17. November 2015, Dienstag, Mehr Verwandte: te Reh

Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Sippschaft von mir sich hier im Umkreis befindet. Immer wieder taucht jemand auf, der auch auf unserer großen Sippentafel verzeichnet ist. Und das seltsame ist, dass sie alle irgendwo im näheren Umkreis wohnen. Ob das daran liegt, dass Agnes so etwas wie ein energetisches Zentrum der Familie ist? Als solche gilt sie bei allen, ihren Geschwistern und auch deren Kinder. Mit Agnes dabei schafft man alles. Wahrscheinlich wäre auch Aurora jetzt in Südafrika, wenn Agnes in São Paulo dabei gewesen wäre. Agnes hat es auch geschafft, die fast aussichtslose Lage wegen des vergessenen Passes zu klären. Also versammelt sich irgendwie alles in der Nähe von ihr und sie ist dann für alle da, wenn sie gebraucht wird. Davon habe ich heute auch wieder Kostproben bekommen.

Ich wachte in meinem wunderschönen Zimmer bei Ernst-Albert und Klein früh auf und genoss erst einmal den Luxus des Bades und der freundlichen Aufnahme durch die beiden, die schon aufgestanden waren. Klein war sogar schon angezogen und ihre Perle, eine schwarze, korpulente Dame mit freundlichem Gesicht und Lächeln, war schon da. Ernst-Albert machte sich gerade fertig, weil er bald in seine Praxis fahren wollte, wo noch einige Patienten auf ihn warteten. So war er bis gegen Mittag fertig. Bis dahin unterhielten wir, Klein und ich, uns über die Unterschiede zwischen Brasilien und Südafrika, ich zeigte ihr Fotos von uns, unserer Wohnung, unserer Umgebung. Besonderen Eindruck machte das Oktoberfest von Blumenau, von dem ich sowohl viele Fotos als auch Videos habe. Um 12 Uhr waren wir dann mit Agnes verabredet, die von ihrem älteren Bruder in den Golfclub seines Condominios eingeladen worden war. Wir würden dort gemeinsam essen. Gut, dass Agnes kam, denn sie hatte auch wärmere Kleidung für mich mit, denn es war gestern nach den Gewittern doch erheblich kühler geworden und ich begann zu frieren. Das änderte sich allerdings, als wir auf der Terrasse des Clubs in der Sonne saßen. Welch ein luxuriöser und friedlicher Ort. Der Kellner namens Anybody (!) war Mosambikaner und sehr lustig und fröhlich. Kellner sind hier nicht so steif, sondern lassen sich gerne in Gespräche verwickeln. Wir waren dort über eine Stunde.

Mittagessen mit Klein, Ernst-Albert und AgnesSabine, Chritsian und Alyah
Mittagessen mit Klein, Ernst-Albert und AgnesSabine, Chritsian und Alyah

Mit Agnes fuhr ich dann zusammen wieder zu ihr. Unterwegs sagte sie mir, dass sie Sabine mit ihrem Neugeborenen noch zu Andreas fahren will. Da wollte ich natürlich gerne mit. Und so fuhren wir nach einem kurzen, erholsamen Mittagsschlaf los, sammelten nach 5 Minuten Fahrt Sabine mit ihrem Kind ein und fuhren zu Andreas, was lediglich 15 Minuten dauerte. Alle wohnen eben irgendwo in der Nähe. Nirgends auf der Welt wohnt so viel Familie auf einen Haufen, wie in diesem Teil von Pretoria. Sabine (1.2.9.4.) ist die jüngste Tochter von Manfred Teichler (1.2.9.), der mit seiner Frau Maya, einer Schweizerin, in der Schweiz lebt. Dort hatten Aurora und ich die beiden vor rund 10 Jahren kennen gelernt, als wir auf einer Blindenfreizeit in ihrer Nähe waren. Sabine aber hat es zurük gezogen nach Südafrika. Sie fühlt sich hier mehr daheim als in der Schweiz. Ihr Mann Christian, den ich im Anschluss auch noch kennenlernen durfte, ist ebenfalls ein Pfarrerssohn und Südafrikaner. Sie sind – wie alle anderen Teichlernachkommen – ein sehr sympathisches Paar, denen man die am 29. Oktober dieses Jahres geborene Tochter Alyah Zarah (1.2.9.4.1.) gönnt, denn die ist auch ein sehr hübsches, süßes, braves Baby. Mit Nachname heißt die Familie jetzt Frische. Sabine mit Alyah, Agnes und ich fuhren also los zu Andreas, der ebenfalls in einer Condominio, die aus vielen hübschen Häusern besteht, wohnt und arbeitet. Andreas (1.1.5.) ist kein Teichler, sondern ein te Reh, der seit 26 Jahren jetzt als Arzt in Südafrika lebt. Seine Frau Sabine ist auch seine Sprechstundenhilfe. Beide hatten jetzt Sabine als Patientin und auch Zeit, ein wenig zu plaudern. Lange war das allerdings nicht, weil wir ja von ihm um 19 Uhr schon eingeladen sind. Wir würden gemeinsam in ein Restaurant seiner Wahl gehen und er würde bezahlen. So verließen wir ihn gegen 17 Uhr, fuhren schnell zu Sabine, wo wir auch noch Christian trafen, dann schnell nach Hause, wo auch Peter bald kam, um uns für den Abend fertig zu machen.

Agnes und AlyahDer Warteraum der Praxis von Andreas te Reh
Agnes und AlyahDer Warteraum der Praxis von Andreas te Reh

Als wir mit 20 Minuten Verspätung ankamen, saßen Sylvia und Andreas schon da und warteten auf uns. Das war zunächst eine herzliche Begrüßung durch die beiden. Aber wie sehr unterscheidet sich Andreas von den Teichlers! Das ist wirklich atemberaubend. Während die Teichlers alle sehr vorsichtig freundlich sind und in ihrer Art niemanden verletzen, alle fördern und miteinander sehr liebevoll umgehen, hat Andreas eine eher mir selber ähnelnde Schnoddrigkeit drauf mit sehr viel Humor. Sylvia hat dabei einen etwas undankbaren Part als Korrektiv. Aber wie die beiden miteinander umgehen, merkt man, dass sie lange verheiratet sind. Ich selber finde Andreas ausgesprochen herzlich, aber eben schnoddrig. Ich glaube, wir ähneln uns recht viel, wobei er allerdings noch mehr eine Frohnatur ist als ich es bin. Aber ich denke, wir könnten uns sehr gut verstehen.

Andreas nahm sich die Sippentafel vor und stellte gleich mal eine Menge Fehler in seinem Familienzweig fest. Daraufhin hat er sich die Tafel zusammengefaltet und eingesteckt. Er hofft, sie bis Sonntag korrigiert zu haben. Ich fand den Abend sehr schön, zumal man in dem Lokal die Frösche quaken hörte und am Ausgang ein kleines Krokodil neben dem Fußweg lag. Das Essen war sehr gut und reichhaltig. Übrigens stellte Peter auf der Heimfahrt fest, dass er jetzt innerhalb einer Woche mehr Verwandtschaft gesehen hätte als sonst in einem ganzen Jahr. Da hat man also all die Leute in seiner Nähe und dennoch einen nicht gerade üppigen Kontakt miteinander. Da ist es anscheinend manchmal besser, mehr Abstand zu haben und dafür einen gute Skype-Kontakt mit den Lieben. Das scheint besser zu laufen, als die alleinige Nähe. Aber diese Erfahrung habe ich auch vorher schon gemacht.

Sylvia te RehAndreas te Reh hinter der Sippentafel
Sylvia te RehAndreas te Reh hinter der Sippentafel

Und als wir dann daheim waren, kam wieder ein Gewitter mit einem großen Regen, den Mensch und Tier hier im Gegensatz zu Bombinhas so nötig brauchen. Welch ein schöner, erfüllter Tag, auch wenn ich immer wieder an Aurora denke, die mir so sehr fehlt.

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