20. November 2015, Freitag, Buchhorns

Da bin ich also bei Buchhorns und wir waren heute vormittags gleich mal auf eine Weise unterwegs, wie sie wohl vor allem mit Teichlers passieren kann. Dazu muss man wissen, dass der Günter Teichler wohl ein sehr durchsetzungsstarker Mann, groß und ziemlich kräftig, war, der sich von nix und niemand die Butter vom Brot nehmen ließ. Das war auch nötig, wenn er all das durchsetzen wollte, was er durchgesetzt hat. Da gab es kein Nachgeben. Letzteres war dann eher der Part der Maria Teichler, die keinen Bettler unbeschenkt stehen lassen konnte, wenn sie den Eindruck hatte, hier helfen zu können. Die gab schlicht alles weg, was sie selber geschenkt bekam. Mit Günters Energie und Marias Freigiebigkeit war es kein Wunder, dass die beiden trotz anerkannt großer Leistung persönlich nicht besonders wohlhabend waren, obwohl sie sicherlich alle Möglichkeiten dazu gehabt hätten. Sie waren im Gegenteil ihr Leben lang ziemlich arm. Als sie alt waren, mussten ihre Söhne sie unterstützen, damit sie in Kroondal unterkommen konnten. Das konnten die Söhne auch ganz gut leisten, weil ja alle außer dem Martin Docs geworden waren, denen es auch hier in Südafrika nicht schlecht geht. Die sind zwar auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten freigiebig, jedoch entblößen sie sich nicht so wie ihre Eltern. Geerbt hat diese Eigenschaft wohl vor allem Barbara, die auch jede Möglichkeit wahrnimmt, andere Menschen zu beschenken, und sei es nur durch ein gutes Wort. Gerade kommen wir vom Mittagessen heim. Da saß hinter uns eine Oma mit Tochter mit Enkelin. Eine hübsche, schwarze Familie. Natürlich geht Barbara hin und spricht sie an. Da sie die hiesige Sprache der schwarzen Menschen ohne Probleme sprechen kann, kommt das auch gut an. Alle drei Frauen strahlten über beide Backen. Und dann gingen wir heim aus der Mall und kamen an ein paar am Straßenrand lungernden, schwarzen Männern vorbei, die sie fröhlich begrüßten: „Hallo, Mutter!“ Sie – und wir auch – grüßten ebenso fröhlich zurück.

Heute Vormittag waren wir nun bei einer Bibelstunde der besonderen Art. Aus einem Kindergarten hatte Barbara vor einigen Jahren die Bitte erhalten, wöchentlich eine Andacht mit den Kindern zu machen. Das hat Barbara natürlich angenommen und nun geht sie wöchentlich in diesen Kindergarten, um dort mit den Kindern zu singen und eine biblische Geschichte zu erzählen. Die Kinder versammeln sich, singen kräftig alle Lieder mit und hören gespannt der Geschichte zu. Ich kann es bezeugen, dass es auch geordnet und gesittet zuging, obwohl mehr als 30 Kinder im Raum waren. Die Kindergärtnerin und die Kinder führten uns dann ihr Weihnachtsspiel vor, das sie alle gemeinsam zitierten und sangen. Erstaunlich, dass die kleinen Kinderköpfe das alles so gemeinsam aufsagen können und es auch mit großer Begeisterung und mit erheblicher Phonzahl taten. Wir waren sehr beeindruckt, auch wenn wir das meiste nicht verstanden.

Im KindergartenIm Kindergarten
Im Kindergarten

Nach diesem Besuch fuhren wir ein paar Straßen weiter zu Christof Teichler, der dort in einer Klinik noch immer als Doc tätig ist. Er hatte heute seinen Bürotag und keine Sprechstunde, so dass er auch Zeit für uns hatte. Auch er ist ein typischer Teichler. Man sieht es ihm gleich an und hört es auch durch die sanfte, humorvolle Art des Sprechens und Formulierens. Er wird am Sonntag mit zum Braail kommen und mit uns zu Agnes fahren. Auch hat er beschlossen, das Fleisch dafür zu finanzieren. Er ist zwar gerne Arzt, jedoch macht ihm das Arbeiten keinen richtigen Spaß mehr, weil ihm der Zentralcomputer der Krankenhausverwaltung Vorschriften macht. Er hat also nicht den PC, sondern der PC hat ihn. Das gefällt ihm nicht. Irgendwann wird er also aufhören. Schließlich ist er ja auch schon fast 80 Jahre alt. Da sollte man ein Recht auf seinen Ruhestand haben.

Christof TeichlerChristof und Barbara
Christof TeichlerChristof und Barbara

Es wurde über den Besuchen Mittag und ich lud die beiden Buchhörner ein zum Mittagessen in einem Restaurant. Das war in der Mall – und was dann passierte in der Begegnung von Menschen mit Barbara, hatte ich schon geschildert. Es hat sich aber während des Essens ein theologisches Gespräch ergeben, nach dem ich vermutlich etwas mehr verstanden habe, was Barbara und Lothar hier bewegt und was uns unterscheidet. Für sie – und ich meine, das auch schon bei anderen so gespürt zu haben – ist der doppelte Ausgang des Gerichts wirklich wichtig. Es ist für sie ein verführerischer Glaube, an die Erlösung alles Seienden zu glauben. Wer das verkündet, nimmt den Menschen die Notwendigkeit der Bekehrung und des Bekenntnisses zu Gott. Als Zeugnis dafür führen sie allerlei Belege aus der Bibel, vor allem das Gleichnis von den 10 Jungfrauen, Jesu Endzeitrede und die Offenbarung an, eben alles, wo vom Heulen und Zähneklappen die Rede ist. Ihre besondere Aufgabe sehen sie darin, Menschen zum Glauben zu führen, so dass sie am Ende bei den Erlösten und nicht zu den Verdammten gehören. Das gilt vor allem für die Liebsten, aber auch für alle anderen Menschen, um die sie sich bemühen. Es ist ein in sich schlüssiger Glaube, den ich verstehen kann, auch wenn ich ihn nicht teile oder überzeugend finde. Aber das muss ich ja auch nicht.

Nach eine ausführlichen Mittagsruhe begann dann Barbara mit der Vorbereitung der Weihnachtsbäckerei, während Lothar und ich uns noch einmal auf die Söckchen machten, um in der Nähe eines neuen Kasinos einen Tierpark zu besuchen. Lothar erklärte, dass alle Unternehmen, die einen Tierpark anlegen, in eine niedrigere Steuergruppe kommen. Darum entstehen überall im Land im Anschluss an steuerschwere Unternehmen solche mehr oder weniger privaten Tierparks mit Tieren aus Südafrika. So wanderten wir vor allem eine Teerstraße an dem Zaun dieses Freigeländes entlang. Es waren sicherlich rund 5 km für den Hinweg und wieder zurück. Dabei sahen wir wieder einiges, was das Land so an Viecherei zu bieten hat: Springböcke, Wasserböcke und sonstige Böcke, Impalas und sonstige Rehe samt Strauße und andere Vögel. Die Besonderheit war, dass die Straußen Küken hatten und in einem Gehege ein kanadisches Wolfsrudel lebt. Außerdem gab es noch eine weiße Antilope, wie sie Lothar auch noch nie gesehen hatte.
Mir fiel dieses Mal das Laufen etwas schwer. Die Gänge der vergangenen Tage steckten wohl noch in den Füßen. Lothar aber meinte, es sei die Höhe von 1.600 m über dem Meeresspiegel, die meine Füße schwerer macht. Kurz vor dem Dunkelwerden waren wir dann zurück. Ich telefonierte noch mal mit Monika Wittenberg, die ich dann ab Montag besuche, ließ noch Margot schöne Grüße bestellen und setzte mich ab in mein Zimmer. Schließlich muss Lothar noch eine Predigt für Sonntag über die die 10 törichten und klugen Jungfrauen schreiben. Der Abend verlief also eher ruhig und still.

Familie StraußEin Straußenpaar
Familie StraußEin Straußenpaar

Kanadische Wölfeeine weiße Antilope
Kanadische Wölfeeine weiße Antilope

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