16. November 2015, Montag, Ernst-Albert und Klein Teichler

Auch bei den Teichlers gibt es Familienmitglieder, die finanziell besser gestellt sind. Ernst-Albert ist ein solches Familienmitglied. Er ist ein angenehmer Zeitgenossen, pfeift gerne vor sich hin, ist fröhlich und gut gelaunt und trotz seines Alters von über 70 Jahren bestens drauf. Er war wie die meisten anderen Teichler-Söhne Arzt, was einen gewissen Wohlstand garantiert, auch hier in Südafrika. Gestern Abend hatte Agnes bei ihm, dem nur wenig älteren Bruder, angerufen und er hat gesagt, dass er mich heute um 7 Uhr abholen würde. Das tat er denn auch. So fuhren wir mit einem geräumigen 450E von Agnes zu ihm, der gar nicht weit weg wohnt. Agnes meinte gleich, als ich zum Auto ging, dass ich es hier wohl mit dem wohlhabendsten Mitglied der Familie zu tun hätte. Das kann ich zwar nicht beurteilen, aber das, was ich bisher gesehen habe, bestätigt das. Sein Haus ist groß, die Räume auch. Ich selber habe ein eigenes, großes Zimmer mit angeschlossenem Bad. Ich meinte gleich zu ihm, dass er jetzt aufpassen müsse, dass ich auch wieder gehe, so schön ist es hier. Ich würde dann auch Aurora kommen lassen. Aber er und Klein, so heißt seine Frau mit Vorname, lachten und sagten, dass sie nichts dagegen hätten. Beide sind sehr unkompliziert, gastfreundlich und humorvoll.

Ernst-Albert und Klein TeichlerEin Bild, das Klein gemalt hat
Ernst-Albert und Klein TeichlerEin Bild, das Klein gemalt hat

Ernst-Albert wohnt in einer riesigen Wohnanlage, die man nur durch ziemlich harte Sperren mit intensiven Kontrollen erreichen kann. Der Vorteil ist, dass man keine Mauern und elektrische Sicherheitsanlagen braucht. Die Häuser stehen in ihren Gärten recht ungeschützt und darum offen. Wenn es hier Kriminalität gibt, dann nur Kleinkriminalität. In der Anlage gibt es 1.700 ziemlich große Häuser mit ziemlich großen Grundstücken. Rundum ist ein enorm großes Freigelände als Wildpark eingerichtet. Hier gibt es Antilopen, Gazellen, Zebras und andere Tiere, die man hier wie in freier Wildbahn beobachten kann. Wir machten vormittags erst einmal eine Rundführung durch das Haus und dann gleich einen längeren Gang durch das Gelände. Wir liefen bestimmt 8 km teils durch Bebauung, teils durch den Wildpark. Es war sehr schön und interessant, denn bisher hatten wir die Natur nur mit dem Auto durchfahren. Alles zu Fuß zu erleben, ist noch intensiver und schöner.

Nach diesem Gang lud Ernst-Albert ein zu einem Mittagessen in einem nahe gelegenen Fischrestaurant. Danach war Mittagsschlaf angesagt. Wie schön und wie verträglich für einen Döring.

Ernst-Albert ist inzwischen Rentner. Das heißt nicht, dass er nicht arbeitet. Er hat an Tagen, die er selber bestimmt, weiterhin Patienten. Als wir vom Mittagessen heim fuhren, meldete sich am Telefon die jüngste Tochter von Manfred Teichler namens Sabine Frische, 1.2.9.4., die vor knapp 3 Wochen eine Tochter namens Alia Zarah, 1.2.9.4.1., geboren hat und die er, der als Kinderarzt tätig war, noch mal anschauen soll, bevor sie in die Schweiz fliegen, um die Großeltern des Kindes zu besuchen. Er wird Alia morgen sehen. Ernst-Albert wurschtelt sonst sehr gerne im Garten herum, wo er allerlei angepflanzt hat. Er kann jede Pflanze beim Namen nennen und hat viel Spaß, wenn ihm was gelingt. Dabei schaut er neidlos und mit einem verschmitzten Gesicht auf seine Schwester Agnes, die – so sagt er – überall, selbst in Blumenhandlungen, Pflanzen klaut („die klaut wie ein Rabe!“) und alles wird wunderschön und sprießt, während er selber da weniger Glück hat.

Klein, seine Frau, ist burischer Abstammung, spricht aber gut Deutsch. Sie hat als Hobby die Malerei und sie malt schöne Bilder mit viel Talent. Im Haus hängen einige ihrer Bilder.

Nachmittags haben wir uns dann auf eine kleine Familienrundfahrt zu den drei Kindern von Klein und Ernst-Albert gemacht. Das Schwierige bei allen war, dass keiner von ihnen deutsch redet. Africaans ist ihre Muttersprache. Außerdem können sie Englisch. Zunächst besuchten wir Hans-Werner (1.2.6.1.) und Cathy mit ihren beiden Kindern Albert (1.2.6.1.1.) und Mia (1.2.6.1.2.). Albert ist ein typischer, sympathischer, munterer 8-Jähriger. Er ist schon in vielen Sportarten aktiv, besonders auch im Rugby, weswegen er einen starken Händedruck hat und meinen Händedruck gut erwiderte. Mia ist erst 6 Jahre alt und ein typisches, kleines Mädchen, das gerne schäkert. Hans-Werner und auch seine Frau Cathy sind beide berufstätig als Betriebsingenieure und sie wohnen alle in einem wunderschönen, geräumigen Haus.

Mia TeichlerCathy Teichler
Mia TeichlerCathy Teichler

Hans-Werner TeichlerAlbert Teichler
Hans-Werner TeichlerAlbert Teichler

Von ihnen aus ging es weiter zu Ernst-Dewald (1.2.6.2.), der alleine in der Nähe seiner jüngsten Schwester in der gleichen Anlage ebenfalls in einem großen Haus lebt. Er ist nicht verheiratet und arbeitet in der IT-Branche. Er fuhr dann mit uns auch zur jüngsten Schwester von ihm namens Tanya (1.2.6.3.), die zusammen mit ihrem Mann Mark in einem riesigen, modernen Haus wohnt. Die beiden haben zwei Töchter. Isabella (1.2.6.3.1.) ist 3 Jahre alt und war ein wenig schüchtern. Mila (1.2.6.3.2.), die jüngste, ist erst knapp 2 Jahre alt und war darum schon im Bett und schlief. Wir kamen etwas ungelegen, weswegen wir auch nur ganz kurz blieben. Isabella begann dann auch noch zu fremdeln und wollte nicht fotografiert werden. Ich habe das auch respektiert und sie in Ruhe gelassen. Erst als dann Papa und Mama dabei waren, ging es einigermaßen.

Ernst-Dewald TeichlerMark, Isabella und Tanya Heyman
Ernst-Dewald TeichlerMark, Isabella und Tanya Heyman

Während wir unsere Rundfahrt machten, ging ein erstes Gewitter mit ziemlich starkem Regen auf uns nieder. Welch eine Erleichterung nach Monaten der Dürre! Hier sterben die Rinder und die wilden Tiere, weil es kaum noch Gras gibt wegen der Dürre. Da kamen heute die beiden Gewitter, die mittags und nachmittags auf uns nieder gingen, sehr recht. Aber welch ein Unterschied zu Bombinhas, wo es seit Monaten ständig regnet.

Der Abend verlief dann gemütlich mit viel Erzählen vom Leben hier und bei uns in Brasilien. Wir haben viel miteinander gelacht und das einzige Traurige war, dass Aurora nicht dabei war. Denn mit ihr wäre es noch viel schöner gewesen.

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