23. November 2015, Montag, Nach Pietermaritzburg

Wenn ich alleine weiter reisen muss, dann vermisse ich Aurora doppelt viel. So war es auch heute. Agnes brachte mich gegen 9 Uhr zum Flughafen, wo es mir problemlos gelang einzuchecken. Als ich die Buchungsnummer eingab, erschien natürlich auch Auroras Name, den ich dann leider nicht angeben konnte. Wie schön wäre es gewesen, sie hier zu haben. So wurde auch die Wartezeit nach dem Passieren der Sicherheitskontrollen extra lang und auch langweilig trotz eines anregenden Buches. Mit etwas Verspätung kamen wir an Bord des Flugzeuges, das aber dennoch recht pünktlich abhob. Der Platz neben mir war leer und blieb dieses Mal auch leer. Daneben auf der Gangseite aber saß eine Stewardess, die wohl von Johannesburg zu einem anderen Einsatzort flog. Auf der anderen Seite saß ein Mann, der wie ein Inder aussah. Der hatte mich schon auf dem Flughafen gefragt, wo denn bittschön das Klo sei. Ich konnte es ihm wegen eigener Erforschung etwas früher zeigen. Jetzt also saß er da und er begann schon vor dem Start damit, die Stewardess vom Herrn Jesus zu erzählen. Das tat er dann den ganzen Flug über und die Stewardess war sehr freundlich mit ihm, auch wenn sie immer wieder versuchte, durch Zeitunglesen abzulenken. Aber dieser junge Mann war sehr beharrlich in seinem Missionseifer. Ich fand das etwas seltsam. Sowas begegnet einem in Deutschland eher selten, hier aber sehr häufig. Südafrika ist wirklich ein Land der Frommen und der Missionare, die es so weder in Brasilien noch in Deutschland in nennenswerter Ausstreckung gibt.

Landung in Durban. Alles ging glatt. Ich hatte nur Handgepäck und war darum auch ziemlich schnell  draußen. Jetzt sollte sich zeigen, ob meine Shuttlebuchung geklappt hatte. Schon heute früh war ich per SMS gebeten worden, die Buchung zu bestätigen, was ich auch getan habe. Kurz vor dem Flug kam noch eine SMS, die ich nochmal bestätigt habe. Jetzt müsste also eigentlich der Fahrer auf mich warten. Es standen auch eine Reihe von Leuten mit Schildern vor dem Bauch am Ausgang, nur war darauf eben nicht mein Name zu sehen. Ich fragte in der Information, die mich zu einem bestimmten Ausgang schickte, wo alle Shuttles warten. Also bin ich dorthin und habe erfahren, dass mein Unternehmen dort nicht anzutreffen sei. Also zurück und noch mal suchen. Ich habe dann auf meinem Handy eingegeben, dass ich da sei, aber kein Shuttle. Daraufhin bekam ich einen Anruf, dass ich mich auf einen bestimmten Platz begeben sollte. Dort würde der Fahrer in 2 Minuten sein. Und so war es denn auch zu meiner größten Erleichterung. Es war ein junger Mann mit einem Auto von der Shuttlefirma. Ich stieg ein und er brachte mich in einer Stunde direkt vor Monikas Haustür. Phantastisch. Monika kam raus, wir nahmen uns in den Arm und ich war angekommen. Gott sei Dank!

Bei Monika begann gleich mal eine längere Redesession, in der wir quer Beet über viele Dinge verhandelten. Ich vermute, es wird auch so weiter gehen, denn morgen haben wir beide kein Programm. Das beginnt erst übermorgen, wenn wir sehr früh von Gertrud Tönsing, Monikas Tochter und Pastorin in Duban, abgeholt werden, um eine Rundfahrt zu machen. Jetzt aber ist zunächst mal dran, die Örtlichkeiten zu erkunden. Damit verbunden ist ein kleiner Spaziergang durch diese wunderschöne Altenanlage, die aus lauter einzelnen Häusern mit Gärten drum herum besteht. Diese Häuser stehen in einem geschützten Bereich und sind wohl nur von Deutschsprachigen bewohnt. So ist es ein kleines Stück Deutschland in Südafrika, wie man es hier so oft findet. Das Konzept aber ist wirklich gut und ermöglicht alten Menschen eine selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter. Ein Pflegetrakt wird jetzt zusätzlich gebaut.

Ich habe ein hübsches Zimmer mit eigenem Bad. Internet ist schwierig, weil Monika zwar eine WiFi Verbindung hat, die jedoch so geschützt ist, dass sie für mich nicht funktioniert. Irgendwas ist da geschaltet, so dass lediglich Monika mit ihrem Laptop dran kann, niemand sonst. Wahrscheinlich gibt es da Passworte, die Monika nicht kennt. Eingerichtet hat das alles Dewald, ihr Schwiegersohn, Pfarrer und Professor an der Fakultät, die Gunther Wittenberg, Monikas Mann, aufgebaut hat und die derzeit leider wieder eingedampft wird, weil es zu wenig Studenten gibt. Darum ist Dewald jetzt zum Pfarrer der zentralen, lutherischen Gemeinde in Pretoria gewählt worden, wohin er zum Jahreswechsel mit seiner Frau umzieht. Monika und ihre Familie sind nämlich im Gegensatz zu den meisten anderen nicht in der Stadtmission oder bei den Reformierten, sondern bei den Lutheranern. Hier wohnen sie auch in Lutheran Gardens, dem Altenheim der lutherischen Gemeinde.

Der Abend ging nach einem Erzählmarathon dann doch recht früh zu Ende. Ich brauche das auch, weil ich auch stille Zeiten brauche, in denen ich mal nichts mehr höre. Aber da ich genügend Zeit mit Monika hier verbringen kann, geht das gut. Spannend ist noch, dass Monika, die Professorenfrau, mir mindestens 10 Bücher ans und ums Bett gelegt hat, die ich unbedingt jetzt lesen soll, damit ich mich nicht langweile. Ob Gunther das immer gemacht hat? – Nun, ich bin kein Professor und brauche diese Bücherflut nicht so sehr, zumal ich sie bei dem etwas schummrigen Licht nicht sehen kann.

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