowohl Straßen, die die Innenstadt mit den südlichen Bezirken verband, befindet, als auch viele Parks, Spielplätze, Naherholung usw. Wir waren hier schon lang gefahren, als wir vorgestern vom Flughafen zum Restaurant gefahren sind. Jetzt fuhren wir zunächst an dem Denkmal für den zweiten Weltkrieg vorbei, dann an dem Museum für moderne Kunst und kamen dann in die historische Altstadt. Wir sahen das Hauptgebäude der Petrobras, die alten Regierungs-und Parlamentsgebäude, sahen den Platz, an dem der Freiheitskämpfer Tiradentes hingerichtet worden ist, dann das Aquädukt, das Wasser in die Innenstadt brachte und schließlich die Kathedrale, an der wir anhielten, um sie zu besichtigen. Sie ist ein recht moderner Bau, der an den Stil der Maja-Tempelpyramiden angelehnt ist. An 4 Seiten ziehen sich von unten nach oben breite Glasmosaikfenster in grün, rot und blau, so dass die Kirche in ein dunkles, farbiges Licht gehüllt ist. Besonders gefiel uns auch die breite Tür, die eher an ein Marathontor erinnerte als an eine Kirche. So lässt sich eine offene Kirche gut darstellen.

Von hier aus ging es dann zurück ins Hotel, wo wir gegen 15 Uhr anlangten. Ich glaube, alle haben dann erst einmal die Augen zugemacht und geschlafen, was bei dem trommelnden Regen nicht so schwierig war. Man hatte das Gefühl, sowieso nichts mehr draußen zu verpassen. Laut Vorhersage soll sich das Wetter ab 19 Uhr bessern. Ob das stimmt, erzähle ich morgen, denn morgen werden wir wieder einen sehr vollen Tag mit einem ganztägigen Ausflug in die Umgebung von Rio erleben. Da MUSS die Sonne scheinen. Bruno hat’s gesagt.

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