19. November 2015, Donnerstag, Noch mehr Teichlers

Heute stehen also weitere Teichlers auf meinem Programm. Genauer gesagt, sind es ein Bruder Teichler und eine Schwester Teichler, die heute Buchhorn heißt.
Ich glaube, ich sollte mal denen, die unsere Sippentafel nicht so genau kennen, erklären, wer diese Teichlers überhaupt sind und wie sie mit uns zusammen hängen.

Da war also zunächst mal der Stammvater der Sippe, sozusagen unser Vater Abraham, der aber nicht Abraham, sondern Franz Trittelvitz hieß. Seines Zeichens war er Pastor auf Rappin und sollte eigentlich allen bekannt sein. Dieser Franz und sein geliebtes Eheweib bekamen einen Haufen Kinder, genauer gesagt: acht. Der Älteste dieser munteren Schar war der Walter Trittelvitz, der Missionsinspektor in Bethel war. Wir nannten ihn den alten Onkel Walter. Auch der alte Onkel Walter sollte eigentlich der Familie bekannt sein, denn er war ein sehr origineller Mensch. Mit seiner Frau Lina, von uns Kindern Tante Linchen genannt, hatte er vier Kinder: Magdalene, Maria, Walter, den Stammhalter, und zuletzt Hanna, die den Doc Ernst Hartmann geheiratet hat. Walter war bei uns als der junge Onkel Walter bekannt, Studienrat in Bethel und mit seiner Familie eine Portalgestalt meiner Kindheit.
Die älteste Tochter Magdalene hat Erwin te Reh geheiratet und 6 Kinder bekommen. Der zweitjüngste dieser Schar ist Andreas te Reh, den ich vorgestern traf. Er ist jetzt Doc in Südafrika.
Die zweite Tochter Maria hat den Arzt Günter Teichler geheiratet und ist damit die Mutter einer nicht allzu knappen Kinderschar von neun geworden.
Monika, die älteste, ist eine verwitwete Wittenberg und wohnt heute in Pietermaritzburg. Ich werde sie vom Montag bis Mittwoch besuchen. Sie hat vier Kinder. Mit der jüngsten Reinhild habe ich telefoniert, als ich in Kroondal war. Sie ist Krankenschwester in Rustenburg bei Kroondal.
Es folgt Christoph Teichler, der mit Rosemary verheiratet ist. Die beiden haben einen noch jungen Sohn Bernhard. Christoph werde ich morgen kennenlernen. Seine Frau ist aber nicht daheim, sondern zusammen mit Sohn Bernhard bei ihren Eltern. Vielleicht kommt sie am Sonntag.
Sodann folgt als dritter Teichler Martin, der allerdings schon 2013 an Krebs gestorben ist. Seine Frau Rita lebt am Kap in Port Elizabeth. Sie haben zwei Kinder, die in Kanada und in Florida leben. Diese Familie lerne ich nun leider nicht kennen. Martin war zwar auch Doc, jedoch kein Arzt wie die anderen Teichlerbrüder, sondern Doktor der Pädagogik. Dafür ist sein ältester Sohn Arzt geworden.
Jetzt kommt das vierte Teichlerkind, die Beate, die in Bethel lebte und starb und dort in der Bethelbuchhandlung arbeitete. Ihre Asche ist heute bei den Eltern in Kroondal im Grab. Ich glaube, Ruthild war bei der Trauerfeier in der Zionskirche von Bethel dabei.
Als fünftes Teichlerkind folgt Barbara, heute verheiratet mit Lothar Buchhorn. Ich lernte sie heute kennen. Sie ist die Mutter von 3 Töchtern: Erika, die ich am Sonntag traf, Margot, die Triathletin, die schon in Frankfurt bei mir war, und Christine, die gerade in Florida geheiratet hat. Lothar ist pensionierter Pastor der Stadtmission in der Nähe von Johannesburg. Dazu später mehr.
Sechstes Kind der Teichlers ist dann der Doc Ernst-Albert oder Ernie genannt. Ihn, seine Frau Klein samt seinen drei Kindern habe ich vorgestern besucht. Wahrscheinlich wird er mein Ansprechpartner für diese Gegend von Südafrika werden, weil Agnes nächstes Jahr ganz weit nach Süden nach Kleinmond ziehen wird. Klein ist die Schwester von Rita, der Frau vom verstorbenen Martin Teichler.
Agnes ist dann auch das siebte Teichlerkind. Zu ihr und ihrer Familie muss ich nun nichts sagen, weil ihr das schon wisst. Nur ganz kurz: drei Kinder: Klaus-Günther, Andreas (wohnt mit Frau und 3 Kindern in Mühlhausen bei Karlsruhe) und Ingrid.
Bei den Teichlers folgt nun als achtes Kind der als Baby verstorbene Bernhard. Ernie meinte, dass seine Mutter ihr Leben lang um Bernhard getrauert hat. Aber ich glaube, dass man das auch verstehen kann.
Nesthäkchen der Familie ist der Doc Manfred Teichler, der mit Maya heute in der Schweiz lebt, wo Aurora und ich sie schon getroffen hatten. Manfred hat 4 Kinder. Die jüngste Tochter Sabine wohnt jetzt wieder in Südafrika und hat gerade ein Kind bekommen. Sie und ihre Familie traf ich vor zwei Tagen, als Agnes mit ihnen und mir zu Andreas te Reh in die Praxis fuhren und dann heute wieder, als sie uns unverhofft besuchte.
Ich habe mal nachgezählt und kam auf folgende Statistik der Teichlers:
Kinder: 9
Enkel: 20
Urenkel: 33 + 4 (von Ehepartnern mitgebrachte Kinder)

Jetzt lässt sich ermessen, welche Aufgabe ich mir vorgenommen habe, möglichst viele von ihnen kennenzulernen. Das Gute daran ist, dass die Teichlers dabei mitspielen. Barbara meinte, dass das an der großen, südafrikanischen Gastfreundschaft liegt. Das mag sein, aber ich glaube, dass das nur ein Teil der Wahrheit ist. Ich kann mir auch vorstellen, dass sie vielleicht auch Interesse an einem entfernten Cousin haben, der so großes Interesse an ihrer Familie zeigt und sogar ihre Familienstruktur kennt. So gehen wir gerne aufeinander zu und ich muss sagen: Es ist in der Tat der Mühe wert, denn die Teichlers sind sehr liebe und freundliche, aber auch spannende Menschen. Die Verständigung klappt oft, aber nicht immer auf Deutsch. Englisch muss her, besser noch Afrikaans. Denn Schwedisch und Portugiesisch, meine beiden Ausweichsprachen, kann niemand von ihnen. So muss ich mir mit Englisch behelfen, was aber trotz übler Schulnoten meinerseits einigermaßen gut gelingt.

Nun aber zu den Ereignissen des Tages. Agnes wollte eigentlich gegen 10 Uhr losfahren, doch da sagte sich unvermutet Sabine mit ihrer Alyah an. Der fiel gerade die Decke auf den Kopf und dann ist es völlig selbstverständlich, dass sie erst einmal Vorfahrt hat. So kam sie mit der Kleinen und wir saßen eine Weile im Garten. Ich hatte dann das kleinste Teichlerlein auch auf dem Arm. Das kann ich in der Tat gut genießen und die Mutter hatte auch das entsprechende Vertrauen zu mir, was Mütter in Deutschland in der Regel nicht haben. Aber wir sind ja auch hier in Südafrika.

Alyah, das jüngste TeichlerleinIch darf Aliah auf dem Arm halten
Alyah, das jüngste TeichlerleinIch darf Aliah auf dem Arm halten

Dann aber ging es doch los nach Vanderbijlpark, einer 500.000-Seelen-Stadt südlich von Johannesburg. Die Fahrt war vielleicht 80 km weit. Hier wohnen also Barbara (1.2.5.) und Lothar Buchhorn. Er ist pensionierter Pastor der Stadtmission, muss aber oder darf noch immer Dienst tun, weil es derzeit in der Stadtmission keinen Pastor gibt. Die beiden vorigen, seine Nachfolger,  waren aus unterschiedlichen Gründen vorzeitig ausgeschieden. So lange noch kein Nachfolger da ist, ist also Lothar gefordert. Die beiden leben in einem recht einfachen, älteren Häuschen, das Barbara von einer Zahnärztin, die sie zu deren Lebzeiten betreut hatte, geerbt hat. Das war vor 4 Jahren und es kam genau richtig, um den beiden Buchhorns als Altersruhesitz zu dienen. Sie haben es sich nach und nach hergerichtet. Ich erhielt hier ein eigenes Zimmer mit 2 Betten, weil ja Aurora eigentlich auch hier sein sollte. Leider bin ich jetzt alleine.
In einer ersten Annäherung habe ich mich vor allem mit Lothar unterhalten, weil Barbara noch mit Agnes beschäftigt war. Lothar ist ein sehr feiner, zugewandter, liebevoller, weicher Mensch mit viel Humor und mit einer sehr warmen, herzlichen Ausstrahlung. Er erzählte von seinem Leben – er stammt aus Nikolaiken in Ostpreußen, seiner Arbeit bei der Stadtmission und fragte mich nach meinem Leben und nach den Ereignissen, wieso Aurora nicht hier ist. Wie schade, fand er. Ich finde das auch. Aber wir könnten ja ein anderes Mal zu ihnen kommen. „Stimmt!“ sagte ich. Dabei scheint klar zu sein, dass die beiden Ehepaare Buchhorn und Schiller gemeinsam in ein Haus in Kleinmond ziehen werden, also sehr weit weg. Und Christoph, der trotz seiner knappen 80 Jahre im Nachbarort noch immer als Arzt praktiziert, besitzt auch ein Grundstück neben dem seiner beiden Schwestern. Vielleicht zieht er auch dorthin, so dass dort ein neues Teichler-Nest entsteht.

Nach dem Mittagessen fuhr Agnes heim und ich blieb hier. Da Buchhorns kein WiFi haben, gehen sie immer mit Hilfe eines Mobilanschlusses online und so gingen wir nach einem Mittagsschlaf los, um diesen Anschluss aufzuladen, so dass ich online gehen kann. Aus dem Haus rechts raus in Richtung einer großen Straße, über die Straße rüber über rote Erde – die Erde ist hier in der Regel so rot wie in Südamerika – und dann rein in ein sehr modernes, gut ausgestattetes Einkaufszentrum, eine Mall. Dort war auch das Geschäft, in dem wir den Stick aufladen konnten. Dieses Einkaufszentrum ist in seiner Art fast das Extrem von dem, was man außerhalb der Mall antrifft, wo eher ungeordnete, afrikanische Zustände herrschen. Hier sieht alles sehr sauber, geordnet, europäisch aus. Es kommt einem doch etwas seltsam an und man hat den Eindruck, als stimme etwas nicht, entweder die Mall oder die Umgebung. Beides passt irgendwie nicht zusammen.

Buchhorns HausLothar Buchhorn
Buchhorns HausLothar Buchhorn

Barbara BuchhornDas Ehepaar Buchhorn in ihrem Wohnzimmer
Barbara BuchhornDas Ehepaar Buchhorn in ihrem Wohnzimmer

Lothar hat mir auf dem Weg auch ein wenig über die politischen Verhältnisse erzählt. Er klagt wie alle anderen auch, dass das Ende der Apartheid zwar den Schwarzen mehr Rechte, jedoch auch mehr Elend gebracht habe. Die vorher bestehende Ordnung begann sich aufzulösen, ein Prozess, der noch immer anhält. Gleichzeitig stieg die Kriminalität. Fast jeder Südafrikaner hat inzwischen jemand in der Bekanntschaft, der von Gewaltverbrechen betroffen ist. Das Land gleicht sich in seinen Strukturen mehr und mehr dem übrigen Afrika an. Die Korruption wird immer schlimmer. Mandela, Mbeki und jetzt Zuma waren und sind Präsidenten, die das Land immer weiter verkommen ließen. Darunter, meint Lothar, leiden auch die Schwarzen, denen ebenfalls die Existenzgrundlage entzogen wird. Die Mentalität dieser Menschen sei so, dass lediglich die allernächste Zukunft gesichert sein muss und dass längerfristiges Planen nicht vorkommt. Man lebt von der Hand in den Mund und zieht nach Möglichkeit andere Tätigkeiten der des Arbeitens vor. Nachhaltigkeit sei ein kulturell fremder Gedanke.

Abends von 19.30 bis 20.30 Uhr gab es dann eine Bibelstunde im Haus, die von einem Ingenieur vorbereitet wurde. Ich war nun dabei, habe auch versucht, ein wenig mitzureden, jedoch ist klar, dass unsere Theologien nicht unbedingt kompatibel sind. Aber das macht nicht so viel. Wichtig war mir hinterher die Feststellung von Lothar, dass hier wichtig ist, das Evangelium so zu predigen, dass es den Menschen eine echte Wegleitung raus aus ihren schwierigen und oft selbst verschuldeten Problemen bietet. Christus nimmt die Menschen sozusagen an die Hand und begleitet sie zu einem sinnvollen, erfüllten und guten Leben. Das finde ich in Ordnung, auch wenn ich mich darin nicht wiederfinde.

Nach der Bibelstunde wurde dann noch gemeinsam zu Abend gegessen. Lothar und ich haben danach noch gemeinsam abgewaschen. Dadurch war noch etwas Zeit gewonnen, um über die Familie Teichler und andere Sipplinge zu sprechen. Barbara interessierte sich besonders für die Luschewskis, die sie noch aus dem Saarland kannte. Da passte es gut, dass ich mit Kajsa so gut befreundet bin und ihr gleich erzählen konnte, wie es um sie steht. Nun kenn ich sowieso viele aus der Sippschaft, konnte dadurch einige Infos weiterleiten und bekam auch Infos von Barbara. So ging ein langer Tag gegen 23 Uhr zu Ende.

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