24. November 2015, Dienstag, Erzählen

Monikas Haus in der WohnanlageDie Senioren-Wohnanlage Lutheran Gardens
Monikas Haus in der WohnanlageDie Senioren-Wohnanlage Lutheran Gardens

Eigentlich ist heute wenig passiert, und doch ist heute ganz viel passiert. Nur entstand das meiste durch Gespräche über die Vergangenheit, die Teichlerei, unsere gemeinsamen Altvorderen und über uns in Brasilien. Ich habe viel gehört und auch viel erzählt. Wir haben viele Bilder angeschaut und ich nahm teil am Ergehen von Monika und ihrer Familie. Man merkt Monika die Traumatisierungen, die ihr in der Zeit der Apartheid zugefügt worden sind, an. Sie ist recht viel anders, als ihre Geschwister, auch wenn man deutlich merkt, dass alle aus einem Stall kommen. Denn sie ist im Grunde wie die anderen Teichlers auch ein humorvoller, fröhlicher Mensch mit einem großen Herzen, auch wenn es ihr manchmal schwer fällt zu erzählen, was sie erlebt und erlitten hat. Der letzte Schlag nun war der Tod ihres Mannes Gunther vor 1,5 Jahren. Sie hat das inzwischen einigermaßen unter die Füße bekommen, aber es ist noch immer sehr schwer, wie alle die, die das erlebt haben, wissen.

Monika Wittenberg (1.2.1.) hat eine bewegte Geschichte in der Apartheidszeit. Sie selber hatte sehr viele grausame Erlebnisse mit dem damals herrschenden Regime und der Polizei, weil sie schon immer gegen Apartheid und für ein Miteinander der Rassen gekämpft hat. Das haben die Schwarzen und Farbigen recht bald gemerkt und haben sie gerne geholt, wenn sie Ziele für Übergriffe durch Polizei und paramilitärische Banden wurden. Sie selber geriet in Kampfhandlungen, ist nur knapp dem Tod entronnen. Ihr Sohn Martin (1.2.1.1.) wurde damals sogar für 5 Monate in Einzelhaft genommen, ohne dass eine Anklage gegen ihn erhoben wurde. Ich denke, das war Monikas schwerste Zeit. Dank der Fürsprache durch hohe Kirchenvertreter kam er dann recht unerwartet frei. So prägen Monika noch heute die damals ausgestandene Angst und der Kampfesmut, wobei sie ein eher von Bonhoeffer inspirierter Glauben trägt. Sie ist mit sehr vielen Menschen befreundet, darunter auch die Frau des Frankfurter Propstes Trautwein, zu dessen Amtszeit ich 1979 als Pfarrer nach Frankfurt kam, und mit meinem damaligen Dekan Hans Blum, der lange Jahre als Pfarrer im Swasiland gearbeitet hatte, bevor er nach Deutschland zurück kehrte. Wir hatten also sehr viel zu erzählen.

Dennoch saßen wir nicht den ganzen Tag im Sessel. Ich selber wollte gerne in die Stadt, um ein USB-Modem zu besorgen, mit dem ich hier überall und wann ich will ins Netz kommen kann. Kaum waren wir aus dem Gelände der Anlage draußen, da bog auch schon ein großer, weißer Mercedes aus der Einfahrt, hielt neben uns und ein alter Herr, selber Bewohner der Anlage, fragte, ob wir nicht mitfahren wollten. Er wolle ins Zentrum. Gerne nahmen wir das Angebot an und so landeten wir ohne Probleme dort, wo wir hin wollten. Alle Erledigungen wurden gemacht. Ich bin jetzt stolzer Besitzer eines USB-Modems, das allerdings eher schlecht als recht funktioniert – woran das auch immer liegt. Immerhin bin ich jetzt online. Und als wir dann so vergnügt in Richtung nach Hause gehen wollten, fiel die arme Monika hin. Sie war an einer Stufe hängen geblieben und sank nun langsam aber sicher nach vorne, tat sich an einer Seite weh und schürfte sich den Ellenbogen auf. Ich rannte schnell zu ihr, ebenso ein Wachtmann. Monika war etwas unter Schock, fing sich aber bald und konnte dann aufstehen. Sie ist ja nun hart im Nehmen. Und als wir dann gerade zum Parkplatz kamen, wo der Mitbewohner sein Auto parkte, sah ich, dass er gerade dabei war, wieder heim zu fahren. Ich rannte hin und fragte, ob er uns nicht doch wieder heim nehmen könnte, was er auch gerne tat. Gut für Monika, denn sie war doch etwas geschwächt durch den Sturz und es fing an, richtig heiß zu werden, denn hier herrscht – im Gegensatz zu Bombinhas – sonniges Wetter.

Noch einen Ausflug haben wir, nachdem wir wieder stundenlang geredet hatten, gemacht, indem wir das Grab von Gunther Wittenberg besuchten. Das war nicht weit, sondern gleich hinter der Kirche, die jenseits der Einfahrt in das Gelände des Altenheims liegt. Dort ist kein richtiger Friedhof, sondern eine geschwungene Mauer mit Öffnungen für Urnen. Davor ist ein bankartiger Vorbau, in dessen „Sitzfläche“ Löcher eingebaut sind, in die man dann die Asche aus den Urnen hinein streuen kann, bevor dann das Loch mit einer Grabplatte abgedeckt wird. Hier ist das Grab von Gunther. Hier ist es leicht erreichbar, hier kann Monika immer wieder hin und hier kann sie auch Blumen auf das Grab stellen.

Monika WittenbergAm Grab von Gunther Wittenberg
Monika WittenbergAm Grab von Gunther Wittenberg

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