3. November 2015, Dienstag, Voortrekker-Monument und Kroondal

Die Nacht wurde recht kurz, denn bis wir ins Bett kamen, war es schon nach 22 Uhr. Ich war wirklich müde von den vielen Gesprächen und dem vielen Zuhören. Nachts war ich dann leider schon ab 3 Uhr munter, was sich auf meine Müdigkeitsbilanz heute stark auswirkte. Öfters bin ich im Bus eingeschlafen, habe aber dennoch nichts verpasst.

Gegen 6 Uhr war ich dann doch noch mal eingeschlummert und wurde von Agnes Weckruf aus dem Reich der Träume gerissen. Frühstück war dann um 7 Uhr. Der Tag begann mit Brot, Marmelade, heißem Kaffee und der Tageslosung, die Agnes den beiden sie besuchenden Männern vorlas. Gegen 9.30 Uhr kamen dann die beiden Busse mit den Chauffeuren Carmen und Ulli Hahn, die uns abholten. Wieder über eine herrliche Autobahn ging es zu dem berühmten Voortrekker-Monument, einem Denkmal zu Ehren der burischen Siedler, die vor den Engländern, die die Kapprovinz besetzt hatten, flohen, um ihre Selbständigkeit zu bewahren. 1838 begann das Unternehmen und endete bereits 5 Jahre später, indem die Engländer auch dieses Gebiet besetzten, das mit viel Blutvergießen von den Buren besetzt worden war. Bis dahin aber wurde mit Bibel und Gewehr mit den schwarzen Völkern dieser Gegend mich wechselndem Erfolg, jedoch dank der sehr viel besseren Waffentechnik letztlich erfolgreich gekämpft. Die kleine Minderheit der Buren setzte sich gegen die zahlenmäßig hoch überlegenen, kriegerischen Einheimischen durch, um letztlich dennoch englische Kolonie zu werden. Spannend fand ich, dass angesichts dieser Entwicklung eine neue Auswanderungswelle von Buren u.a. nach Argentinien stattfand. Im Monument, das wir besuchten, war die Geschichte dieses Exodus der Buren aus der Kapprovinz in Marmor als Reliefbild dargestellt. Das Monument selber war eine Rundmauer, mit Reliefbildern von den Treckwagen, die eine Wagenburg bildeten. In der Mitte dieses Kreises stand ein hohes Denkmal, das dem für die Völkerschlacht in Leipzig ähnelt. Ich ließ es mir nicht nehmen, auch nach oben zu steigen, um die herrliche Aussicht auf Prätoria und Johannesburg zu genießen. Leider war es ziemlich diesig.

Die Reisegruppe vor dem Vortrekker-MonumentDie Wagenburg im Vortrekker-Monument
Die Reisegruppe vor dem Vortrekker-MonumentDie Wagenburg im Vortrekker-Monument

Von hier aus fuhren wir dann in eine Art Gemüse-Einkaufszentrum, einem sehr ansprechenden Geschäft für Grünsachen wie Salate und Früchte und für Nüsse und damit zusammenhängenden Produkte. Hier kaufte ich mir etwas Obst für das Mittagessen ein, das wir gemeinsam als Picknick in der angeschlossenen Parkanlage zu uns nahmen. Carmen nutzte die Gelegenheit, uns mit dem weiteren Programm vertraut zu machen.

Der Ort unserer MittagspauseDie alte Kirche von Kroondal
Der Ort unserer MittagspauseDie alte Kirche von Kroondal

Nach diesem gemütlichen Mittagspicknick fuhren wir weiter in Richtung Kroondal. Dabei handelt es sich um einen kleinen Ort mit hauptsächlich deutschen Wurzeln. Einige Familien hatten von den Kroondals, einer holländischen Siedlerfamilie, deren riesige Farm gekauft und den Ort dort gegründet, in dem nun viele deutsche Missionarsfamilien Häuser bauten und ihn zu ihrem Stützpunkt machten. Hier entstanden Schule, sogar ein Internat für Missionarskinder, deutsche Einrichtungen und entsprechende Vereine, in denen die deutsche Kultur lebendig gehalten wurde. Marga Lubber ist die Leiterin der Gemeindebibliothek und sie war es auch, die uns über die Geschichte der Deutschen in Kroondal berichtete. Sie ist eine sehr aufgeweckte, vielseitig interessierte, energische Rentnerin, eine alte Freundin von Carmen, die gerade in ein Haus des Altenheims der hiesigen Gemeinde gezogen war. Später stellte sich heraus, dass ihr bei ihr untergebracht war.
Leider hat man in der Nähe von Kroondal reiche Platin- und Cromvorkommen entdeckt, so dass die ganze Gegend heute Bergbaugebiet ist, was den Ort auf Grund der damit nötig gewordenen Straßenbauarbeiten und Infrastrukturmaßnahmen ziemlich kaputt gemacht hat. Immerhin ist das Gebiet mit den deutschen Einrichtungen noch immer aus einem Guss. Wir begannen in der alten Kirche, die heute die Gemeindebibliothek beherbergt, gingen weiter in die deutsche Schule, wo wir die Rektorin Hildegard, ebenfalls eine alte Freundin von Carmen, trafen. Auch sie stammt von den ersten Siedlern ab. Weiter gingen wir in das Gebäude der jetzigen Vorschule, die früher den einzigen Klassenraum der deutschen Schule war. Schließlich sahen wir auch noch den Kindergarten. Alle Einrichtungen sind deutschsprachig. Sodann besuchten wir das große Gemeindezentrum mit den beiden großen Gemeindesälen, in denen sehr viele Veranstaltungen ausgerichtet werden. Zuletzt waren wir dann noch an der neuen evangelischen Kirche und auf dem Friedhof des Ortes.
Carmen hat ebenfalls ihre Wurzeln in Kroondal, hat hier ihre Kindheit und Jugend verbracht, bis sie auf Grund einer Eingebung schon als verheiratete Frau zusammen mit Ulli, der zu ihr nach Kroondal gezogen war, nach Mecklenburg-Vorpommern auswanderten. Carmen zeigt uns noch ihre alte Farm, erzählte von ihrem Großvater, der damals noch einen Laden im Ort unterhielt und wir trafen viele Menschen, die Carmen kannten und sich freuten, sie wiederzusehen. Man merkte sehr deutlich, dass sie eine von ihnen war und ist.

Die Gemeindebücherei in der alten KircheMarga Lubbe
Die Gemeindebücherei in der alten KircheMarga Lubbe

Die Nacht verbrachte ich also unter der Obhut Margas, die sehr liebevoll für Joachim, Gisela und mich, die bei ihr beherbergt waren, sorgte. Von ihr erfuhr ich bezüglich meiner Familie noch zwei Dinge:
1. Die beiden alten Teichlers, Dr. Günter und seine Frau Maria, sind auf dem Friedhof beerdigt, denn sie verbrachten die letzte Lebenszeit im Altenheim von Kroondal. In ihrem Grab ist auch die Urne von Beate Teichler, ihrer leicht behinderten Tochter, die viele Jahre in der Bethelbuchhandlung in Bethel bei Bielefeld gearbeitet hat und die ich dort auch kennengelernt hatte. Sie war gestorben. In Bethel gab es einen Abschiedsgottesdienst, aber ihre Urne wurde dann im Grab der Eltern in Kroondal beigesetzt. Ich wusste es nicht, als wir dort waren, jedoch werden wir morgen früh gleich noch einmal dorthin fahren, damit ich es sehe und fotografieren kann.
2. Die jüngste Tochter von Monika Wittenberg namens Reinhild Voges wohnt in Kroondal und arbeitet als Kinderkrankenschwester in Rustenburg. Ihr Mann – ich durfte mit Reinhild telefonieren – ist Physiotherapeut, arbeitet jedoch jetzt als Lehrer. Vielleicht klappt es noch mit einer Begegnung mit ihr, wenn wir von der Rundreise zurück sind. Sie selber ist aber hart eingespannt, zumal auch ihr ältester Sohn am Sonntag konfirmiert wird.

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