5. November 2015, Donnerstag, Blyderiver Canyon

Rose mit dem KaffeeAuch diese Nacht war kurz, denn es dauert, bis die Fotos und die Berichte im Netz stehen. So kam ich erst gegen 23.30 Uhr zur Ruhe, die dann lediglich bis 6 Uhr dauerte, als ich aufwachte, weil sich Peter bereit zur Arbeit machte. Ich sehe ihn gerne morgens noch einmal, bevor er sich verabschiedet. Agnes ist dann auch schon wach und angezogen. Ich selber komme im Schlafanzug. Danach zog ich mich allerdings noch mal ins Bett zurück, wo ich dann mitbekam, dass Agnes‘ Perle Rose kam. Rose ist eine kaffeebraune, ziemlich korpulente Frau in den besten Jahren, die Agnes einmal wöchentlich für einige Stunden zur Hand im Haushalt geht. Sie strahlte über das ganze Gesicht, als ich ihr im Auftrag Auroras ein Pfund Kaffee aus Brasilien überreichte.

Gegen 8 Uhr haben dann Joachim und ich gefrühstückt. Agnes las uns derweilen eine Tageslosung von Johannes Busch vor, der ja vor vielen Jahrzehnten einmal auch in meiner alten Gemeinde in Frankfurt-Höchst war und nach dem unser damaliges Gemeindezentrum benannt war.

Der Bus mit den anderen kam gegen 9 Uhr. Geplant war vor allem eine lange Anfahrt zum Krüger-Nationalpark mit einem Zwischenstopp beim Blyderiver Canyon, einem Felsabbruch. Vor der Abfahrt aber wollten Carmen und Ulli noch einen Bus austauschen, weil Ulli mit seinem Gefährt unzufrieden war. So suchten wir in Pretoria auf mühsamen Wegen die Niederlassung von Hertz, wo wir dann mit vielen Umständen einen anderen Bus erhielten. Es dauerte bis 11.30 Uhr, als wir endlich los kamen. Die Stimmung drohte zu kippen, denn die Mitfahrenden saßen in den Bussen und meckerten, weil das alles so wahnsinnig lange dauerte und wir nicht voran kamen. Aber auch Carmen und Ulli waren schwer genervt aus demselben Grund. Also waren dann alle lieber ganz still, bis die Mägen bei einer Raststätte gefüllt worden waren und man mit fröhlichem Sinn Wetten vereinbarte, ob wir den Canyon noch vor der Dunkelheit erreichen oder nicht. Wir haben ihn knapp vorher erreicht nach einer langen Fahrt durch eine großartige Landschaft. Diese Landschaft erinnert mich sehr an das Innere Brasiliens, wie wir es im April im Mato Grosso gesehen hatten. Große, hügelige Kulturlandschaften mit Bergen an den Rändern, die teilweise recht steil aus ihnen hervor ragten. Entsprechend war dann auch dieser Canyon, der sich an der Abbruchstelle der Drakensberge in die Ebene, in der sich der Krüger Nationalpark befindet, herabstürzt. Es ist sehr beeindruckend, ebenso wie der Felsabbruch zwischen den Chapadas und dem Pantanal. Wir kamen an, als die Sonne schon recht tief stand und die Schatten lang waren. Aber auch diese Stimmung ist eine besondere mit den goldenen Farben. Dazu sah ich noch einige Pavianen, die sich an den Mülleimern auf dem Parkplatz zu schaffen machten. Eine 4-köpfige Familie war dabei und ein alter, schwarzer Herr ohne Anhang. Welch eine schöne Begegnung.

Impressionen aus der AnfahrtBlyderiver Canyon
Impressionen aus der AnfahrtBlyderiver Canyon

Blyderiver CanyonBlyderiver Canyon
Blyderiver CanyonBlyderiver Canyon

Blyderiver CanyonPavianmann und -frau
Blyderiver CanyonPavianmann und -frau

Pavian in der AbendsonneAbendessen im Restaurant
Pavian in der AbendsonneAbendessen im Restaurant

Schon kurz vor dem Canyon fiel mir ein, dass ich eventuell meinen Pass in Pretoria vergessen haben könnte. Leider bestätigte sich der Verdacht. Ohne Pass kann ich nicht in Swasiland einreisen. Carmen hat daraufhin Agnes angerufen, die auch gleich den Pass da fand, wo ich ihn vermutete. Wie aber gelangt der Pass in den nächsten Tagen zu mir? Agnes nimmt sich des Problems an und schickt ihn entweder mit einem Kurier, wenn das klappt, oder sie reisen am Sonntag bis zum Park, um uns zu treffen zwecks Übergabe des Passes. Ich schäme mich sehr, dass ich so vergesslich bin. Aber das Vergessen von Dokumenten ist wohl ein durchgehendes Phänomen auf dieser Reise. Mit Aurora wäre das niemals passiert, weil sie sowas immer unter Kontrolle hat.

Nachdem wir vom Canyon wegfahren konnten, waren es noch rund 70 km bis Sabie, wo wir in einem Hotel angemeldet waren. Das Hotel ist einfach, hat aber Internet. Nach dem Einchecken gingen wir dann noch alle in ein Restaurant, in dem ich erstmals in meinem Leben Kudu-Fleisch gegessen habe. Es war gut vorbereitet, aber ich wunderte mich, wie wenig es nach Wild schmeckte. Wohl war es gut, aber Kudus sind lebend besser zu haben. Man muss nicht ihr Fleisch essen. Rindfleisch ist schmackhafter.

Zum Seitenanfang