14. November, Dienstag: Zukunftsmuseum und Aquarium

Wieder ein strahlend schöner Tag. 31° waren es in der Mittagszeit. Von der Wärme haben wir heute allerdings nur wenig gespürt, denn heute war ein Tag der Museen. Museen hier in Rio aber bedeuten immer ganz besondere Erlebnisse. Dazu gehört natürlich vor allem das, was es zu sehen gibt. Dazu gehört aber anscheinend auch, dass es schweinekalt dort ist. Sicherlich waren die Thermostate der Klimaanlagen auf zwischen 10° und 12° (gefühlt), also auf 18° gestellt. Da kommt niemand ins Schwitzen, besonders niemand, der eigentlich eher mit 30° rechnet. Die Angestellten der Museen wissen das und haben sich warme Klamotten angezogen. Wir haben es nicht gewusst und erlebten so die Inhalte der Museen eher im Klappermodus, also mit in schnellem Takt aufeinander schlagenden Zähnen und dem Versuch, sich mit beiden Armen selbstumarmend Wärme zu vermitteln. Letzteres hatte eher einen begrenzten Erfolg. Dennoch waren beide Museen ein echter Höhepunkt des Besuches von Rio.

Noch vor Beginn des allgemeinen Einlasses wurden wir gegen 9.30 Uhr in das Museu do Amanhã, das Zukunftsmuseum, eingelassen und erhielten die ganze Zeit eine Führung. Es war eine Reise von Anbeginn des Weltalls durch die Zeiten und Entwicklungen bis hinein in die Zukunft hindurch. Das Konzept des Museums ist gut und die Darstellung exzellent. Wir hatten das schon vor einem Jahr recht ausführlich studiert. Geändert worden ist nichts, aber das ist auch nicht nötig. Bilder und auch ein kleines Video sind im Fotoalbum zu finden.

Gegen 11.30 Uhr waren wir fertig und stiegen in den Bus ein, der uns nun zum AquaRio brachte, ein großes Aquarium mit Weltruf. Auch hier herrschte arktische Kühle, dafür aber eine enorme Vielfalt an Fischen. Eine Stunden lang liefen wir dort staunend umher und ergötzten uns an der Vielfalt der Fische, staunten über Haifischzähne und fotografierten, was die Kamera hergab. Via WhatsApp nahmen auch bedeutende Teile der Weltbevölkerung an unserem Staunen teil.

Nach diesem Besuch waren wir froh eine Weile draußen in der Sonne sein zu dürfen. Wir lechzten nach Wärme, setzten uns wie Leguane der Sonne aus, bis wir wieder einigermaßen warm waren. Per Pedes gingen wir nun zum Olympia-Boulevard mit den riesigen Porträts des Graffiti-Künstlers Kobra, die er anlässlich der Olympischen Spiele an eine große, fensterlose Wand gemalt hat als Symbole für die verschiedenen Erscheinungsformen des Menschen in den Erdteilen dieser Welt. Rechts des Boulevards waren alte Lagerhallen als Eventhallen ausgebaut. In der Mitte fuhr eine neue Straßenbahn. Früher war hier ein ziemlich verruchtes Viertel gewesen, das nun für die Spiele aufgehübscht worden ist. Bei den Bauarbeiten war dann auch gar nicht weit weg vom Boulevard bei Ausgrabungen der Cais do Valongo entdeckt worden. Dabei handelt es sich um den ursprünglichen Hafenkai, über den früher die Sklavenschiffe aus Afrika entladen wurden. Hier betraten bis zu mehr als 1 Million schwarze Menschen den südamerikanischen Kontinent, um hier aufgepeppelt und verkauft zu werden. Dieser Kai war lange verschüttet gewesen, weil der Hafen aufgefüllt und die Meereslinie damit verschoben wurde. In diesem Jahr nun wurde diese alte Kaianlage zum Weltkulturerbe der UNESCO erhoben und in eine Stufe mit den Denkmälern von Auschwitz und Hiroshima als Zeichen für Verbrechen von Menschen an Menschen gestellt.

Von hier aus wurden wir mit dem Bus abgeholt und zum Restaurant Appetito gefahren. Es gab Mittagessen und wir haben uns mal wieder ordentlich die Bäuche vollgeschlagen. Gerade wollte ich aufstehen und bezahlen, da wurde ich von links angequatscht. Es war Bruno, der nach mir fragte. Ich drehte mich um und fragte, was denn los sei, da sah ich in meinen Augenwinkeln, dass auch die restlichen Leute aus der Crew da waren. Was ich wohl verbrochen habe? Da aber brach es auch schon über mich herein. Eine Torte wurde gebracht, übergossen mit Krokant und Karamellcreme. In der Mitte stand eine kleine Wunderkerze. Jemand hatte ein Feuerzeug dabei und schon sammelten sich alle um meinen Platz herum und sangen laut und wundervoll falsch – eben wie es in Brasilien üblich ist: „Parabens pra você! Nesta data querida! Muitas felicidades, muitos anos de vida!“ (Glückwunsch für dich. An diesem schönen Tag. Viel Glück und viele Lebensjahre) Da fiel mir ein, dass ich ja heute Geburtstag habe. Sofort beschloss ich, nur noch auf SESC-Reisen Geburtstag haben zu wollen. Es kostet nix und alle feiern einen. Wunderbar! Ich war bewegt und fühlte mich vom Topf auf den Eimer gehoben. Alle kamen und gratulierten. Ich bekam eine große Menge Umarmungen geschenkt. Die ganze Gruppe war daran beteiligt. Ich glaube, es waren auch andere Leute darunter, die ich nicht kannte. Aber das weiß ich nicht mehr, weil ich ja von Arm zu Arm weitergereicht wurde und immer herzlich zurück drückte. Wie schön, wie erhebend, wie bewegend! Und so gelang es mir wieder, im Bus, den wir unbedingt jetzt räumen sollten, meine Tüte mit 4 T-Shirts, die ich im AquaRio gekauft hatte, zu vergessen. Gott sei Dank hat sie dann doch noch Bruno gefunden und gesichert.

Der späte Nachmittag war dann der Erholung gewidmet. Dabei lief auch ein Fußballspiel zwischen England und Brasilien. Bemerkenswert dabei war, dass ein Jesus für die Brasilianer auflief und immer wieder benannt wurde: „Jesus bekommt den Ball und gibt ihn an Neymar weiter – Jesus könnte schießen&ldquo. Oder schlimmer noch: „Jesus hat seinen Gegner gefoult. Jesus bekommt vom Schietsrichter eine Verwarnung und wird vom Platz gestellt“ Das klingt gewöhnungsbedürftig für deutsche Ohren.

Morgen ist der Abreisetag. Viel mehr werden wir nicht mehr sehen. Ich hätte gedacht, dass ich das meiste von Rio schon bei meinen vorherigen beiden Besuchen gesehen hätte. Aber es gab doch noch sehr viel mehr zu erleben und zu sehen und dieses Mal habe ich sogar noch von weiteren Sehenswürdigkeiten erfahren, die einem neuerlichen Besuch dieser wundervollen Stadt vorbehalten bleiben.

Zum Seitenanfang